Coronavirus

Freiburg verbietet Großveranstaltungen – inklusive Marathon und SC-Spiele mit Publikum

Simone Höhl, Daniela Frahm, Toni Nachbar & Fabian Vögtle

Freiburg untersagt alle Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern. Die Maßnahme zum Schutz vor dem Coronavirus gilt erstmal bis 31. März. Sportveranstaltungen können nur ohne Publikum stattfinden.

Nachdem die Stadt Freiburg alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten hat, stehen zahlreiche Konzerte und Messen auf der Kippe. Klar ist: Das Großevent Freiburg-Marathon ist abgesagt. Als erstes untersagte die Stadt das Konzert der Band Annen May Kantereit am Dienstagabend. Veranstalter ächzen. Der SC will heute entscheiden, ob das nächste Heimspiel ein Geisterspiel wird. Dem EHC wurde diese Entscheidung abgenommen: Die Eishockeysaison wurde vorzeitig beendet.


Was ist verboten?
Die Stadt untersagt alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen, innen wie außen, mit über 1000 Teilnehmenden. Das Ordnungsamt erließ eine Allgemeinverfügung, die vorerst bis einschließlich 31. März gilt. Sportveranstaltungen in Stätten mit über 1000 Zuschauerplätzen können nur ohne Publikum stattfinden.

Warum?
Das Verbot soll die Ausbreitung des Coronavirus bremsen. Der Koordinierungsstab der Stadt, in dem Rettungsdienst, Einsatzkräfte, Gesundheitsamt und Stadtverwaltung sitzen, beschloss dies einstimmig und folgte damit den Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums und des Landessozialministeriums. Während Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach tags zuvor noch gezweifelt hatte, dass es angesichts der niedrigen Fallzahlen in Freiburg ein Verbot gibt, schloss sich das örtliche Gesundheitsamt später den Empfehlungen an.

"Uns allen ist bewusst, dass diese Situation Einschränkungen im Alltag zur Folge hat. Deshalb müssen wir bei der Lageeinschätzung sehr verantwortungsvoll vorgehen", sagte von Kirchbach nach dem Beschluss. "Wir wissen, es wird Kritik geben. Aber am Ende des Tages muss man eine Entscheidung treffen", sagte Ordnungsbürgermeister Stefan Breiter im BZ-Interview. "Bisher lief es nicht gut", befand er. Der Grund sei, dass klare Vorgaben des Bundes- und des Landes-Gesundheitsministers fehlten.

Warum 1000?
"Eine Zahl festzulegen ist unheimlich schwierig", sagte Breiter. Freiburgs Krisenstab hat die Zahl von Bund und Land übernommen – vorerst: "Wenn sich die Situation verändert, werden wir nachjustieren."

Breiter appellierte an die Eigenverantwortlichkeit von Organisatoren kleinerer Veranstaltungen, die Situation anhand der Risikoanalyse des Robert-Koch-Instituts zu bewerten und die notwendigen Schritte zu ergreifen. Die Gesundheit der Bürger sowie die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser habe Vorrang.

Wie ist die aktuelle Lage?
In der Stadt und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gibt es jeweils 11 bestätigte Covid-19-Fälle, also zusammen 22. 30 Mitarbeiter des Uniklinikums befinden sich in Quarantäne, weil ein Patient wohl von seinem Besuch angesteckt worden ist. Das Deutsch-Französische Gymnasium wurde geschlossen, eine dritte Klasse der Weiherhof-Grundschule musste zunächst zuhause bleiben.

Bei Schulen, Kindergärten und Nahverkehr habe das Gesundheitsamt die Situation im Blick, teilte die Stadtverwaltung am Dienstagnachmittag mit. Am Abend dann wurde bekannt, dass die Weiherhof-Grundschule komplett geschlossen wurde – bis zum 20. März. Der Grund: Der Personenkreis, der mit Erkrankten in Kontakt war, lässt sich nicht mehr einschränken. Auch die Schulkindbetreuung ist betroffen. Die 350 Grundschulkinder sind zuhause, aber nicht in Quarantäne – sie können sich frei bewegen.

Sportveranstaltungen
Der Freiburg-Marathon am 29. März ist abgesagt. "Wir sind von den hohen Anmeldezahlen überwältigt worden und haben uns bis heute riesig gefreut", teilte das Orga-Team der "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe" (FWMT) mit.

Der SC Freiburg spielt am 14. März in Leipzig, am 21. März steht ein Heimspiel gegen Werder Bremen an. Der Sportclub wird nun beraten und heute in Absprache mit der DFL entscheiden, wie er mit der Verfügung umgeht. Theoretisch könnte er das Spiel absagen. Als wahrscheinlich gilt jedoch, dass es ein "Geister-Heimspiel" gibt.

Geisterspiele wären für die "Wölfe" ein Problem gewesen, sie sind auf Zuschauereinnahmen in den Playoffs angewiesen. Das erste Spiel des EHC war für Freitag angesetzt. Am Dienstagabend entschied die DEL 2, die Eishockeysaison komplett zu beenden.
Diese Veranstaltungen in Freiburg sind möglicherweise betroffen:

Lang Lang am 13. März 2020 im Konzerthaus Freiburg
EHC Freiburg - Ravensburg Towerstars am 13. März 2020 in der Echte-Helden-Arena
Teddy Show am 14. März 2020 in der Sick-Arena
Die Nacht der Musicals am 14. März 2020 im Konzerthaus Freiburg
Second-Hand-Börse am 14. März 2020, Messe Freiburg
Veggienale & Fair Goods, 14. und 15. März 2020, Messe Freiburg
Holiday On Ice vom 19. bis 22. März 2020 in der Sick-Arena
EHC Freiburg - Ravensburg Towerstars am 20. März 2020 in der Echte-Helden-Arena
Dieter Nuhr am 20. März 2020 im Konzerthaus Freiburg
Galanacht des Sports am 21. März im Konzerthaus
Flohmarkt in der Messe Freiburg, 20. und 21. März
SC Freiburg - Werder Bremen am 21. März 2020 im Schwarzwald-Stadion
Horizon-Bildungsmesse, 21. und 22. März 2020, Messe Freiburg
Kammerkonzert SWR Symphonieorchester, 23. März 2020 im Konzerthaus
Philharmonia Orchestra am 24. März 2020 im Konzerthaus Freiburg
SWR Symphonieorchester am 26. März 2020 im Konzerthaus Freiburg
Sinfonieorchester Crescendo am 29. März 2020 im Konzerthaus
The Freddie Mercury Show am 31. März 2020 im Konzerthaus Freiburg

Konzerte, Shows und Messen
Der Veranstalter "Vaddi Concerts" musste kurzfristig das Freiburger Konzert der Band Annen May Kantereit vor rund 8500 Fans am Dienstagabend absagen. Er sucht einen Ersatztermin. Das Musical Chaplin dagegen konnte stattfinden, da rund 650 Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet wurden. Klar ist auch, dass Simple Minds am 31. März nicht wie geplant auftreten können.

Die Veranstalter aller anderen Events in dem Zeitraum wurden von der FWTM informiert. Die Stadttochter vermietet das Konzerthaus und die Messe. Die Organisatoren wiederum werden nun entscheiden, ob sie ihre jeweilige Veranstaltung absagen, verschieben, splitten – zum Beispiel in mehrere Aufführungen am Veranstaltungstag – oder die Zuschauerzahl reduzieren. "Es ist Wahnsinn", ächzte ein Freiburger Veranstalter.

Was ohne Einschränkungen läuft
Veranstaltungen in Freiburgs Theater, Kinos und Museen können stattfinden, da die Kapazitäten nicht so groß sind. Das Große Haus des Stadttheaters zum Beispiel hat 880 Plätze, sagte Stadttheater-Sprecher Tim Lucas: "Wir haben normalen Spielbetrieb."

Die Katholische Kirche Freiburg teilte mit, dass einzelne Veranstaltungen verschoben oder abgesagt wurden, aber ihre Gottesdienste grundsätzlich stattfinden. Allerdings gibt es vorher Hinweise, sagte Sprecherin Simone Richter: "Kein Weihwasser, kein Handschlag beim Friedensgruß, keine Mundkommunion, keine Kelchkommunion in den Werktagsgottesdiensten".
Verhaltenstipps des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald:
  • Von anderen Abstand halten, ein bis zwei Meter.
  • Unnötige Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen bleiben lassen.
  • Behördengänge nur erledigen, wenn sie zwingend notwendig sind.
  • Wer aus Risikogebieten zurückkommt, soll keine anderen Personen besuchen.
  • Wer Grippe-Symptome hat: unbedingt zu Hause bleiben – und den Hausarzt erst anrufen.
  • Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern sollen von den Kommunen entsprechend der Empfehlung des Landes-Sozialministeriums abgesagt werden – so wie jetzt in Freiburg.
  • Auch unbedingt prüfen, ob kleinere Veranstaltungen und Meetings tatsächlich notwendig sind. Im Zweifel: absagen.
  • Wer nicht ins Elsass muss, bleibt besser weg: Besuche, Fahrten und unnötige Kontakte sollten unterbleiben.
  • In jedem Fall den Hygiene-Empfehlungen folgen: Keine Hände schütteln, oft Hände mit Seife waschen, in die Armbeuge husten und niesen, benutzte Tempos gleich wegwerfen.
Weitere Infos zu Symptomen, Verhalten im Verdachtsfall, Hinweise für Schulen und Kitas gibt es unter: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald – Informationen zum neuartigen Coronavirus

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