Coronakrise

Freiburg macht dicht: Schulen, Kinos und Fitnessstudios schließen

Daniela Frahm, Manuel Fritsch & Jens Kitzler

Ab Dienstag ist das öffentliche Leben in Freiburg weitgehend stillgelegt. Wegen des Coronavirus bleiben Schulen, Kinos, Bars und Sportstudios geschlossen. Die Fallzahlen haben sich leicht erhöht.

In Freiburg gab es am Montagmorgen 53 bestätigte Corona-Fälle, im Landkreis 50. Damit haben sich die Fallzahlen leicht erhöht. Stark erhöht haben sich dagegen die Einschränkungen. Ab Dienstag ist das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Ein kleiner Überblick:


Supermärkte

Die Parkplätze vor den Supermärkten waren schon am Montagvormittag deutlich voller als sonst. Am Edeka an der Lörracher Straße hing ein Zettel, dass Waren "nur noch in handelsüblichen Mengen" verkauft werden. Mitarbeiter der Drogeriekette DM sollen die Vorgabe bekommen haben, nur noch eine Packung Toilettenpapier pro Kunde abzugeben. An der Apotheke am Paula-Modersohn-Platz warteten die Kunden vor der Tür, weil ein großes Schild im Eingangsbereich dazu aufforderte, nur einzeln in den Geschäftsraum zu kommen. In anderen Apotheken lief der Betrieb hingegen wie gewohnt.

Kinos

Ludwig Ammann, Leiter der drei Kinos Kandelhof, Harmonie und Friedrichsbau, erfuhr von dem Beschluss der Landesregierung durch die BZ. "Wir haben uns schon gewundert, dass wir noch immer nichts hören", sagt er. Bis Montag hätten sie am Kinoprogramm ab Donnerstag gearbeitet. "Dabei haben wir uns schon gefragt, ob wir das nicht umsonst machen", sagt Ammann. Bereits vor der Schließung hatte das Kino darum gebeten, Kinoplätze im Schachbrettmuster zu belegen, damit die Zuschauer nicht so nah beieinander sitzen. Nun werden die Plätze gar nicht mehr belegt werden. "Für uns bedeutet das natürlich Einbußen", sagt Ammann, "besonders weil man sich im März den Speckgürtel anfrisst, den man für die fatalen Sommermonate braucht." Auch das Cinemaxx kündigt an, bis zum 15. Juni geschlossen zu bleiben, bereits gekaufte Karten würden erstattet.

Sportstätten

Stylianos Androudis vom Kickbox-Studio Sparta Gym in der Innenstadt hat sein Studio schon am Freitag geschlossen. "Wir waren hier glaube ich die ersten", sagt er. Am Wochenende hätten nach und nach alle Kampfsportstudios zu gemacht. "Wir machen Sport, wir berühren uns, da ist die Ansteckungsgefahr sehr hoch." Er habe bei der Stadtverwaltung angerufen, um zu erfahren, wie es mit seinem Betrieb weitergeht – dort habe aber niemand abgenommen. Auch sein Anwalt und die Steuerberaterin wüssten noch von keiner Lösung. "Die meisten, die so ein Studio betreiben, leben davon", sagt Androudis. Sie könnten sich eine längere Schließung schlicht nicht leisten.
Die Verordnung des Landes mit genaueren Informationen zu betroffenen Einrichtungen findet sich hier

Das Fitnessstudio Sportpark macht ab Dienstag zu. Vorher wurden schon die Kurse gestrichen und einige Geräte stillgelegt, um einen gewissen Abstand zu gewährleisten. "Wir versuchen, das Beste für unsere Kunden daraus zu machen", sagt Studioleiter Werner Faller. Sie würden die Zeit für Grundreinigung und Desinfizierung nutzen. Die Mitgliedsbeiträge würden weiter gezahlt, rückwirkend für die Zeit der Schließung aber zurück erstattet.

In der Tanzschule Gutmann versucht man, kreativ mit der Situation umzugehen. Weil Tanzkurse nicht mehr stattfinden können, sind die Tanzlehrerinnen und -lehrer seit dem Wochenende damit beschäftigt, Videos zu drehen. "Die Kunden sollen ihren normalen Kurs weitermachen können", sagt Janina Artmayer, die Assistentin der Geschäftsführung. "Sie sollen auch einmal pro Woche ein Video von sich einschicken können, um Feedback zu bekommen."

Gaststätten

Auch Christoph Glück, Betreiber des Roten Bären und Vorsitzender des Gaststättenverbandes Dehoga, hat von der Verordnung durch die BZ erfahren. Er wünscht sich eine einheitliche und verlässliche Regelung. "Wir brauchen klare Entscheidungen", sagt er. "Sich nur durchwurschteln ist schwierig. Besser wäre es zu sagen: OK, wir schließen und dafür gibt es dann Unterstützung." Er finde es jedoch gut, dass überhaupt ein gastronomisches Angebot erhalten bleibt. Schließlich sei im Elsass der Betrieb komplett eingestellt.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir das gemeinsam meistern, wenn Freiburg zusammen hält." Martin Horn
Das italienische Restaurant D.O.C in der Gerberau hat selbst beschlossen, dicht zu machen, weil es den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Tischen aus räumlichen Gründen nicht gewährleisten kann. "Um unseren Beitrag zur Eindämmung der Verbreitung des Virus zu leisten, haben wir somit beschlossen, das D.O.C bis auf weiteres geschlossen zu halten", verkündeten die Betreiber auf ihrer Facebook-Seite.
Die "Kantine" in Vauban, die ohnehin nur mittags geöffnet ist, hatte schon am Wochenende angekündigt, ihr Restaurant zu einem Take-away umzubauen, die Terrasse und den Innenraum aber weiter geöffnet zu lassen. Gleiches hatte das "Lollo" in der Schwimmbadstraße bekannt gegeben.

Die Martkhalle in der Innenstadt kündigte an, nur noch über Mittag zu öffnen. Auch hier sollen Speisen nur noch mitgenommen und nicht vor Ort verzehrt werden.

Schulen

Im Montessori Zentrum Angell löst man die Zeit ohne Klassenzimmer mit Cloud-Technologie. "Wir haben für jeden Schüler ab Klasse acht Microsoft Office 365 eingeführt", erklärt Geschäftsführer Alexander Hochsprung. Videokonferenz, Chat, Dateiaustausch, damit könnten Schüler auch von zuhause aus ein Stück Schulbetrieb gestalten. Am letzten Schultag am Montag sei die Hälfte der Schüler noch erschienen. Völlig legitim: "Wir hatten bereits am Freitag den Besuch freigestellt." Dann habe man in den Klassen besprochen, wie es die nächsten Wochen weiterlaufen soll. "Die Stimmung war konstruktiv". Als Schule mit Montessori-Profil hätte man viel Erfahrung, was eigenverantwortliches Lernen der Schüler anging.

"Es ist ein Tag der Organisation und Emotionen, die langsam hochgeschwappt sind", sagt Thomas Hummel, Direktor des St. Ursula Gymnasiums. Dort wurde am Montag noch eine Kunst-Klausur geschrieben. Die unterrichtsfreie Zeit wird auch dort über Onlineangebote auf Lernplattformen abgedeckt. Hummel rief in einer Durchsage alle Schülerinnen und das Kollegium dazu auf, in den kommenden Wochen "unnötige soziale Kontakte zu vermeiden". Die Lehrer sind angehalten, zwei bis dreimal am Tag ihre Mails zu überprüfen. "Die Kollegen haben keine Ferien und empfinden das auch nicht so", betonte Hummel. Für die Notfallbetreuung für Unterstufenschülerinnen, die für Elternpaare aus systemrelevanten Berufen angeboten wird, habe es allerdings erst zwei Rückmeldungen gegeben.

Oberbürgermeister Martin Horn begrüßt die Regelungen

Die Stadt Freiburg hat alle gemeinderätlichen Gremien und Ortschaftsratssitzungen abgesagt. Oberbürgermeister Martin Horn begrüßte, dass es nun eine einheitliche Linie im Land gebe. "Die Regelungen sind weitreichend, sie werden uns alle treffen und das öffentliche Leben weitgehend lahm legen. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir das gemeinsam meistern, wenn Freiburg zusammen hält. Für diese Solidarität gibt es jetzt schon eine Menge positiver Signale", so Horn.

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