Kunst

Freiburger Jugendkunstparkour auf Corona eingestellt

Anja Bochtler

Mit dem Motto "Abwarten" brachte der diesjährige Jugendkunstparkour die zähe Corona-Lage auf den Punkt – aber es gab wieder Präsenzveranstaltungen.

Es sind Männerköpfe mit tiefen Furchen im Gesicht: Einer kahl, der andere mit Pferdeschwanz. Wer sie beim Finale Grande des neunten Jugendkunstparkours am Wochenende im Hof der Projektwerkstatt Kubus an der Haslacher Straße ansprach, bekam keine Antwort. Wenn Ines Zeltner und Lara Biermann (beide 23) mit ihren Masken unterwegs waren, kommunizierten sie nur mit Gesten. Die Masken entstanden in einem von fünf Workshops des wegen Corona geschrumpften Jugendkunstparkours.

Welches Motto hätte passender sein können für ein Kunst-Festival in Pandemie-Zeiten? Die Devise "Abwarten" brachte die zähe Corona-Lage auf den Punkt. Zum zweiten Mal erforderte sie deutliche Veränderungen des ursprünglichen Konzepts, das geprägt ist vom offenen, gemeinsamen Kunstschaffen vieler junger Menschen. Daran war im zweiten Corona-Jahr wieder nicht zu denken. Doch während beim ersten Corona-Jugendkunstparkour fast alles nur digital stattgefunden hatte, wurden diesmal Präsenzveranstaltungen geplant, an drei Orten, zu denen neben Kubus das Delphi-Space – ein Kunst- und Veranstaltungsort in Brühl-Beurbarung – und die Edith-Mayron-Kunstschule in Munzingen gehörten. Je nach Platz waren nur fünf bis zehn Teilnehmende zugelassen. Miriam Hodapp (32) beschreibt bei der Vernissage, wie eng die Verbindung zwischen den jeweils geltenden Corona-Regeln und den künstlerischen Bedingungen war. Neben Geduld beim Warten war vor allem Flexibilität gefragt, mit der das Orga-Team auf wechselnde Situationen reagierte.

Trotz der vielen Herausforderungen habe es aber auch klar positive Aspekte gegeben, sagt Viola Sinn von Kubus: Vor allem die Kooperation mit dem Delphi-Space und der Edith-Mayron-Kunstschule zählt sie dazu. Dieser Erweiterung stehen an anderer Stelle Schrumpfungen entgegen. Früher hätten bis zu 40 junge Leute an einem Workshop teilgenommen, sagt Hanna Seidler vom kooperierenden Verein Artik, diesmal seien es durchschnittlich nur acht gewesen.

Zusammensein nach langen Lockdown-Zeiten genossen

Umso mehr hätten die Teilnehmenden das Zusammensein nach langen Lockdown-Zeiten als Privileg genossen. Diesmal brachten die meisten ähnliche Hintergründe mit wie Miriam Hodapp, Ines Zeltner und Lara Biermann, die alle drei auf Lehramt mit Kunstschwerpunkt an der Pädagogischen Hochschule studieren. Lara Biermann hat wie Miriam Hodapp im Orga-Team alles mitgestaltet, Ines Zeltner gehörte früher auch mal zu den Organisierenden. Dass diesmal weniger jüngere Jugendliche dazu stießen, lag an den Begrenzungen, sagt Miriam Hodapp: Dadurch habe sich alles eher aufs Umfeld des Orga-Teams konzentriert.

Dennoch gehörte eine große Weite mit dazu: Neben den fünf Workshops unter anderem für Maskenbau, Holz und Beton gab es auch eine Premiere der Kubus-Theatergruppe, die teils digital, teils in Präsenz stattfand, mit Zuschaltungen von Schauspielerinnen aus Norwegen und Holland. Und Ines Zeltner und Lara Biermann schlüpften hinter ihren Masken immer intensiver in die von ihnen geschaffenen Personen hinein: Lara Biermann verbindet mit ihrem Werk einen im Labor grübelnden Forscher, Ines Zeltner hat das etwas grummelige Gesicht ihrer Maske durch den Pferdeschwanz aufgelockert.