Hohe Infektionszahlen

Freiburg verschärft Corona-Regeln: Mehr Maskenpflicht – weniger Feiern

Uwe Mauch & Joachim Röderer

Die Stadt Freiburg reagiert auf die schnell wachsende Zahl an Corona-Infektionen: Die Maskenpflicht wird ab Samstag deutlich ausgeweitet, die Personenzahl bei Zusammenkünften eingeschränkt.

Nach den neuesten Zahlen des Landesgesundheitsamtes vom frühen Freitagabend liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Freiburg mittlerweile sogar schon 41,1 Fällen pro 100.000 Einwohner und Woche. Der Warnwert von 35 Fällen war bereits am Donnerstagabend überschritten worden.


Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern muss die Stadtverwaltung in dieser Situation eingreifen – und tut dies auch durch eine Allgemeinverfügung des Amtes für öffentliche Ordnung, die die Stadtspitze aus der Quarantäne heraus auf den Weg gebracht hat. Ab Samstag, 0 Uhr gilt eine weitreichende Maskenpflicht, und die erlaubte Personenzahl für Feiern und sonstige Zusammenkünfte wird heruntergesetzt. Ähnliche Maßnahmen dürften demnächst auch im Freiburger Umland gelten. Denn auch der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hat am Freitagabend mit einer Inzidenz von 38,7 nun den 35er-Grenzwert gerissen.

Die Freiburger Regelungen im Detail

Beschränkte Teilnehmerzahl: Bei Feierlichkeiten im öffentlichen Raum wird die Teilnehmerzahl auf 25 Personen beschränkt und 15 Personen in privaten Räumen. Das bedeutet: Wer Hochzeit, Taufe, Geburtstage oder ähnliches feiert, darf zuhause mit maximal 15 Gästen feiern, in Restaurants oder anderen angemieteten Räumen mit maximal 25 Gästen.

Maskenpflicht: Eine Mund-Nasen-Bedeckung wird zur Pflicht auf dem Münstermarkt, allen Wochenmärkten sowie bei allen öffentlichen Veranstaltungen wie dem heute, am Freitag, beginnenden Herbstvergnügen auf der Messe. Ein Mund-Nasen-Schutz muss demnach auch im Kino, im Theater oder bei Stadtführungen getragen werden. Freiburg geht mit diesen Regelungen sogar über die Vorgaben des Landes hinaus: "Wir wollen alles dafür zu tun, dass die Zahlen nicht noch weiter steigen und wir dann in noch mehr Verschärfungen reinlaufen", sagte Oberbürgermeister Martin Horn am Freitagnachmittag der Badischen Zeitung.

Wie am Freitagmittag bereits gemeldet, wird das Spiel des SC Freiburg gegen Werder Bremen am Samstag komplett ohne Zuschauer stattfinden. Im Amateurbereich ist Publikum erlaubt – mit Maskenpflicht.

Kontrollen: Der Vollzugsdienst (VD) und der Gemeindevollzugsdienst (GVD) kontrollieren laut Mitteilung der Stadt bereits seit Mittwoch 14. Oktober, wieder gemeinsam die Einhaltung der Maßnahmen aus der Corona-Verordnung, insbesondere Gaststätten, den Einzelhandel und Friseursalons. So könne die Kontrolldichte intensiviert werden.

Krisenstab: Wegen der steigenden Zahlen tagt im Rathaus seit dieser Woche der Krisenstab wieder regelmäßig – mit Vertreterinnen und Vertretern der Rettungsdienste, der Einsatzkräfte, des Gesundheitsamts, des Landkreises, der Polizei und der Stadtverwaltung.

"Gemeinsam können wir diese kritische Phase meistern." Martin Horn
Steigende Fallzahlen: Die Fallzahlen steigen weiter. Das Gesundheitsamt hat für Freiburg am Freitagmorgen 27 neue Fälle gemeldet. Setzt sich dieser Trend übers Wochenende fort, würde Freiburg schnell an den Schwellenwert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner und Woche heranrücken. Dann würden weitere Einschränkungen erlassen werden müssen. Der Blick in andere Stadt- und Landkreise zeigt, dass dort, wo der Warnwert erreicht wurde, wenig später auch die nächste Stufe erreicht wurde. "Zuletzt war Freiburg noch einigermaßen stabil", sagte OB Martin Horn.

Die Fallzahlen dürften nicht so sehr stark steigen, dass die Zunahme zu einer ernsthaften Herausforderung für das Gesundheitssystem würde: "Ich hoffe, dass allen Freiburgerinnen und Freiburgern bewusst ist, dass jeder und jede einzelne mithelfen muss, um die Lage im Griff zu behalten. Gemeinsam können wir diese kritische Phase meistern."

Durch die Erfahrungen in der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr und den fortgeschrittenen wissenschaftlichen Erkenntnissen sieht Bürgermeister Stefan Breiter die Stadt gut gerüstet: "Wir haben verlässliche Strukturen und vorausschauend mit dem Landkreis ein gut gefülltes Lager an Schutzausrüstung sowie Desinfektionsmittel angelegt." Der Verwaltungsstab könne schnell auf die Situation in der Stadt Freiburg mit Blick auf die Region sowie dem Grenzgebiet reagieren.

Der Oberbürgermeister und drei der vier Bürgermeister befinden sich aktuell in Quarantäne, nachdem eine Rathausmitarbeiterin positiv auf das Sars-CoV-2-Virus getestet worden war, die an der selben Klausurtagung – unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln – am Samstag wie die Bürgermeister teilgenommen hatte. Die Quarantäne wurde vorsichtshalber angeordnet, weil sich die infizierte Mitarbeiterin und die Bürgermeisterriege über längere Zeit im gleichen Raum aufgehalten haben. Die ersten Coronatests beim OB und den Dezernenten waren bislang alle negativ.

Überrascht hat einige, dass die Bürgermeisterriege nur neun Tage nach dem Kontakt zur infizierten Mitarbeiterin in Quarantäne muss, während das Gesundheitsamt üblicherweise 14 Tage anordnet. Auf BZ-Nachfrage teilte die Behörde mit, dass die jeweilige "fachliche Einschätzung" zu unterschiedlichen Maßnahmen führen könne. Zudem gebe es Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, wie mit Menschen umzugehen sei, die in der "kritischen Infrastruktur" tätig sind. Dazu zählten neben medizinischen Personal oder Rettungskräften auch Politiker. Ob OB Horn sowie die Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, Stefan Breiter und deren Kollegin Gerda Stuchlik am Dienstag wieder ins Büro dürfen, entscheidet sich am Montag. Ein erster Coronatest unter der Woche sei negativ ausgefallen, so Horn. Das Ergebnis des zweiten Tests bekommt er am Samstag.



Fälle an mehreren Freiburger Schulen

Informiert hat die Stadt am Freitag auch über den Sachstand an den Schulen. Aktuell sind in Freiburg elf von 60 Schulen von Corona betroffen. Bislang musste jedoch noch keine Einrichtung geschlossen werden, sondern es konnten einzelne Schulklassen in Quarantäne geschickt werden.

An Grundschulen habe es bislang noch keine Fälle gegeben, heißt es. Nach einer Mitteilung der Landesregierung gilt von Montag an eine Maskenpflicht für alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse. Diese neue Regelung gilt für alle weiterführenden und auch für die beruflichen Schulen.

Weitere Einrichtungen in der Stadt sind von Infektionsfällen betroffen. An der Katholischen Hochschule ist ein Student positiv getestet, seine zehnköpfige Seminargruppe und zwei Dozenten sind in Quarantäne. An der beruflichen Gertrud-Luckner-Schule ist eine auszubildende Arzthelferin positiv getestet, ihre 24-köpfige Klasse und fünf Lehrkräfte sind in Quarantäne. Auch die Richard-Fehrenbach-Schule steht nun auf der länger werdenden Liste, dort wurden vier Schüler positiv getestet. Vier Klassen mit 109 Schülerinnen und Schülern sowie 26 Lehrerinnen und Lehrer sind in Quarantäne.

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