Wild Cards

Freiburger Hobby-Spieleautor hat in der Corona-Zeit ein Brettspiel entwickelt

Carolin Johannsen

Ein Kartenspiel "made in" Schwarzwald – das ist Wild Cards. Erfunden hat es der Freiburger Hobby-Spieleautor Ferdinand Schnitzler, veröffentlicht wurde es im Oktober im Bad Krozinger Spieleverlag Board Game Circus.

An allen Wänden des kleinen Raumes mit Dachschräge stapeln sich Kartons. Es gibt sie in allen Größen und Farben. Manche sehen abgegriffen aus, andere wie neu. "Ich habe insgesamt fast 400 Spiele", sagt Ferdinand Schnitzler ein wenig stolz und zeigt in dem Zimmer umher – mit seiner Laptop-Kamera, versteht sich, denn das Interview findet per Skype statt.


Selbst auf dem Boden stapeln sich Kartons mit Brettspielen. Am schnellsten fallen aber die Spielkartons ins Auge, die auf einem einzelnen Regalbrett drapiert stehen. Eines davon ist "Wild Cards", das erste Spiel, das Ferdinand Schnitzler selbst entwickelt und im Oktober beim Bad Krozinger Spieleverlag "Board Game Circus" veröffentlicht hat.

Vor etwa 15 Jahren hat der 38-Jährige angefangen, regelmäßig Brettspiele zu spielen. "Da habe ich meine Ausbildung zum Koch gemacht und mit einem Lehrlingskollegen nach der Arbeit öfter mal Malefitz gespielt", erinnert er sich. Nach der Ausbildung zog er nach Freiburg und begann nach einiger Zeit im ehemaligen Spieleladen am Münster zu arbeiten. "Ich habe dort alle Spiele aufgesogen und die Regeln gelernt, da ging es dann so richtig los", erzählt Ferdinand Schnitzler lachend.

Mitbewohner müssen spielebegeistert sein

Das Spielen wurde für ihn zum Hobby, das im Laufe der Jahre mehr und mehr Zeit einnahm. Er gründete einen Spieletreff und als er mit seiner Freundin ein Haus kaufte, zog mit seiner Familie auch eine WG ein. Das Einzugskriterium für die Mitbewohner: Sie sollten ebenfalls spielebegeistert sein – für gemeinsame Brettspielabende im Haus. Das Spielen lässt ihn inzwischen nicht mehr los. "Ich finde es so schön, dass dabei so viele unterschiedliche Menschen gemeinsam am Tisch sitzen und Spaß haben", versucht Ferdinand Schnitzler seine Begeisterung in Worte zu fassen. Was für ihn ebenfalls wichtig ist: "Ich genieße den Wettkampf."

Strategiespiele sind sein liebstes Brettspiel-Genre, zu seinen Favoriten gehören Agricola, Terra Mystica, Die Burgen von Burgund und Scythe. Aber auch epische Spiele, die mehrere Stunden dauern, stehen bei ihm öfter auf dem Spieltisch. Zurzeit, coronabedingt, nur bei ihm zuhause. Normalerweise trifft er sich drei bis viermal in der Woche mit einer Gruppe anderer Spielbegeisterten, die sich die "Spieleautoren Südschwarzwald" nennen. Gemeinsam hat die Gruppe schon viele Brettspiele selbst entworfen und auch "Wild Cards" haben sie gemeinsam optimiert. Es ist das erste Spiel, das man nun auch kaufen kann.
Wild Cards
Wild Cards ist ein Kartenspiel für drei bis fünf Personen ab 10 Jahren. Man verfügt über mehrere Handkarten mit Landschaften und spielt um Tierkarten. Wer am Ende durch erfolgreiches Bieten um die Tiere die meisten Punkte erlangt, gewinnt. Das Spiel dauert insgesamt etwa 20 Minuten. Sobald man im FreiSpiel wieder spielen kann, kann man "Wild Cards" dort testen. Ansonsten kann man es dort auch kaufen, oder online bei Board Game Circus. Das Spiel kostet 16 Euro.

Web: boardgamecircus.com

Ferdinand Schnitzler nimmt den kleinen, quadratischen Karton mit der Löwen-Zeichnung auf dem Deckel und öffnet ihn. "Die Idee bei Wild Cards war es, dass man etwas sammeln sollte und dafür belohnt hat, wenn man von einer Sache am meisten hat", erklärt Ferdinand Schnitzler den Grundgedanken. Schon früh kam er auf die Idee, dass das Spiel aus bunten Tierkarten bestehen soll, dazu kommen Karten mit Landschaften und runde Pappmünzen als Punkte.

Schon in den ersten Testrunden hatten die Tester Spaß

Von der Grundidee im Mai 2019 bis zur Veröffentlichung im Oktober hat er sein Spiel gemeinsam mit seinen Spielkollegen optimiert und perfektioniert. "Wir haben das Spiel bestimmt 20 bis 30 Mal getestet und von Test zu Test etwas verändert", berichtet er. Hatte er am Anfang einen simplen Prototypen mit seiner Kartenstanze gebastelt, entwarf er die Karten im Laufe der Tests immer detaillierter und optimierte weiter, bis schließlich alle Testspieler zufrieden waren. Er selbst nahm kaum an den Testrunden teil – "mir ist es am liebsten, wenn ich beobachten kann, wie die Spieler reagieren, meist merkt man dann, was noch geändert werden muss", erklärt Ferdinand Schnitzler.

Bei "Wild Cards" merkte er aber schon am Anfang, dass das Spiel ein Erfolg werden könnte. Schon in den ersten Testrunden hatten seine Testspieler viel Spaß, denn "das Spiel ist einfach zu spielen und zum Beispiel auch WG-tauglich", sagt Schnitzler.
Brettspiel-Empfehlungen von Ferdinand Schnitzler:
  • Komplexe Spiele: StarWars Rebellion, Der Eiserne Thron
  • Familie/Kenner: Azul,Puerto Rico, 7 Wonders, Stone Age
  • Party/Fun: Gift Trap, Geistes Blitz, Codenames, Der wahre Walter, Ice Cool
  • Strategie: Agricola, Terra Mystica, Die Burgen von Burgund, Scythe, Great Western Trail
  • 2 Personenspiele: 7 Wonders Duel, Targi, Patschwork, Klask

Insgesamt hat er schon rund 20 Prototypen von Brettspielen entworfen, die er ebenfalls gerne noch spielt. Bis zur Veröffentlichung hatte es bisher aber keines seiner Spiele geschafft, mit "Wild Cards" ist ihm somit nun der Durchbruch gelungen. Sein Glück waren der Kontakt zum Bad Krozinger Spieleverlag "Board Game Circus" und das Coronavirus. Weil sein Spiel in Deutschland produziert werden konnte, dauerte es nur wenige Monate von der Vertragsschließung zur Veröffentlichung. Ende Oktober konnte Ferdinand Schnitzler dann zum ersten Mal sein eigenes Spiel in Händen halten.

"Manchmal fühlt es sich noch ein wenig unrealistisch an", gibt der 38-Jährige lachend zu. Aktuell hofft er gespannt auf erste Rezensionen von "Wild Cards". "Es wurden sogar Exemplare nach Japan und in die USA verschickt", berichtet er stolz. Auf seinem ersten Erfolg ausruhen tut er sich allerdings nicht. Aktuell arbeitet er an weiteren Prototypen und spielt andere Spiele zum Test. "Für mich ist das ein Hobby, das ich inzwischen sehr intensiv betreibe", sagt er. Konkrete Ziele für die Zukunft hat er aber nicht: "Das Spiele entwickeln und testen macht mir Spaß, deswegen mache ich das."

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