Musik

Freiburger HipHop-Musiker Wood$tock hat eine eigene Vision

Thomas Kubina

Er selbst bezeichnet sich als grenzenlos, unabhängig und innovativ: Alexander Maier, alias Wood$tock, möchte mit seinen Texten seine Erfahrungen in der Heimat verarbeiten. Er will niemanden imitieren, sondern seine eigene Vision umzusetzen.

Manchmal scheinen vermeintliche Zusammenhänge auf den ersten Blick nicht einsehbar. So wie bei Alexander Maier, der mit seinem Künstlernamen "Wood$tock" die lokale Hip-Hop-Szene aufwühlt. Fällt der Name Woodstock, erinnert das an das größte Open-Air-Festival in der Geschichte der Vereinigten Nationen, an dem Hunderttausende aus der Hippie-Szene dichtgedrängt und berauscht einen Mythos in die Welt setzten, das seither mit den Attributen Friede, Freiheit und freier Liebe versehen ist. Nicht nur die Zeit habe mich fasziniert, sagt Alex, sondern auch die Künstler, die kaum Geld gehabt und trotzdem ihre Visionen verfolgt hätten. Ganz nach dem Motto: "Nichts ist unmöglich." Damit scheint das Rätsel um seinen Namen gelöst.


Geboren ist Alex in Freiburg, aufgewachsen in Waldkirch. Seitdem er sein Abitur erfolgreich in der Tasche hat, versucht der 19-Jährige seine Zeit mit seiner großen Leidenschaft zu füllen, die bei ihm Musik heißt. "Ich habe irgendwann gemerkt, dass mich Musik begeistert", sagt Alex. Es seien Gefühle, die sich bei ihm auslösen und die er nicht immer in Worte fassen, aber in Musik packen kann. Alex ist von Beginn an mit dem Genre Hip-Hop aufgewachsen. Wann er aktiv anfing, selbst Musik zu machen, könne er nicht eindeutig festmachen. "Ich kann nicht wirklich sagen, wann ich mit Musik angefangen habe, da war ich vielleicht 14 oder 15", sagt Alex. Während viele erst einmal versuchen Texte auf Papier zu bringen, hat Alex schon sein erstes Musikprogramm ausprobiert, als er im Urlaub war. "Das hat mich ziemlich herausgefordert und angespornt."

"Ich würde am Liebsten alles selber machen, eigene Videos, eigene Covers." Alex
Wenn Künstler über ihre Inspirationen sprechen, ist das meist verbunden mit einer Quasi-Eingebung. Für Alex war das die Struktur der Beats. "Ich lernte, wie ein Beat aufgebaut ist, ich bekam ein Gespür dafür", sagt Alex. Seitdem werkelt er an verschiedenen Tracks, die sich nicht etwa einem Musik-Idol bedienen oder anlehnen. Alex möchte seine eigene Vision umsetzen, sie in die Zeilen einführen als wären sie der Spiegel seiner Gefühle. Und er möchte nicht nur die Texte, die er schreibt und die er in sein Studioprogramm einsingt, selbst machen. "Ich würde am Liebsten alles selber machen, eigene Videos, eigene Covers. Ich bin sehr perfektionistisch. Ich übertreibe halt gerne mal damit."

Alex will die HipHop-Stereotypen hinter sich lassen

Alex hat einen besonderen Anspruch an die Hip-Hop-Kultur: Er möchte die bestehenden Stereotypen wie schnelle Autos, Geldscheine und dicke Uhren am Handgelenk, die gerne mal in Texten und Videos auftauchen, hinter sich lassen. Das verwirklicht er, indem er eine ganz andere Richtung einschlägt: "Ich habe bewusst das Thema Heimatverbundenheit gewählt." Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch seine Texte. Denn Alex lernte einige Freunde in einer Großstadt kennen, die nicht dem entsprachen, was er in seiner Heimat erlebte. "Ich lernte in meiner Heimat Leute kennen, mit denen ich nichts anfangen konnte", sagt er. Seine Passion zur Hip-Hop-Musik und dem im ländlichen Bereich dominierenden Schlager-Faible passten nicht zusammen. Schlagermusik sei für ihn eine Berechtigung zum Gröhlen und habe keine Ausstrahlung. In seinen Texten dominiere keineswegs nur die Kritik am Aufwachsen in einer Kleinstadt. Es gebe auch viele Gedanken zu den Vorteilen, die das Leben dort mit sich bringt.

"Im Hip-Hop-Kosmos ist es normal, dass auch sexistische Lines rausgehauen werden." Alex
Das Doppelleben, also die Ambivalenz zwischen städtischen und dörflichen Lifestyle fiel ihm nicht leicht: "Es war schwer für mich mein Einzelding zu machen, ich habe mich auch oft runterziehen lassen." Deshalb hat er mit seiner neuerschienenen EP "HomeTown" versucht, die Dinge aufzuarbeiten. "Ich wollte meine Erfahrungen dokumentieren, die Zeit festhalten, aus den Monaten mit meinen Freunden, die ich gefunden habe", sagt der Waldkircher. Und weiter: "Es ist nicht selbstverständlich so weltoffene Musik zu machen." Er selbst bezeichnet sich als grenzenlos, unabhängig und innovativ. "Nichtssagende Autotune-Sachen gibt es schließlich genug."

Kritik am Umgang mit der Kulturszene in der Corona-Krise

Beurteilt Alex die aktuelle Hip-Hop-Kultur, also eben auch die "nichtssagenden" Texte, findet er scharfe Töne dafür: "Im Hip-Hop-Kosmos ist es normal, dass auch sexistische Lines rausgehauen werden." Er selbst höre zwar solche Musik, für ihn als Künstler sei es aber wichtig, dahingehend keinen zu imitieren. "Die Jugend überhört solche vulgären und sexistischen Lines oft." Es sei die coole Art, mit denen sich viele Jugendliche fesseln lassen. Doch es gebe auch Ausnahmen- vieles sei auch nicht unbedingt mit sexistischen Stereotypen aufgeladen.

Die Corona-Krise hat auch bei ihm Halt gemacht. "Ich habe mich aufgeregt, wie sich das alles auf die Kulturszene ausgewirkt hat." Es gebe zu wenig Konzepte und Ideen, die Kulturszene zu unterstützen. Man hätte sie erstellen und umsetzen müssen, sagt Alex. Geht es etwa um Fußball, findet Alex das inkonsequent. In diese Branche würden viele Gelder gepumpt, das Publikum sei breiter und die Fußballbegeisterung beliebter und größer. Letztendlich zeige sich durch die Corona-Krise, dass die Digitalisierung ihre menschlichen Grenzen hat: Es sei nicht dasselbe, online aufzutreten. Live habe viel mehr Vorteile und den Bezug zum Menschen.

Die Zeit nach dem Abi ist ungewiss

Für die Zukunft wünscht sich Alex ein Studio, in dem er Musik produzieren und aufnehmen kann. Er habe bereits einige weitere Songs, die entweder als Album oder als Singles erscheinen werden. Weil Alex noch nicht ganz weiß, wie seine weiteren Pläne fürs Leben aussehen, geht er in der Zeit nach dem Abitur noch stärker in sich und fragt sich: "Was soll ich mit der Welt anfangen, wie gehe ich dieses Leben an?" Vielleicht erwächst aus dieser philosophischen Frage ein Potpourri aus Eindrücken, die sich in die Reihe seiner musikalischen Natur fügen. Eines ist sich Alex sicher: Auf krude Wortfetzen in seinen Hip-Hop-Lines wie "lelele", "braaa" oder "flex, flex" möchte Wood$tock verzichten.