Corona-Pandemie

Freiburger Impfzentrum schafft erstmals mehr als 1000 Impfungen am Tag

Joachim Röderer

Das Freiburger Impfzentrum fährt seine Kapazität weiter nach oben: Nun können mehr als 1000 Menschen pro Tag geimpft werden. Auch der Moderna-Impfstoff ist nun in Freiburg angekommen.

Das Freiburger Impfzentrum hat auf der Messe und durch fünf mobile Impfteams in Heimen der Region am Donnerstag erstmals mehr als 1000 Menschen an einem Tag geimpft. Die Kapazität wird damit weiter nach oben gefahren, nächste Woche startet der Zweischichtbetrieb. Dann werde es noch mehr Termine geben, so Impfzentrumsleiter Frank Uekermann. Heute, am Donnerstag, hat Minister Manfred Lucha das Zentrum besucht, das im Land "Leuchtturmcharakter" habe, so Lucha. Seit Donnerstag wird auch das Moderna-Vakzin verimpft.


"Wir werden von kommender Woche an 7000 bis 8000 Impfungen pro Woche schaffen." Frank Uekermann, Impfzentrumsleiter
Bis zum Mittwochabend sind durch das Freiburger Zentrum 8000 Impfwillige immunisiert worden. Am Donnerstag kamen weitere 1250 hinzu. Durch eine neue Lieferung an Impfstoff konnte die Kapazität nach oben gefahren werden. "Wir werden von kommender Woche an 7000 bis 8000 Impfungen pro Woche schaffen", sagte Impfzentrumsleiter Uekermann am Donnerstag beim Besuch des baden-württembergischen Sozialministers Manfred Lucha.

Seit Donnerstag wird im Freiburger Zentrum neben dem Biontech-Impfstoff auch das Präparat von Moderna eingesetzt. "Bei der Handhabung gibt es Unterschiede zwischen den Stoffen", erklärte Professor Martin Hug, Chefapotheker des Uniklinikums: Während der Biontech-Stoff von den Apothekenteams in der Messe erst verdünnt werden muss, kommt die Moderna-Variante verbrauchsfertig an. 1440 Dosen des zweiten zugelassenen Impfstoffs hat das Freiburger Zentrum geliefert bekommen.

Ein Lob von Minister Manfred Lucha

Im "Außendienst" waren am schneereichen Donnerstag auch fünf mobile Impfteams unterwegs – gefahren vom Technischen Hilfswerk und von der Bergwacht mit Fahrzeugen mit Allradantrieb. Der Einzugsbereich des Freiburger Impfzentrums umfasst auch den Hochschwarzwald und reicht bis an den Bodensee.

Vor dem Rundgang gab es viel Lob für das Impfzentrum von Minister Lucha. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer betonte, dass man bei Organisation und Aufbau der Einrichtung einen "Freiburger Weg" gewählt habe, etwa mit einem Schichtmodell, das eng an das Modell der Uniklinik angelehnt sei. Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) freute sich über die steigende Zahl an Impfdosen: "Wenn wir mehr Impfstoff haben, legen wir noch eine Schippe drauf." Frederik Wenz, der Leitende Ärztliche Direktor der Universitätsklinik, verwies darauf, dass der stufenweise Start des Zentrums sinnvoll gewesen sei. 80 Prozent der bislang Geimpften kamen aus der Gruppe der über 80-Jährigen, die übrigen 20 Prozent entfielen auf Mitarbeitende in Kliniken und Pflegeheimen. Und: Nach 8000 Impfungen habe es bislang in keinem einzigen Fall Nebenwirkungen gegeben, so Wenz.



Neue Termine waren in fünf Minuten ausgebucht

Das größte Problem bleibt nach wie vor der zu knappe Impfstoff – das sorgt bei vielen über 80-Jährigen für großen Frust, die zur Gruppe mit Priorität eins zählen, aber per Telefon oder Internet noch keinen Termin ergattern konnten. "Ich kann mit dem Computer umgehen, aber das Anmeldeverfahren ist viel zu kompliziert", kritisierte etwa der 91 Jahre alte BZ-Leser Alwin Fuchs aus dem Freiburger Stadtteil Zähringen das Prozedere.

Minister Lucha sagte, dass die Kapazitäten bei der Hotline unter der Nummer 116117 aufgestockt worden seien. "Es gibt nur noch Wartezeiten von rund einer Minute, dann sollte jemand das Gespräch annehmen", so Lucha. Der limitierende Faktor sei eben weiter der Impfstoff. In den nächsten Wochen soll an alle Haushalte eine Bürgerinformation mit Details zu Impfterminen verschickt werden.

Lucha warb um Verständnis dafür, dass es für über 80-Jährige derzeit keine Einzelimpfungen zu Hause geben könne. Das liegt auch daran, dass der Impfstoff, wenn dessen Behälter einmal geöffnet ist, nicht mehr bewegt werden darf. Aus einem Biontech-Behälter lassen sich die Impfdosen für sechs Impflinge ziehen.

Die Nachfrage nach der Impfung ist ungebrochen hoch. Als Mitte dieser Woche neue Impftermine fürs Freiburger Zentrum ins System eingepflegt wurden, seien diese innerhalb von nur fünf Minuten ausgebucht gewesen, so Frank Uekermann. Von Mitte kommender Woche an würden auf jeden Fall mehr Termine angeboten werden können – da geht das Impfzentrum auch in den Zweischichtbetrieb über.

Die Impfung selbst vor Ort läuft schnell und reibungslos. In knapp zehn Minuten erledigte Adolf Götzberger (94) den Weg von der Registrierung bis zum Pieks in den Oberarm in der Impfkabine. "Den Termin hatte ich im Pyjama am frühen Morgen des 27. Dezember übers Internet gebucht – es ging ohne Probleme", berichtet Ehefrau Ursula Götzberger.
So bekommt man einen Impftermin

Geimpft werden derzeit Menschen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, Pflegepersonal von Einrichtungen oder ambulanten Diensten zur Behandlung und Betreuung von Senioren oder Pflegebedürftigen sowie Personen, die in medizinischer Einrichtungen tätig sind, deren Patienten durch eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 besonders gefährdet wären. Terminanfragen sind möglich über die 116117 (ohne Vorwahl, bundesweit gültige Nummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst), via Internet über die Adresse impfterminservice.de oder über die Handy-App 116117, die für Android und iOS erhältlich ist.



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