Interview

Freiburger Fotograf hilft Schiffbrüchigen auf dem Mittelmeer

Max Wolfsperger

Der Freiburger Fotograf Fabian Mondl ist seit Montag an Bord der Ocean Viking, um Schiffbrüchigen im Mittelmeer zu helfen. Im Interview berichtet er über Lebenretten zu Pandemie-Zeiten.

Fabian, Du bist seit Montag mit der Ocean Viking von SOS Mediterranee im Mittelmeer auf See. Wie genau kam es dazu und warum hast du dich dafür entschieden?

Fabian Mondl: Ich bin das erste Mal 2016 bei SOS Mediterranee als Fotograf an Bord gegangen, damals auf die Aquarius. Ich war für das Deutschlandbüro der Organisation durch frühere Engagements kein Unbekannter und wurde gefragt, ob ich als Fotograf mit auf das Schiff gehen würde. Mittlerweile war ich bei vier Rettungsmissionen dabei, jetzt zum zweiten Mal auf der Ocean Viking. Ich habe Fotojournalismus studiert und im journalistischen Kontext ist das natürlich ein Thema, worüber berichtet werden muss. Leider ist das immer weniger der Fall. Deshalb sehe ich es auch als meine Pflicht, konstant weiter zu berichten. Es ist noch nicht klar, wie lange wir auf See sind, aber vermutlich bis Mitte Februar.
Zur Person:

Fabian Mondl, 34, gebürtig aus Mannheim, lebt in Freiburg und ist Fotojournalist. Dabei ist er als Freelancer tätig für Medienhäuser, Zeitungen und auch NGOs.

Was wird deine Aufgabe an Bord sein?

Ich bin als Fotograf mit an Bord und somit als Berichterstatter. Ich bin aber auch Teil des Rettungsteams. Es geht für mich aber in erster Linie darum, von vorderster Front zu berichten, was passiert und wie es passiert. Transparenz spielt dabei eine große Rolle für mich.

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Rettungsfahrten im Mittelmeer aus. Wie schützt man sich an Bord vor Infektionen und wie geht man mit Covid-Ausbrüchen um?

Die gesamte Crew ist in Vor-Quarantäne gegangen. Wir waren somit vor der Abfahrt zehn Tage in Quarantäne und mussten mehrere negative Coronatests ablegen. Dadurch gewährleisten wir zunächst, dass das Schiff coronafrei ist und sich keine Infektionen ausbreiten können. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Allerdings ist das Wichtigste, Infektionen vorzubeugen und zu verhindern, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Wir sind mit Schutzausrüstung ausgestattet. Ab der ersten Rettung tragen wir an Deck stets Masken, Schutzbrillen und Schutzanzüge. Für den Fall eines vermuteten Corona-Falls an Bord gibt es sofort Konzepte, die greifen. Sie wurden in wochen- und monatelanger Vorplanung erarbeitet. Wir haben ein medizinisches Team an Bord, das sich mit Rettungs- und Corona-Fällen auskennt. Das Team besteht aus einer Ärztin, zwei Krankenpflegerinnen und einer Geburtshelferin, die alle auch schon im Kontext der Pandemie gearbeitet haben und auf dem neuesten Stand sind. Die Pandemie macht die Arbeit sehr viel anspruchsvoller, auch für mich als Fotograf. Ich bin darauf angewiesen mit den Leuten in Kontakt zu treten und das ist komplett vermummt sehr viel schwieriger. Dennoch gehen wir optimistisch mit der Situation um.
SOS Mediterranee ist eine humanitäre Organisation, die die Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer organisiert. Sie entstand 2015 aus der Handlungslosigkeit der EU durch Bürgerinnen und Bürger und bildet eine Zusammenarbeit Deutschlands, Frankreichs, Italiens und der Schweiz. Seit 2016 sind sie auf dem Mittelmeer unterwegs, zunächst mit der Aquarius, dann mit der Ocean Viking. Seitdem haben sie über 30.000 Menschen in Seenot gerettet. Nach der Rettung helfen sie auch bei der Weitervermittlung in Europa mit.

Wie wird der Ablauf auf dem Schiff bei Rettungsfahrten sein? Welche Aufgaben übernimmt die Crew?

Der generelle Ablauf besteht darin, dass entweder wir von der Brücke Boote sichten oder Notrufe von anderer Stelle an uns weitergeleitet werden, zum Beispiel von anderen Schiffen, NGOs oder der Küstenwache. Aufgrund der Größe des Mittelmeeres kann es eine Weile dauern, bis wir die Stelle erreichen werden. Wir lassen dann unsere Rettungsboote ins Wasser. Ich bin als Fotograf auch auf dem Schnellboot, das zuerst mit den Menschen in Seenot in Kontakt tritt. Wir versuchen die Menschen zu beruhigen und klarzumachen, dass wir eine humanitäre Organisation sind. Anschließend werden Rettungswesten verteilt und die Menschen werden sicher in kleineren Gruppen auf das Mutterschiff gebracht. Es gibt aber auch unterschiedliche Konzepte für verschiedene Situationen. So werden Schlauchboote anders gerettet als Holzboote. Es geht darum, keine Panik zu verbreiten, um ein Kentern zu verhindern. Auf dem Mutterschiff werden die Geretteten medizinisch versorgt. Sie bekommen Essen, Trinken, trockene Klamotten und einen Platz zum Ausruhen.

Immer wieder finden Rettungsschiffe im Mittelmeer keinen Anlegehafen und werden abgewiesen. Wie sind die Protokolle an Bord und wie gewährleistet ihr die Versorgung für Irrfahrten?

Die Versorgung kann auf jeden Fall gewährleistet werden. Wasser und Essen ist ausreichend an Bord, um auch für Irrfahrten gerüstet zu sein. Wenn man sich in Seenot befindet, muss man an einen sicheren Hafen gebracht werden. Dies zu verweigern, ist ein Verstoß gegen internationales Recht. Erst wenn die Geretteten in so einem sicheren Hafen an Land gehen, ist die Rettung rechtlich abgeschlossen. Die zuständigen Behörden sind schon ab dem Zeitpunkt der Rettung informiert und kennen auch die Zahl der Geretteten. Die Zuweisung eines sicheren Hafens war, als ich 2016 angefangen habe, tatsächlich wesentlich einfacher. Die Bereitwilligkeit der Behörden und die Zusammenarbeit liefen glatter ab. Wir haben auch mit der italienischen Küstenwache zusammengearbeitet. Die Kommunikation heute ist zwar noch da, aber auch deutlich zäher. Dennoch sollte das Recht der Menschen auf einen sicheren Hafen über jeglichen politischen Erwägungen stehen. Für Gerettete, die dem Tod gerade entgangen sind, ist es eine unheimliche Belastung und nur schwer zu verstehen, weshalb sie weiter auf See bleiben müssen. Wir hoffen aber, dass sich die Situation wieder bessert.