Fotos vom Schauinslandkönig: Die 30-Minuten-Marke

Dana Hoffmann

Im 20-Sekunden-Takt rollten sie gestern aus der Startbox, traten später bis zum Zerreißen in die Pedale, und hofften in jeder Kurve, dass es endlich die letzte wäre. Viele der 950 Teilnehmer des ersten Schauinslandkönig Einzelzeitfahrens hatten gestern ein Ziel vor Augen: Sie wollten den Freiburger Hausberg in 30 Minuten oder weniger bezwingen. Dana ist für fudder mitgefahren. Das hat zwar länger als 30 Minuten gedauert, aber dafür hat sie eine tolle Foto-Galerie mitgebracht.



Am Start des Jedermann- und –frau- Rennens in Bohrer ist von nervöser Anspannung und besonderem Ergeiz allerdings noch nichts zu spüren: Man steht beisammen, scherzt über den anstehenden Wettkampf, posiert schnell noch zum Vorher-Bild. Freunde und Familie klopfen ermunternd auf die Schultern der Fahrer.

Drei, zwei, eins, los.



Der erste Anstieg der insgesamt 11,5 Kilometer langen Strecke verlangt schon einiges an Muskelkraft und Lungenvolumen, mit 12 Prozent Steigung ist er das steilste Teilstück bis hinauf zum Schauinslandpass.

Kaum einer fährt an diesem Sonntag zum ersten Mal auf den 1284 Meter hohen Schwarzwaldberg: Jedes Wochenende schlängeln sich Rennräder und Mountainbikes Reifen an Reifen die Fahrstraße hinauf. Auf der Strecke wird schnell klar, wer die 30er Marke anpeilt: Schnaufend und mit vor Anstrengung verzerrtem Gesichtsausdruck geht es da stramm nach vorne, nach oben.



Rechts und links scheint es nicht mehr zu geben, der Blick ist an das Hinterrad des Vordermannes geheftet, den es zu überholen gilt. Die 20 Sekunden Vorsprung, die dieser noch kurz nach dem Start hatte, kann er nicht allzu lange halten, schon schießt von hinten die Konkurrenz heran, mit aerodynamisch geformten Felgen und Carbonrahmen. Der soeben Überholte blickt kurz auf, zuckt mit den Schultern und winkt lachend in die Kamera.



So sind hier die meisten: Gut gelaunt, freundlich und stolz auf das eigene Durchhaltevermögen.

Nicht jeder hat schließlich das Glück, in fotographischer Mission unterwegs zu sein und deshalb alle paar Kurven eine Entschuldigung zum Anhalten zu haben. Mit Kinderanhängern, auf Inlineskates, auf Tan- und Tridems geht es gen Gipfel, allerdings ohne Hoffnung auf den Thron. Davon stehen gleich zwei direkt hinter dem Zieleinlauf und erwarten die jeweils Schnellsten. Die Zahl der Machtwechsel hält sich zwar in Grenzen, schnell kann sich Andreas Miller (32:05 Minuten) Krone und Zepter sichern und wird erst recht spät vom Sieger Florian Link (29,37 Minuten) entthront. Trotzdem kommt die Idee super an, vor allem die kleinen Gäste sind fasziniert von den üppig dekorierten Insignien.

Aber auch die Gesichter der „Großen“ strahlen im Ziel, viele gerötet vor Anstrengung und praller Sonne bei 25 Grad. „Die Stimmung hier ist toll, die ganze Veranstaltung ist super aufgezogen und topp organisiert“, schwärmt Uli Bartsch (40:17 Minuten Bild rechts). So oder ähnlich antworten alle, die man direkt im Ziel noch unter Atemnot stehend zum Schauinslandkönig befragt. „Ein super Event“, nennt Malte Wangerin (43:03 Minuten), der sich mit seinen Kollegen vom Radlabor eine Platzierung in der Team-Wertung erhofft, das Rennen. „Super Stimmung, ich bin nächstes Mal wieder dabei“, kann sich Hobbyfahrerin Sabine Knöfel (55:19 Minuten, Bild links) begeistern.

Dieser Meinung dürften noch einige andere Fahrer sein, aber dann wird’s eng: Maximal 1000 Starter wollten die Veranstalter Thorsten Schäfers (Marketingagentur „Frisches Blut“) und Alexander Lang (Sportagentur „YouX Events“) auf die Strecke lassen. „Wir hatten eigentlich mit höchstens 300 Teilnehmern gerechnet“, so Schäfers. „Dass mehr als dreimal so viele gestartet sind, ist Wahnsinn.“

Noch am Samstag und Sonntag hätte es gut 200 Nachnennungen gegeben, vermutlich die Gutwetterfahrer. „Wir mussten bei 950 Schluss machen, auf solche Mengen waren wir nicht vorbereitet.“ Das bekamen die Radpiloten bereits bei der Startnummernvergabe am Samstag zu spüren: Wartezeiten bis zu 45 Minuten bei der Anmeldung forderten Geduld. Nach dem Rennen ist das auch einer der Kritikpunkte, aber immer mit dem Zusatz: „Das war jetzt halt beim ersten Mal so, aber daraus können die ja noch lernen.“

Einen zweiten Punkt gibt es noch, mit dem viele Fahrer nicht ganz zufrieden sind: Die gesamte L124 Schauinslandstraße wurde für Verkehr gesperrt, bis auf das Fudder-Fahrrad und ein paar Quads rund um die ambitionierte SWR TV- Moderatorin Ursula Hoffmann darf kein Fahrzeug in die Nähe der Teilnehmer.

Kaum ein Zuschauer verirrt sich dementsprechend auf die Strecke, nur kurz nach dem Start und ab einem Kilometer vor dem Ziel kann man vereinzelt Kuhglocken und Venga- Rufe vernehmen. Das meint auch der soeben inthronisierte Schauinslandkönig Florian Link I. (29:37 Minuten). „Es wäre schön gewesen, wenn man unterwegs ein paar Leute gesehen hätte. Aber alles andere war brillant.“

Das betont er auch noch mal in einer kurzen Danksagung an das Organisationsteam, als er, frisch gekrönt, das Zepter in der einen Hand, mit der anderen seinen Preis über den Kopf hält: Einen gerade mal 700 Gramm schweren Rennradrahmen der Marke Scott. Seine Königingemahlin im Geiste, die Finnin Pia Sundstedt (37:15 Minuten), ist mit ihrem Hofstaat bereits abgereist und bekommt ihren Preis zugeschickt.



Florian ist übrigens der einzige, der die 30 Minuten unterbieten konnte. Und das, obwohl der 31-Jährige eigentlich reiner Hobbyfahrer ist.

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