Wohnen in Freiburg

Freiburger geben bis zu 48 Prozent ihres Einkommens für Miete aus

Simone Lutz

Es ist ein unerfreulicher Spitzenplatz: Nur in München und Frankfurt müssen Mieter von ihrem Einkommen mehr fürs Wohnen abzweigen als in Freiburg. Das ergibt eine aktuelle Analyse eines Immobilienportals.

Freiburg belegt einen der Spitzenplätze in einem Ranking, bei dem keine Stadt gerne auftaucht: Top unter den Städten, in denen das Einkommen von der Miete aufgefressen wird. Bis zu 48 Prozent des monatlichen Salärs gehen in Freiburg fürs Wohnen drauf, sagt eine neue Analyse des Immobilienportals Immowelt – schlimmer ist es nur in München und Frankfurt. Immobilienexperte Marco Wölfle hält die ermittelten Zahlen im Großen und Ganzen für realistisch.


Freiburg ist teurer als Stuttgart, Hamburg und Köln

Mutter, Vater und zwei Kinder in einer Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern – das ist die Modellfamilie der neuen Studie. Wie viel Prozent des monatlichen Einkommens gäbe die Familie für Miete in verschiedenen Städten aus? Und bestehen Unterschiede zwischen Mietern mit und ohne Berufsabschluss? Das untersuchte das Onlineportal Immowelt.

Das unerfreuliche Ergebnis: Jede zweite deutsche Großstadt ist für Familien kaum bezahlbar. Auf einem Top-Platz der kostspieligsten Kommunen: Freiburg liegt ähnlich wie Berlin und ist teurer als Städte wie Stuttgart (Platz 4), Hamburg (5) oder Köln (9).

In Freiburg liegt die Durchschnittsmiete einer 80- bis 120-Quadratmeter-Wohnung laut den Angeboten auf Immowelt bei 1290 Euro. Für Mieter ohne Berufsabschluss, die ein niedrigeres Haushaltseinkommen haben, sind das inklusive Nebenkosten und Kindergeld 48 Prozent ihres Budgets. Für Mieter mit Berufsabschluss sind es 38 Prozent, aber auch Akademiker-Haushalte, die unterm Strich mehr verdienen, müssen mit 30 Prozent Belastung rechnen.

"Unter den Top Fünf ist Freiburg sicherlich vertreten." Oliver Kamenisch, Geschäftsführer der Sparkassen-Immobiliengesellschaft
Normalverdiener in kleineren Großstädten wie Freiburg, Heidelberg und Rostock haben es besonders schwer: Hier sind nicht nur die Mieten hoch, sondern auch die Einkommen geringer als in wirtschaftlich starken Städten. Am günstigsten unter allen 79 untersuchten Städten mietet es sich in Bremerhaven. Dort zahlt die Modellfamilie 490 Euro, die monatliche Mietbelastung für Gering- und Normalverdiener liegt bei 18 Prozent, für Gutverdiener bei 14 Prozent.
Mietbelastung

Die teuersten der Großstädte, in denen ein großer Teil des Haushaltseinkommens einer Familie mit zwei Kindern für die Miete einer 80- bis 120-Quadratmeter-Wohnung aufgewendet werden muss:
München: 1710 Euro Miete
Frankfurt am Main: 1370 Euro
Freiburg im Breisgau: 1290 Euro
Berlin: 1290 Euro
Stuttgart: 1270 Euro
Hamburg: 1210 Euro
Heidelberg: 1150 Euro
Darmstadt: 1090 Euro
Rostock: 1060 Euro
Düsseldorf: 1060 Euro
Köln: 1050 Euro
Heilbronn: 1040 Euro

Wie realistisch sind solche Rankings? "Unter den Top Fünf ist Freiburg sicherlich vertreten", schätzt Oliver Kamenisch, Geschäftsführer der Sparkassen-Immobiliengesellschaft. "Die Zahlen sehen nicht unrealistisch aus", sagt auch Marco Wölfle, Leiter des Centers for Real Estate Studies (Cres) in Freiburg. Immowelt habe als Onlineportal einen Marktanteil von 30 bis 40 Prozent, was ausreichend für die Datengrundlage sei, allerdings würden viele Mietwohnungen dort gar nicht erst angeboten. Wölfle: "Die guten, günstigen Wohnungen gehen unter der Hand weg." Außerdem stehen WG-taugliche Wohnungen eher auf anderen Online-Plattformen – und Freiburg hat etwa 10 Prozent Studierende.

Verzerrung, weil Bestandsmieten fehlen

Auch Bestandsmieten gehen nicht in die Analyse ein, was die Sache etwas verfälscht, weil die in der Regel günstiger sind. Doch bei Familienwohnungen sei die Abdeckung deutlich besser. Und: Die Analyse von Immowelt berücksichtigt das Haushalts-Nettoeinkommen und rechnet Nebenkosten sowie Kindergeld ein. Insgesamt, findet Wölfle, sei die Analyse solide, vielleicht ein wenig zu hoch bei den Kosten.

Freiburg habe zwei große Probleme, die Mietern das Leben schwer machten, so Wölfle: Einerseits sind die Einkommen hier nicht so hoch wie in Städten, in denen Gehälter aus der Industrie gezahlt werden. Andererseits sind Immobilien hier per se teuer. Wölfle: "Es gibt eine ganze Reihe anderer Städte, die ebenfalls für teure Mieten berüchtigt sind – aber in denen wird halt mehr Geld verdient."