Fotos von Freiburger Straßenpunks

David Weigend

Lucja Romanowska (27) hat selbst einige Zeit unter Brücken geschlafen. Vielleicht sind ihre Fotos von Menschen, die auf der Straße leben, deshalb so berührend und treffend. Ab Sonntag sind Bilder von ihr im Jos Fritz Café zu sehen. Wir haben mit der Fotografin vorab gesprochen.



Lucja, du lebst gerade in Hamburg. Welchen Bezug hast du zu Freiburg?

Ich habe sieben Jahre in Freiburg verbracht und dort viel Schönes erlebt. Ich mag die Stadt und bin häufig zu Besuch, um alte Freunde zu treffen oder den Teil meiner Familie zu sehen, der nach wie vor in dieser Region wohnt.

Ein Foto aus dem Bildband zeigt Leute, die einen Sarg vors Freiburger Rathaus tragen: "Unseren auf der Straße im Winter verstorbenen Freunden" steht auf dem Tuch am Sarg. Welche Geschichte steckt dahinter?

Das Bild ist kurz nach dem 19. Dezember 2003 entstanden. An diesem Tag war ein 40-jähriger Wohnungsloser an den Folgen einer Lungenentzndung gestorben, die er sich beim sogenannten Plattemachen geholt hatte. Zu diesem Zeitpunkt gab es nicht wenige, die auf der Straße schliefen. Auch deshalb, weil die Auflagen in vielen Obdachlosenunterkünften nur schwer zu erfüllen waren. Auflagen, die im Übrigen auch heute noch Bestand haben dürften. Hunde und Alkohol sind beispielsweise nur selten erlaubt. Viele, die auf der Straße leben, sind aber nun mal alkoholkrank und besitzen Hunde. Im oben angesprochenen Zeitraum wurde die Situation durch den Umstand verschärft, dass die Stadt Freiburg ein paar katastrophale Unterkünfte zur Verfügung gestellt hatte. In einer schossen im Spätsommer tatsächlich Pilze aus dem Boden.

Deine Fotos von den Straßenpunks haben teils intimen Charakter. Hast du selbst auf der Straße gelebt?

Ich schlief häufiger unter Brücken oder im Bauwagen, musste aber nie dauerhaft auf der Straße leben. Von einer bewussten Entscheidung würde ich in diesem Zusammenhang nicht sprechen. Wenn du jung bist, ergeben sich viele Dinge einfach von selbst

Wie war es für dich, auf der Straße zu leben?

Im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung ist das Leben auf der Straße nicht nur entbehrungsreich, sondern auch voller schöner Momente. Zumindest bei denen, die dieses Leben freiwillig gewählt haben. In meinem Fall war es einfach das Leben selbst, das meinem Dasein als Straßenpunk ein Ende gesetzt hat.



Was bedeutet es für dich, Punk zu sein?

Es ist schwer, diese Frage zu beantworten. Genauso gut könntest du mich fragen, was mir Sauerkraut bedeutet. Ich würde sagen: Schön, dass es das gibt. So in etwa ist das mit Punk. Punk zu sein, bedeutet für jeden etwas anderes. Meine bürgerlichen Nachbarn sind zum Beispiel mehr Punkrock als so mancher, der mit Lederjacke und bunten Haaren durch die Gegend trabt.

Welche Kamera hast du für die Bilder in deinem Buch benutzt?

Eine analoge Canon AE1 und eine digitale Canon 400D. Der Band enthält gut 100 Aufnahmen.

Wann bist du mit einem Foto zufrieden?

Ich bin nur selten mit einem Bild zufrieden. Oft ist es auch so, dass ich eine Aufnahme erst nach Jahren zu schätzen weiß. Ich hatte beispielsweise eine Phase, in der es mich schier irre gemacht hat, wenn ein Foto nicht zu 100 Prozent scharf geworden ist. Das ist gottseidank vorbei. Heute weiß ich, dass Technik nicht das Wichtigste ist. Es gibt einige Bilder, die nur deshalb eine so große Wirkung entfalten, weil sie eben unscharf sind.

Lucja Romanowska: Website & Facebook
Was: Euch die Uhren - uns die Zeit; Straßenpunks 1999 und 2009; Fotografien von Lucja Romanowska
Wann: Vernissage am Sonntag, 8. August 2010, 18.30 Uhr mit Jan Off und Voss a Splatterhead (Ausstellung läuft bis 2. September 2010)
Wo: Jos Fritz Café, Wilhelmstr. 15/1, 79098 Freiburg

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Lucja Romanowska

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