Neue Strukturen

Freiburger Berufsschulen protestieren gegen Zukunftspläne

Simone Höhl

Die Freiburger Stadtverwaltung will ihre beruflichen Schulen neu strukturieren. Daran kommt nun Kritik auf. Nicht nur in der Sache, sondern auch an der Kommunikation.

Gute Strukturen würden zerschlagen und nichts gewonnen sagen die Leiter von mehreren Berufsschulen zum Neustrukturierungsplan der Freiburger Stadtverwaltung. Auch mit dem Umgang sind sie nicht einverstanden: Sie als Experten seien im Vorfeld nicht gefragt worden. Freiburgs acht berufliche Schulen bilden 14 000 Schülerinnen und Schüler aus, ihre Profile sollen geschärft und dazu viele Bildungsangebote verlagert werden.

Die Stadtverwaltung will mit Uniklinik und Universität einen Gesundheitscampus gründen und danach auch die anderen beruflichen Schulen zu Kompetenzzentren formen. Sieben Schulen sollen mehr oder weniger neu strukturiert werden ; Edith-Stein-, Gertrud-Luckner- und Merian-Schule sollen sich besonders stark verändern.
Hintergrund

Die acht beruflichen Schulen in Trägerschaft der Stadt sollen in 10 bis 15 Jahren modernisiert werden. Das Zukunftskonzept will für den Gesundheitscampus von sieben Schulen Bildungsgänge in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Naturwissenschaften bündeln. Ähnliches ist in den Bereichen Pädagogik, Bau, Metall, Ernährung und Agrar, Wirtschaft und Verwaltung, Elektro und IT vorgesehen. Am Walter-Eucken-Gymnasium ist keine Veränderung geplant, ansonsten gibt es Gewinner und Verlierer. Die Edith-Stein-Schule zum Beispiel soll vieles abgeben und dafür Gesundheitszentrum werden. Während der Plan der Stadt sich auf Freiburg beschränkt, schlägt das Regierungspräsidium vor, auch Bereiche mit dem Umland zu tauschen.

"Eine gut aufgestellte Schullandschaft soll zerschlagen und ohne erkennbaren Mehrwert neu konstruiert werden", kritisieren die Personalräte von fünf der acht Schulen. Es solle ein Gesundheitszentrum für viel Geld geben, aber kein neues Bildungsangebot; eine Strategie gegen den Sanierungsstau an vielen Schulen sei auch nicht zu erkennen, schreiben die Räte von Friedrich-Weinbrenner-, Gertrud-Luckner-, Merian-, Richard-Fehrenbach- und Walter-Eucken-Gymnasium. Sie fordern "Weiterentwicklung statt Zerschlagung" sowie Beteiligung.

Die Merian-Schule ist besonders betroffen

"Wir sind keine Bremser, aber man müsste die Möglichkeit haben, mitzugestalten", sagt Axel Klär, Leiter der Gertrud-Luckner-Schule. Sie soll ein Herzstück mit 900 Schülern abgeben, das Kollegium würde auseinandergerissen. An anderen Schulen heißt es, der Plan sei zum Teil vernünftig, aber zu betriebswirtschaftlich gedacht und entwickelt, ohne die Realität der Schulen zu kennen: Bildungsgänge würden gebündelt, die ähnlich heißen, aber unterschiedliche Berufe betreffen. Zudem herrscht der Eindruck, dass der Plan gesetzt ist, und nur noch über Details geredet werden kann.

"Das führt zu viel Frust, wenn das von oben diktiert wird", sagt Heike Janz, Personalrätin der Merian-Schule. Die funktioniere prima. Nach der Umstrukturierung aber hätte sie nur noch ein einzügiges Gymnasium, was schwerlich genügend Wahlmöglichkeiten bieten könne. "Wie soll das mit 30 Leuten funktionieren?" Die Befürchtung: "Dass die Merianschule auf lange Sicht nicht überlebt."

Am Donnerstag gibt es Details zur Neustrukturierung

Am Donnerstag berät der Schulausschuss des Gemeinderats die Pläne nicht-öffentlich. Beschlossen wird nichts, erklärt Bildungsbürgermeisterin Gerda Stuchlik. Sie stellt zuvor öffentlich vor, wie die Schulen fit für die Zukunft und die Gebäude saniert werden sollen.

Der Schulträger habe dem Regierungspräsidium und den Rektoren einen Vorschlag vorgestellt, der mehr Zustimmung als Kritik geerntet habe. Die Leitungsteams wurden informiert, das nächste Jahr soll mit jeder Schule einzeln gesprochen werden. "Wenn es Kritik gibt, oder wir Unsinn formuliert haben", so Stuchlik: "Details nehmen wir gerne auf." Mehr Kommunikation gehe nicht. Sie glaubt nicht, dass etwas den Gesamtentwurf in Frage stellen kann. Dem Gerücht, die historische Gewerbeschule hinter der Johanneskirche solle nichtschulisch genutzt werden, tritt die Bürgermeisterin entgegen. "Nur über meine Leiche."