Fotos: Mach' das lauter!

Carolin Buchheim

Nach dem Fotos-Konzert im Crash hatte ein Mann echt schlechte Laune: Daniel Klingen, der Tonmischer der Band. "Das war das mit Abstand schlimmste Konzert, das ich je mit Fotos erlebt habe. Die Anlage hier ist gefühlte 40 Jahre alt und praktisch nie gewartet worden." Es hätte ein perfekter Abend sein können, wenn die alte Crash-Anlage es Daniel denn nur ermöglicht hätte, die Lautstärke mal so richtig aufzudrehen. So konnte es kein perfekter, sondern nur ein netter Abend werden.



Über die ideale Lautstärke bei Konzerten kann man wissenschaftliche Abhandlungen schreiben, und sicher hat irgendwer genau das auch schon gemacht, aber selbst, wenn man das Thema als Laie angeht: Ein Konzert ist auf jeden Fall dann zu leise, wenn man in der ersten Reihe direkt vor der kein bisschen vibrierenden Box steht, und den Gesang von der Bühne herunter und aus den Monitorboxen (das sind die, mit denen die Musiker sich selbst hören sollen) heraus lauter hört, als aus der Box selbst.

Genau so war das gestern Abend im Crash. So Ohrenschonend, dass man sich fragte, ob der Verband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte sich mit der Deutschen Tinnitus-Liga zusammen getan hatte, um das Konzert so leise zu halten. Einen Vorteil hatte die geringe Lautstärke dann aber doch: es war ein äußerst kommunikatives Konzert,  denn man konnte sich problemlos die ganze Zeit über unterhalten ohne schreien zu müssen. Nun ja.

Hilfsbereite Konzertbesucher gaben Tonmann Daniel während des Konzerts immer wieder den Tipp, er solle die Lautstärke doch einfach hochdrehen, aber so einfach wie bei der Stereoanlage zu Hause ist so was ja nicht; Dann wäre wohl nur noch Ton-Brei aus den Boxen herausgekommen, und das wäre wohl noch schlimmer gewesen als die geringe Lautstärke, die es stattdessen gab.



Als wäre die untaugliche Crash-Anlage noch nicht schlimm genug, war am Morgen die Standheizung des Band-Bus pünktlich zum ersten Schnee ausgefallen und Deniz und Frieder plagten sich mit den Überresten einer Erkältung.

Zieht man all' diese widrigen äußeren Umständen in betrachten, spielten Fotos ein wirklich tolles Konzert. Vielleicht ein Viertel der etwas mehr als 200 Zuschauer traute sich, dementsprechenden Spaß zu haben und zu mache und hupfte in den ersten Reihen zögerlich gutgelaunt umher.

Neben den freudig aufgenommen Songs aus ihrem ersten Album Fotos spielte die Band aus Köln, Wuppertal und Hamburg einen neuen Song mit dem Titel 'Nichts Neues', zwei selbstgebaute Remixe ihrer eigenen Tracks und, als Zugabe, Deichkinds Remmidemmi. Es war ein Abend mit Musik, bei der man man bei richtiger Lautstärke und mit genug Druck dahinter nicht anders kann, als seine Füße zu bewegen. Gestern Abend verpuffte der größte Teil der Fuß-Beweg-Energie leider im Nichts. Sehr schade.

Fürs nächsten Mal also Vormerken: Fotos bitte mit einer ordentlichen Anlange, die den Sound der Band in ordentlicher Lautstärke aufs Ohr bringen kann. Sollte doch zu machen sein!



Als Vorband waren übrigens Foliotape aus Karlsruhe dabei. Die Band litt an einem immer noch häufig anzutreffenden Problem: Einer zu offensichtlichen Liebe zu Radiohead und dem Gesangstil Thom Yorkes; Einem Gesangstil, an dem sich niemand versuchen sollte, der nicht Thom Yorke heißt.

Und, wie war's? 

Isabelle Streicher, 24 & Inga Janzen, 19

Isabelle: Ich fand, die Band hat eine kurze Anlaufzeit gebraucht, und dann waren sie super. Auch das Deichkind-Cover fand ich gut. Schade war nur, dass so wenig Leute da waren. Freiburg rockt einfach zu wenig.

Inga: Das war mein erstes Fotos-Konzert und ich fand' es bezaubernd. Tom hat eine tolle Stimme. Sie haben gerockt.

Lisa B., 23

Ich muss vorsichtig sein, was ich sag', denn mein Freund findet Fotos total super. Ich fand es aber auch sehr schön. Das Deichkind-Cover war klasse, auch wenn ich Deichkind immer noch lieber mag als Fotos.

Chris Heine, 19 & Christian Zoller, 24

Chris: Es war sehr gut, aber das Deichkind-Cover war nicht so toll, den Song hätte ich lieber von Deichkind gesehen.

Christian: Ich hatte großen Spaß! Es war natürlich ein bisschen schade, dass sie am Anfang so Probleme hatten mit der Anlage, aber Fotos sind super: Innovativer Britpop mit deutschen Texten.

Burcu Güvenec, 20 & Gina Kutkat, 21

Burcu: Ich kenn' die Band noch nicht so lange, aber jetzt hab' ich auf jeden Fall schon ein paar Lieblingslieder. 'Komm zurück' gehört auf jeden Fall dazu. Die Atmosphäre war leider nicht so toll; das Publikum war gehemmt. Vielleicht, weil sie die Band und die Lieder noch nicht kannten?

Gina: Ich fand die Band klasse aber genau wie Burcu fand' ich die Stimmung auch komisch; Das Publikum ist gar nicht richtig abgegangen. Vielleicht lag es daran, dass die Leute sich spontan entschieden haben zu kommen, ohne die Band zu kennen. Irgendwie ist der Funke leider nicht übergesprungen, selbst vorne in der ersten Reihe haben wir noch nicht mal geschwitzt, das war schade.

Matthias Cromm, 30

In adäquater Lautstärke hätte ich es spektakulär gefunden. Der Sound war einfach schrecklich, das mit dem Publikums-Chor-Gesang war furchtbar, die Vorband war Mist, aber Fotos waren total gut. Ich mag so nervöse Sachen. Aber heute Abend ist mir klar geworden, dass wir in Freiburg gerade einfach zu oft auf Indie-Konzerten rumhängen. Wir brauchen mal wieder ein richtiges Punk-Konzert.

Frieder, 30, Bassist von Fotos

Auf dieser Tour ist es so, dass ein Drittel der Konzerte total geil abgehen, bei einem Drittel ist alles gut, und bei einem Drittel stimmt irgendwas nicht, so wie heute Abend. Wir hatten heute richtig Bock, die Leute zu rocken, aber die ganze Energie ist verpufft. Schade.

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