fudder-Interview

Freiburger Autor veröffentlicht Jugendroman über Klimagerechtigkeitsbewegung

Vera Danzeisen

Ronan Winter hat sein erstes Buch "Ökoterroristin" mit dem Schwerpunkt Klimagerechtigkeitsbewegung geschrieben. Der 23-jährige, in Freiburg wohnhafte Autor spricht in seinem ersten Jugendbuch Themen der Gesellschaft, des Antirassismus und des Feminismus an.

Worum geht es in deinem Buch "Ökoterroristin"?

Es geht um Mika, die eine ganz normale Siebzehnjährige ist. Sie hasst Schule, mag Mangoeis und will den Kapitalismus stürzen. Sie wird fälschlicherweise verdächtigt, Maschinen der Firma Kerogreen sabotiert zu haben, und deshalb wird bei ihr eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Mika platzt der Kragen, da der Energiekonzern eine Genehmigung erlangt hat, in der Nähe der Stadt nach Schiefergas zu bohren und dabei vor keiner Umweltzerstörung zurück schreckt. Zusammen mit ihren Freundinnen Nova und Sana nimmt Mika den Kampf gegen die Klimakrise auf, und das Trio heckt kreative Aktionen aus, um den Industriegiganten in die Enge zu treiben.

"Mir war es wichtig, Jugendlichen, die Ähnliches erfahren, etwas in die Hand zu geben - ein Werkzeug."

Warum hast du das Buch geschrieben?

Als ich ein Teenager war, habe ich mir immer selbst so ein Buch gewünscht. Allerdings war ich damals noch nicht so politisch aktiv wie heute. Ich hab einen Weg gesucht, die Erfahrung, die ich mit Bündnissen wie "Ende Gelände" oder im Hambacher Forst gemacht habe, in mein Buch einzubinden. "Ende Gelände" führen Massenaktionen gegen Braunkohle durch und der Hambacher Forst ist einer der letzten Urwälder Deutschlands, in den Menschen Baumhäuser reingebaut haben, um für den Wald zu kämpfen.

Wie kamst du zum Thema des Buches?

Als ich 14 Jahre alt war, hat bei mir ein kritisches Denken eingesetzt, wo mir aufgefallen ist, was eigentlich in der Welt alles schief läuft. Ich wollte in so einer Welt nicht leben und hatte damals aber keine Ahnung, wo ich anfangen soll. Mir war es wichtig, Jugendlichen, die Ähnliches erfahren, etwas in die Hand zu geben - ein Werkzeug. Ich habe einen Roman geschrieben, da ich glaube, dass die meisten Jugendlichen keine Sachbücher lesen und ich auch selber lieber damals eine Geschichte gelesen hätte. Das Buch soll kein Handbuch sein, sondern durch die Protagonistinnen zeigen, wie man durch verschiedene Arten aktiv werden kann.

"Was ich immer an Aktionen super schön finde, ist, dass man merkt, dass man gemeinsam was bewirken kann."

Das Thema liegt im Gesellschaftstrend. War das beabsichtigt oder Zufall?

Ich hatte die Idee zum Thema des Buches im Januar 2017. Mit dem Schreiben habe ich dann Ende 2017 angefangen. Erst danach kam die erste Nachricht von Greta Thunberg und ich habe mich mega gefreut, dass da diese Kraft ist, die viele Menschen aufgreifen. Wenn Menschen Teil von "Fridays For Future" sind, und Lust haben, das Buch zu lesen, wäre das die perfekte Zielgruppe. Man muss aber keine Vorkenntnisse haben, um das Buch zu lesen.

Wie lange hat es gedauert das Buch zu schreiben?

Ich habe fünf bis sechs Monate geschrieben. Bevor ich angefangen habe, habe ich viel gelesen, weil ich das Gefühl hatte, mir theoretisches Wissen für die Themen, die ich behandeln will, aneignen zu wollen. Super viel, was in dem Buch steht, basiert auf Erfahrungen, die Freunde oder ich selber gemacht haben. Ich habe auch alle Bilder und Zeichnungen im Buch selbst gemacht.

Wie bekomme ich das Buch?

Es gibt das Buch digital sowie auch in Druckform. Ich habe im Sommer 2019 mit Crowdfunding angefangen und es sind 6000 Euro für den Druck zusammen gekommen, wovon ich 1000 Exemplare habe drucken lassen. Man kann das Buch jetzt in der Jos Fritz Buchhandlung in Freiburg oder online bei black-mosquito.org erwerben. Ich habe das Buch auch als PDF und E-Book auf oekoterroristin.wordpress.com online gestellt, damit Menschen sich es auch kostenlos runterladen können. Es ist mir total wichtig, dass es an die Menschen kommt, die es lesen wollen, egal wie viel Geld sie zur Verfügen haben.

"Ich stresse mich nur selber, weil der Klimawandel nicht wartet."

Braucht die Gesellschaft Ökoterroristinnen?

Auf jeden Fall, und zwar ganz viele. Was ich immer an Aktionen super schön finde, ist, dass man merkt, dass man gemeinsam was bewirken kann. "Ende Gelände" können an einem Tag ein Kraftwerk lahm legen. Wenn jede Woche viele Leute das machen würden, dann würde es mit dem Braunkohleausstieg nicht mehr bis 2038 gehen.

Hast du vor ein zweites Buch zu schreiben?

Ja, ich habe gerade mit dem zweiten Teil angefangen. Der wird "Krawalltouristin" heißen. Da ich bei keinem Verlag, sondern Selbstpublisher bin, habe ich keine Deadline. Ich stresse mich nur selber, weil der Klimawandel nicht wartet. Diese Bücher zu schreiben, ist eine der Sachen, die ich mache, um aktiv zu sein.

Was erhoffst du dir mit dem Buch noch so?

Das Buch hat kein normales Copyright, sondern ist Creative Commons, was bedeutet, dass Menschen es gerne kopieren können. Menschen können es auch weiterverarbeiten, wenn sie das möchten. Wenn jemand ein Hörbuch oder ein Theaterstück daraus machen will, können er oder sie das gerne tun, ohne mich zu fragen. Ich freue mich, wenn ich davon höre, aber das ist erstmal nicht notwendig. Von den Büchern, die verkauft werden, erhoffe ich mir mit dem Geld einen Nachdruck machen zu können.

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