"Grenzenlos leben"

Freiburger Autorin wagt sich an Orte, die nur selten besucht werden

Maxim Melzer

Sie war in Indien, Libanon, Palästina: Die 27-jährige Freiburgerin Geraldine Schüle hat ihr erstes Buch "Grenzenlos leben" veröffentlicht. Im fudder-Interview erzählt sie von ihren kleinen Abenteuern, und wie die Clownerie ihr hilft.

"Bei mir gibt’s keinen Urlaub um des Urlaubs Willen. Da würde mir langweilig werden", erzählt Geraldine Schule im Interview. Die 27-jährige Freiburgerin schreibt in ihrem Buch "Grenzenlos leben" über ihre Reisen, die sie immer wieder an ihre Grenzen geführt haben. Und was das Ganze mit einem Clown zu tun hat.

Du hast vor einer Woche, am 4. Mai, dein erstes Buch "Grenzenlos leben" veröffentlicht. Wie fühlst du dich nach der Veröffentlichung?

Geraldine Schule: Super, ich habe mich sehr gefreut, dass das Skript nun endlich raus in die Welt kommt. Leider mussten die geplanten Lesungen und die Premierenparty aufgrund der momentanen Einschränkungen ausfallen. Wir sind dann aber kreativ geworden und machen viel über Social Media. So bekomme ich auch Feedback zum Buch. Ich bin einfach froh über die ganzen schönen Nachrichten, die ich bekomme. Sie zeigen, dass sich die eineinhalb Jahre schreiben gelohnt haben.

Wie kamst du auf die Idee, ein Buch zu schreiben?

Auf all meinen Reisen habe ich schon immer für mich geschrieben. Irgendwann kam dann ein Reiseblog dazu. Meine Schwester lebt in Costa Rica. Als ich sie mal besuchte, schrieb ich eine Kurzgeschichte über einen Manager und einen Clown. Zurück in Deutschland bin ich mit dieser dann in Freiburg zu einer Literaturagentur gegangen. Ich kam mit meiner jetzigen Agentin ins Gespräch und erzählte von meinem Leben und meinen Reisen. Sie sagte sofort, das müsse man aufschreiben. Die Buchidee haben wir dann auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt und verschiedene Verlage hatten Interesse, so kam ich zu meinem Verlag.



Nun zu den Reisen. Kannst du uns mal von einer genauer berichten? Was war das Verrückteste?

Das war sicherlich meine Zeit im Libanon. Damals wollte ich Kriegsreporterin werden und über die Hisbollah berichten. Über einen Kontakt zu einem anderen Kriegsreporter kam ich dann tatsächlich an zwei Männern ran, die sich bereit erklärten, mich aufzunehmen. Tagsüber war ich im Haus eingesperrt und nachts führten sie mich umher. Schlussendlich musste ich dann nach einem Monat fliehen. Diese Reise verbinde ich immer mit dem Prinzip des Scheiterns: In allem, was schlecht ist, auch etwas Gutes zu sehen. Das Kapitel ist wahrscheinlich auch der Höhepunkt des Buches.

Der rote Faden im Buch ist sicherlich der Clown. Du verbindest all deine Reisen mit einem clownesken Prinzip. Woher kommt diese Bindung zur Clownerie?

Ich komme aus einer Schaustellerfamilie. Wir sind schon als Kinder durchs Land gereist, waren immer kreativ. Während dem Studium habe ich dann eine Zirkusausbildung gemacht. So kam ich zur Clownerie. Ich will mich aber von den "klischeebehafteten Clowns" abgrenzen. Das clowneske Prinzip, das ich auch mit meinen Reisen verbinde, zeigt viel eher eine Lebenseinstellung: Im Scheitern eine Chance sehen, im Moment leben oder seiner Intuition vertrauen. Ich verbinde alle sieben Reisen aus dem Buch mit solch einem Prinzip, das ich währenddessen lernen durfte.

Du teilst in deinen Blogs und in dem Buch deine innersten Gefühle. Fällt dir das nicht schwer?

Anfangs fiel es mir sehr schwer einen so intimen Einblick in mein Leben zu zulassen. Aber ich glaube, je ehrlicher man sich selbst gibt, desto ehrlicher ist auch das Feedback, das zurückkommt. Außerdem glaube ich nicht, dass ich mich angreifbar mache. Ich teile schließlich nur meinen Gedanken und Gefühle und gehe immer offen an alle Sachen ran.

Was planst du für die Zukunft? Vielleicht noch ein Buch?

Tatsächlich ist ein zweites Buch in Planung. Dazu darf ich aber leider noch nicht viel sagen. Vor kurzem ist leider unser Tinyhaus in der Nähe von Staufen abgebrannt. Das bauen wir wieder auf und machen’s diesmal einfach größer!
Info Geraldine Schüle

Geraldine Schüle, geboren 1993, kommt aus Freiburg. Neben dem Studium der Geographie und Ethnologie absolvierte sie eine zirkuspädagogische Ausbildung, bevor sie als Straßenkünstlerin mit Clownerie, Akrobatik und Jonglage in einem alten Zirkusbus durch ganz Europa reiste. Sie arbeitete als Journalistin bei der Badischen Zeitung Freiburg und als Bloggerin, aktuell ist sie Autorin bei Camperstyle.de.

Grenzenlos leben: droemer-knaur.de