Foto-Galerie & Interview mit Niconé: "Ein Club hat eine Halbwertszeit"

Marius Notter & Simon Roser

Am Freitagabend hat Niconé alias Alexander Gerlach alias Lexy von Lexy & K-Paul im Klangraum aufgelegt. Im fudder-Interview erklärt er, dass eine Party dann gut war, wenn die Club-Klos danach kaputt sind, und was er vom Clubsterben mitbekommt:



Hast du ein Ritual vor der Show?


Niconé:
Auf jeden Fall bringt es immer Unglück, wenn ich vor der Show etwas Essen gehe. Deshalb mach ich das schon mal auf gar keinen Fall.  

Wir würdest du die Musik deines Solo-Albums "Let Love Begin" einem Gehörlosen beschreiben?

Als erstes würde mir das CD-Format einfallen, also ein Quadrat. Dann würde ich einen Farbkasten nehmen. Ich würde das Quadrat anmalen, nicht wie ein Regenbogen, nicht zu blumig, aber auch nicht zu dunkel.

Welche Künstlerin oder welchen Künstler würdest du um Vocals bitten, wenn du die freie Auswahl aus allen Sängerinnen und Sängern dieser Welt hättest?

Da fällt mir als erstes tatsächlich Kelis ein - die find' ich ziemlich cool. Gwen Stefani fand ich immer geil, ich weiß aber nicht, ob die es noch irgendwie drauf hat. Aber es gibt so viele neue Leute, die echt gut sind - zum Beispiel Dillon.

Was ist der entscheidende Faktor, nachdem du eine Show beurteilst?

Wenn die Show gut ist, geht's ab. Der Club sieht danach aus wie Sau, die Toiletten müssen kaputt sein, und es muss einem Wasser entgegen kommen.

In einem Interview hast du erzählt, dass du deine Inspiration aus dem Alltag beziehst. Wie kann es einen inspirieren, wenn man zum Beispiel eine Stunde lang auf den ICE wartet?

Wird schwierig, geht aber auch. Ich hasse ja Zugfahren, deshalb würde es vielleicht eher ein Hass-Track werden. Inspiration zieht man daraus eher nicht, aber vielleicht hat man am Abend vorher eine Idee gehabt, die man dann umsetzt.

Solche Reisen mit dem Zug oder Flugzeug nutze ich mittlerweile oft, um Podcasts für Radio- oder Internet-Stations zu machen. Da fällt mir oft ein Link oder ein Sample ein, das ich am Abend vorher gespielt habe, oder wie ein Track über einen anderen lief. Das wird dann zum Ausgangspunkt für ein Edit, das dann nur ich habe. Heute kannst du ja jede Platte bekommen, da braucht man so was, um sich von anderen abzuheben.

Zwischen deinen Arbeiten mit Sascha Braemer und deinem Debütalbum "Let Love Begin" hast du eine Weile gebraucht. Woran lag's?

Ich habe zusammen mit Sascha diese Tracks gemacht, das Album "Romantic Thrills" und noch weitere Songs. Sascha arbeitet gerade an seinem Soloalbum, das auch demnächst rauskommt. Ich wollte selbst schon lange ein Album machen, aber was meine Eltern früher immer gesagt haben: "Wenn du älter wirst, vergeht die Zeit viel schneller" - das stimmt irgendwie. Schwupp! Schon ist wieder ein Jahr vergangen.

Die Bar 25 damals war auch so 'ne Zeitmaschine: Du bist reingegangen und ein Jahr später wieder rausgekommen.

Du verbringst so viel Zeit in Clubs: Was bekommst du mit vom viel diskutierten Clubsterben?

So ein Club hat seine Halbwertszeit erreicht, dann ist er nicht mehr funky und es ist dann auch gar nicht so schlecht, wenn er schließt. Anders ist es natürlich bei Clubs wie der Bar 25, die von irgendwelchen Menschen mit Kohle da irgendwie ihre Industrie-Scheiße aufbauen wollen.

Das ist dann furchtbar schade und scheiße, wenn sich ein Zentrum in Kunst, Musik und anderen Sachen für junge Leute entwickelt hat, und die dann vertrieben werden. Im Fall der Bar 25 sind die Leute dann ja allerdings auf die Straße gegangen und haben mit Spenden und der Unterstützung von Künstlern das Gelände wieder zurückgekauft. Aber da sieht man mal wieder, dass König Geld die Welt regiert. Wenn du das nicht hast oder nicht auftreiben kannst, siehst du halt doof aus.

Zur Person

Alexander Gerlach stammt aus Dresden und ist eine Hälfte des Produzenten- und DJ-Duos Lexy & K-Paul. Seit einigen Jahren veröffentlicht er unter seinem Alias "Niconé" Solo-Arbeiten. 2011 erschien sein Debütalbum "Romantic Thrills", das er mit Sascha Hirtenfellner (Sascha Braemer, Heinrichs & Hirtenfellner) produziert hat. Im Herbst 2013 legte er mit "Let Love Begin" nach.

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Foto-Galerie: Simon Roser

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