Vereint im Verein

Freiburger Gruppe von Sea-Eye sammelt Spenden für die Seenotrettung

Anja Bochtler

In Freiburg gibt es eine Ortsgruppe der Organisation Sea-Eye, die sich die Rettung geflüchteter Menschen stark macht. Profitieren soll davon die Arbeit auf dem Rettungsschiff "Alan Kurdi".

Persönlich getroffen haben sich die meisten von ihnen noch nie, erst recht nicht alle zusammen: Die Freiburger Gruppe der Seenotrettungsorganisation "Sea-Eye" hat sich im November im damaligen Corona-Teillockdown gegründet, aus dem inzwischen ein Lockdown wurde. Doch dass sie sich bisher nur digital austauschen können, hat die Gruppe nicht abgehalten, eine Spendenaktion zu starten: Bis Ende Dezember sollen 2500 Euro zusammenkommen, für einen Einsatztag auf dem Rettungsschiff "Alan Kurdi".

Freiburg ist weit weg vom Mittelmeer, Regensburg auch: Trotzdem ist dort 2015 die Organisation "Sea-Eye" entstanden. Rund um den Gründer Michael Buschheuer, der sagte, er wolle "Menschen helfen, denen niemand hilft", fanden sich immer mehr Menschen zusammen. Sie wollen bei dem Skandal, dass Kinder und Erwachsene auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken und niemand einschreitet, nicht mehr zuschauen. Ende 2019 stießen Annelie Faininger und ihr Freund dazu, sie waren über eine Spendenaktion für die Flüchtlingslager in Griechenland auf die Gruppe aufmerksam geworden. Inzwischen zog Annelie Faininger aus Regensburg nach Freiburg, sie studiert hier Gender Studies. Deshalb hat sie hier eine neue Ortsgruppe gegründet. Bundesweit gebe es etwa 20, sagt sie. Dass Menschen beim Versuch, ihr Leben durch eine Flucht zu retten, ihr Leben riskieren müssen, empört sie schon lange: "Ganz besonders bewegt hat mich Alan Kurdi, der kleine syrische Junge, der ertrunken ist und tot am Strand lag", erzählt sie. Nach ihm wurde das Rettungsschiff von "Sea-Eye" benannt.

Die Mitgliedersuche läuft derzeit ausschließlich online

Wegen Corona suchte Annelie Fainiger ausschließlich online nach Mitgliedern für die Gruppe: Über verschiedene Uni-Fachschaften und Soziale Medien lud sie zum ersten Online-Treffen ein. Das hat sehr gut geklappt: Beim ersten Mal waren gleich 15 Leute digital dabei. Bisher sind alle jung, in den 20ern, doch sie freuen sich auf neue Interessierte jeden Alters und überhaupt auf jede Form von Unterstützung.

Los geht’s mit einer Spendenkampagne, die einen Einsatztag auf der Alan Kurdi finanzieren soll. Dafür müssen 2500 Euro zusammenkommen, idealerweise bis Ende Dezember.

Mit ihrer Kampagne wollen die Sea-Eye-Mitglieder aber auch generell dazu beitragen, dass das Thema Seenotrettung wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt: "Alle reden nur noch über Corona, in den Medien geht es um fast nichts anderes mehr", kritisiert Babette Matthießen. Sie studiert Medizin und findet Corona zwar wichtig, doch das gelte genauso für das unnötige Sterben auf dem Mittelmeer, das verhindert werden könnte: "Das Leid ist immer da, auch wenn wir es nicht sehen." Besonders ärgerlich findet sie, dass etliche Länder und Kommunen bereit wären, geflüchtete Menschen aufzunehmen, und trotzdem nichts vorangehe: "Die Politik blockiert die Verteilung."

Dieses Verhalten widerspreche den europäischen Werten, sie müssten umgesetzt werden. Auch Pauline Held beschäftigt das Thema Seenotrettung schon lange. Sie fordert: "Solidarität darf nicht an den Außengrenzen enden." Nach ihrer Ausbildung zur Krankenpflegerin an der Uniklinik möchte sie bei einem Einsatz der Alan Kurdi dabei sein. Das plant auch Babette Matthießen nach ihrem Examen 2021, wenn sie Ärztin ist. Annelie Faininger hat keine medizinischen Kenntnisse, die bei Rettungseinsätzen dringend gebraucht werden, will aber als Menschenrechtsbeobachterin mit dabei sein.

Bis dahin will die Gruppe das Thema in Freiburg verankern, dabei auch mit bereits bestehenden ähnlichen Gruppen wie der "Seebrücke" und "Res-Q-ship" zusammenarbeiten und Vortragsreihen – zunächst digital – und, wenn sich die Corona-Lage entspannt, auch Demos und Infostände organisieren.
Sea-Eye Freiburg

Gegründet: November 2020.
Mitglieder: derzeit rund 20.
Aktivitäten: Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Seenotrettung und den Aktionen von Sea-Eye, Veranstaltungen, Infostände, Treffen (derzeit ausschließlich digital), Unterstützung der Einsätze von Sea-Eye mit Spenden.
Mitgliedsbeitrag: keiner, aber Mitgliedschaft bei der bundesweiten Sea-Eye-Organisation möglich, der Beitrag kostet dort 60 Euro/Jahr.
Kontakt: über die Internet-Seite http://www.sea-eye.org/gruppe-freiburg