Foto-Galerie & Nightlife-Guru: Barty im Kamikaze

Nightlife-Guru

Wie praktisch! An einem heißen Sommerabend veranstaltet das Kamikaze eine ganz besondere Party: Um die hohen Temperaturen besser aushalten zu können, wird massenweise Bart gestutzt. Gestern Abend war das Kamikaze nämlich nicht nur Tanzlokal sondern auch Frisörsalon. Und der Nightlife-Guru war natürlich auch dabei.



Die Jungs an der Tür

Eigentlich ist es fast schon zu schön draußen, um den Abend in einem Club zu verbringen. Die drückende Sommerhitze hat dem Guru tagsüber gar im Stehen ganze Rinnsale das Gesicht hinunterlaufen lassen, warum dann also den Flüssigkeitshaushalt im Kamikaze komplett ruinieren? Und dann ist da auch noch die große Versuchung, einfach auf dem August zu versacken, der so voll ist wie schon lange nicht mehr. Also erst einmal auf ein Bier hingehockt und sich gefreut, dass ein Mitmensch offensichtlich eine gute Lösung gegen die Hitze gefunden hat: Komplette Nacktheit! War er zuvor wenigstens noch mit einem knappen Höschen bekleidet aufgeregt herumgelaufen, wurde selbst darauf zur Allgemeinen Erheiterung verzichtet. Ein wenig Exhibitionismus hat ja auch noch nie geschadet, und da wir hier in Freiburg sind, wird er für sein Treiben sogar umarmt. Schön sowas!

Nach dem ein oder anderen Bier rafft man sich dann doch noch in Richtung Schwabentor auf, aus dem Kamikaze wummert schon der Bass. Rein kommt man ohne Probleme, Schlange gibt es diesmal keine. Traurig ist nur, dass keine – wie der Guru gerüchteweise vernommen hatte – Plastikbärte ausgeteilt wurden. Für die fünf Euro Eintritt hätte das doch drin sein können! Wie schön wäre es gewesen, in die Welt exklusiver Herrenclubs einzutauchen, das Monokel war schon geputzt und gewienert. Aber man kann nicht alles haben, auch nicht auf einer „Barty“.

Inneneinrichtung und Deko

Die Inneneinrichtung des Kamikaze dürfte den meisten bekannt sein. Man schlängelt sich an der – kurioserweise noch nicht wirklich gefüllten Bar vorbei – in Richtung Tanzfläche und versucht dem Drang, den kompletten Abend mit Mario Kart am Minifernseher zu verbringen, zu widerstehen. Ist das geschafft, bietet sich einem meistens ein Blick auf eine völlig überfüllte Tanzfläche, meist in eine Überdosis Nebelschwaden gehüllt. Diesmal ist alles anders: Die Tanzfläche ist gegen 1 nicht nur relativ leer, die anwesenden Personen haben sich alle in einer Ecke versammelt und tanzen nicht. Niemand!

Das ganze Partyvolk verfolgt stattdessen mehr oder weniger gebannt, wie einem stolzen Bartbesitzer in einem eigens errichteten Frisöreck sein Prachtexemplar frisiert wird. Neben der Treppe stehen, hellausgeleuchtet, ein knallroter Frisörstuhl und dessen Besitzer. Letzterer zupft gerade mit gekonnten Bewegungen die Augenbrauen des mit einer jetzt mehr oder weniger originellen Barttracht versehenen Herren. Ob das auch so gewollt ist? Ich entsinne mich des Exhibitionisten von vorhin, denn die ganze Szenerie ist hell ausgeleuchtet, mehrere Fotokameras verfolgen das Treiben zwischen Scheren, Pinseln und Spiegel. Doch nach nur ein paar Minuten zuschauen kommt doch relativ schnell Langweile auf. Würde denn der professionelle Bartbearbeiter wenigstens echte Kunstwerke mit Wiedererkennungswert hinbekommen! Stattdessen sind die immer recht ähnlich frisierten Kreationen doch ziemlich ernüchternd, ja trotz Cowboyallüren langweilig!

Man entschließt sich also, nach nur einer halben Stunde, das Kamikaze noch einmal zu verlassen und in einer Stunde noch einmal zu sehen, wie der Stand der Dinge ist. „Seltsames Partykonzept. Das hält die Leute doch vom Tanzen ab. Eigentlich scheiße!“ hört der Guru beim Rausgehen, und kann sich recht ernüchtert nur anschließen.



Wer war am Start?

Zurück auf dem Augustiner sieht man einige Personen, die vorher auch ihr Glück im Kamikaze versucht haben. Die Zeit für eine gelungene Barty war vielleicht noch nicht reif. Erst einmal Ausruhen und einem improvisierten August-Konzert mit Saxophon, Bongos und sogar einem Kontrabass lauschen und die mittlerweile angenehmen Temperaturen genießen. Nach einer guten halben Stunde, gegen 2 also, zieht es uns aber doch zurück ins Kamikaze.

Da bietet sich nun ein befriedigenderes Bild: Voller Tresen, tanzende Menge. Diese setzt sich aus typischen Kamikazepublikum zusammen. Viel junges Volk und ein paar wenige Elektrofans aller Altersklassen, die sich meist nur noch wankend fortbewegen. Angezogen ist man hier ja gewohnt leger, die Herren tragen überwiegend kurze Hose. Etwas anderes wäre bei diesen Temperaturen ja auch kaum vertretbar. Auffallend ist die an diesem Abend folgerichtig sehr hohe Anzahl an Vollbartträgern im Publikum. Diese scharen sich immer noch um den Frisörstuhl, manche scheinen unentschlossen zu sein. So ein Bart ist schließlich harte Arbeit, da lässt man nicht jeden ran.

Man fachsimpelt, krault die Kinnbehaarung und verschwindet dann kurzzeitig im Nebel. Ich finde einen frisch Frisierten und frage ihn, ob da jeder unters Messer könnte. Ja, das könne jeder und es sei umsonst. Die ganze Party ist wohl auf dem Mist einer Wette gewachsen, eigentlich eine Schnappsidee. Aber es klappt ja, der Laden ist voll.

Party-Atmo und Klangwaren-TÜV

Drohte die Barty am „frühen Abend“ zunächst ein Misserfolg zu werden, sieht das jetzt ganz anders aus. Abgesehen vom gewaltigen Männerüberschuss jedenfalls. Der Elektro wird von Minute zu Minute anspruchsvoller, allerdings geht einem diese unentwegte Rythmusbanalität doch recht schnell auf den Zeiger. Der Guru ist da besseres gewohnt. Das sehen viele Gäste - wie so oft - natürlich anders, die heftigst feiern und überdurchschnittlich viele Körperbewegungen pro Beat aneinanderreihen. Aber so richtig ins Schwitzen kommt wohl keiner, und das mag an diesem Tag schon etwas heißen. Wenigstens ist der Schuppen voll und die Stimmung gut, besonders bei den Wagemutigen auf dem Frisörstuhl.



Aufheiterle

Der Flitzer auf dem Augustiner, abgesehen davon vielleicht der Fakt, dass es Bart-Themenpartys gibt. Gesichtsbehaarung wird im Nachtleben sowieso zu wenig gewürdigt, das hat jetzt ein Ende!

Aufregerle

Die generelle Mittelmäßigkeit der Barty. Aber so richtig aufregen konnte man sich eigentlich über nichts außer über die monotone Bartgestaltung.

Auf dem Klo um halb 1

Auf dem Klo um halb 1 herrschte wahrscheinlich gähnende Leere.

Fazit

So eine Barty ist eigentlich, obwohl nur als Gag gedacht, keine schlechte Idee. Wenigstens mal eine Themenparty, die keine lächerlichen Verkleidungen oder andere furchtbare Dinge involviert. Der Fokus lag auf Ästhetik und… Bärten eben!

Die Umsetzung war dann allerdings doch etwas mager. Gott sei Dank ist es nicht nur beim Bartgaffen geblieben, sondern zur fortgeschrittenen Stunde wurde ja auch noch getanzt. Aber irgendwo fehlte dem Ganzen doch der Pep. Ich hatte auf preisverdächtige Bartkreationen und weniger monotones Gewummer gehofft, in Sachen Bartmusik wäre doch zum Beispiel ZZ Top mal eine gute Wahl gewesen.

Mehr dazu:

     

Foto-Galerie: Janos Ruf

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