Verpackungsmüll

Freiburger Gastronomen starten Mehrwegsystem für To-Go-Schüsseln

Gina Kutkat

Ein Leihsystem für To-Go-Verpackungen – das gibt es ab sofort in Freiburg. Damit wollen vier Gastronomen den Verpackungsmüll verringern, der während der Corona-Pandemie wieder gestiegen ist.

In der Corona-Zeit ist es bei vielen zur Gewohnheit geworden: Essen bestellen und dann im Restaurant abholen. Ein kleiner Segen für die Gastro, ein großer Fluch für die Umwelt – denn das Essen zum Mitnehmen gab’s bislang in Einwegboxen. Dass sie plötzlich mehr Verpackungsmüll produzieren, war vier Gastronomen in Freiburg ein Dorn im Auge. Sie haben deshalb nach einer Lösung gesucht und starten nun den Versuch, Müll zu reduzieren.


Wer ein Gericht bestellt, kann es ab sofort in einer ausgeliehenen Schüssel mitnehmen, zunächst in den Restaurants Kartoffelhaus, Lollo, Joris und Mamahé Bowls – weitere sollen folgen. Die kostenlosen Schalen sind auslaufsicher und bis zu 200 Mal verwendbar. Das Kölner Start-Up "Vytal" hat sie entwickelt; mit dem Ziel, in den nächsten fünf Jahren 1,5 Milliarden Einweg-Boxen einzusparen.

Bio-Einwegboxen sind nicht immer "bio"

"Mich beschäftigt das Thema Verpackung schon lange", sagt Bettina Bachmann, die seit 27 Jahren das Kartoffelhaus in der Wiehre betreibt. "Wir hatten sogar ein eigenes Pfandsystem mit Klickboxen, aber das war eher unpraktisch." So nutzte sie zum To-Go-Betrieb während der Corona-Krise Bio-Einwegboxen aus Zuckerrohr. Die sind aber auch nicht wirklich bio, da sie von Müllverbrennungsanlagen nicht verarbeitet werden können. "Sie werden oft aussortiert und landen auf dem Sondermüll, da sie schlechte Brennwerte haben."

Da Bachmann und ihre Kollegen in den letzten Monaten coronabedingt wieder vermehrt Essen zum Mitnehmen ausgaben und die Gäste nach einem nachhaltigen System fragten, wurden sie und Rici Zindler vom Lollo aktiv. "Wir haben viel recherchiert und ausprobiert und sind dann auf das digitale Mehrwegsystem gestoßen", sagt Rici Zindler.

Per App und mit QR-Code

Die neuen Leihschüsseln funktionieren in Kombination mit einer App oder per Kundenkarte. Wenn man eine Schüssel leiht, scannt der Gastronom den persönlichen QR-Code und den der Schüssel. Nach dem Essen gibt der Kunde sie in einem der Partner-Restaurants zurück, dort wird der Code erneut gescannt, die Schüssel gespült und wieder genutzt. "Dass unsere To-Go-Kunden nichts dafür zahlen müssen, finde ich gut", sagt Henrik Everding von Mamahé Bowls in der Innenstadt. Nur, wer seine Schüssel nach 14 Tagen nicht zurückbringt, zahlt zehn Euro.

"Als zertifizierter Bio-Betrieb versuchen wir ganzheitlich zu handeln", sagt Jonas Hartmann vom Restaurant Joris im Stühlinger. "Ein weniger umweltfreundliches To-Go-Angebot wäre für uns nicht in Frage gekommen." Sein Betrieb spart durch die Mehrweg-Schüssel nicht nur Müll, sondern auch Geld. Die Vytal-Variante ist im Vergleich zu anderen Bio-Verpackungen billiger, pro Befüllung zahlen die Gastronomen zwischen 15 und 20 Cent an das Kölner Start-Up. Die Schüsseln mussten sie nicht bezahlen. Die Herausforderung: Das Ganze funktioniert nur, wenn genug andere Restaurants mitmachen.

Diese Art von Projekten sei unterstützenswert, erklärt Gerda Stuchlik, Umweltbürgermeisterin von Freiburg. Die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) konnte keine Zunahme von weggeworfenen Einwegverpackungen im öffentlichen Raum in der Corona-Zeit beobachten, wohl aber steigende Abfallmengen in den privaten Haushalten. Daher sei jegliche Form von Mehrwegsystemen vorteilhaft. "Neue Anbieter werden von Seiten der ASF ideell und beratend unterstützt", so Stuchlik. Und verweist auf eine bereits bestehende Mehrweglösung aus Freiburg, den Freiburg Cup.

Diesen gibt es seit 2016 in 120 Freiburger Cafés, Bäckereien und Restaurants; Freiburg hatte das Mehrwegsystem für Kaffeebecher als erste deutsche Großstadt eingeführt. Auf einen großen Medienrummel folgte allerdings Ernüchterung: Der Cup war zwei Jahre nach Einführung weit davon entfernt, massig genutzt zu werden. "Heute funktioniert das System in mehreren Stadtteilen", so Stuchlik. In absehbarer Zeit werde zudem ein gesetzliches Verbot von vielen Einwegprodukten aus Kunststoff wie Trinkhalme aber auch Einweggeschirr erwartet. Dann hat sich die Mehrwegschüssel hoffentlich schon etabliert.
Wo gibt’s die Schüssel?

Café Auszeit, Moltkestraße 16
Chada Thai, Rempartstraße 5
Kartoffelhaus Freiburg, Basler Straße 10
Lollo Wein Kaffee Speisekneipe, Schwimmbadstraße 46

Mamahé Bowls, Niemansstraße 5

Joris Café & Co, Ferdinand-Weiß-Straße 11

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