'Fick die Uni' im Strobogewitter: Die Antilopengang im Jazzhaus

Savera Kang

Stolze Hörner, stolze Hufen – die Antilopen haben am Freitag im Jazzhaus gespielt und junge Punks ebenso glücklich gemacht, wie alte Rap-Hasen. Dass dem so sein würde, garantierten schon die Titel der Lieder: "Bullenschweine", "Fick die Uni" und "Die Kyngs sind back!!!1":



Die Treppe ist voller Menschen, an der Garderobe steht eine Schlange und am Ziel angekommen, werden Rap-Fans von Gebrüll empfangen. Einige erkennen es als Punk-Rock. Denn bevor die kontroversesten Rapper im Land vor das Publikum im Jazzhaus treten, wärmt die Freiburger Band "Scheißediebullen" dieses vor. Das funktioniert erstaunlich gut und bestätigt, was die Antilopen Gang in Interviews gerne sagt: Dass sie die einzigen Rapper sind, die viele Punks als Fans haben.

Die heute anwesenden Fans sind jung, tragen Leggings und Turnbeutel - aber nicht verziert mit großflächigen Namen irgendwelcher Streetwear-Labels, sondern mit selbst gestalteten Aufdrucken, politischen Botschaften und hippen Mustern.

Ganter Urtrunk? Hurensohn!

Als Scheißediebullen ihren nächsten Song ankündigen, guckt ein Zuschauer belustigt: „Ganter Urtrunk?“ - nein, es war irgendwas mit „Hurensohn“. Das Wort des Abends, auch bei den Antilopen sehr beliebt. Als sie mit dem Song „Outlaws“ auf die Bühne springen, wird klar, dass das Missverständnis nicht dem Gebrüll geschuldet war – der Sound ist vor der Bühne leider so breiig, wie er es bei einem Rapkonzert niemals sein darf.

Die Antilopen haben auch geile Beats, zum Konzert kommen sie sogar mit originellem Gegenstand – einem endzeitlichen Gebilde aus alten Ölfassern, auf denen sich gut trommeln lässt und auf dem ihr DJ sich im Laufe des Abends freudestrahlend verausgaben wird. Doch Rap lebt vom Wort und wären die Anwesenden nicht über weite Teile so textsicher gewesen, hätte es schnell in einem Trauerspiel münden können.

Doch die gutgelaunten jungen Menschen kennen jeden Song des Ende 2014 erschienen Albums „Aversion“ auswendig und sind von Anfang an lauthals dabei. Als schon beim zweiten Lied Strobogewitter einsetzt, wissen auch die Älteren, was zu tun ist – aus wildem Gespringe wird noch wilderes Gepoge. Hier und da sieht man unglückliche Gesichter, weil sich einige an den Pfeilern des Jazzhaus' und den Boxen vor der Bühne blaue Flecken holen. Doch überrascht scheint niemand.

Und die Antilopen erinntert's an ihren Auftritt in der KTS vor einigen Jahren: „Damals mussten wir uns noch von unseren eigenen Texten distanzieren:“

Weichgespülte Major-Band

Als Danger Dan „Die Kyngs sind back!!!1“ anstimmt, wird er wieder vom Publikum begleitet, dabei ist das dazugehörige Mixtape erst seit einer Woche draußen. Zum kostenlosen Download, wie alle Alben bis auf „Aversion“, denn: „Wir haben eine viel bessere Einnahmequelle entdeckt!“ Und der gefährliche Dan spielt die Melodie von „Enkeltrick“ auf dem Klavier. Mit Brüchen können Antilopen-Fans umgehen, sie singen mit, als gelte es, einem geliebten Menschen ein Geburtstagsständchen zu  widmen, später klatschen sie zum absurden Text im Takt. Niemand staunt, doch dass diese häufig missverstandene Band dieses Spiel so reibungslos spielen kann, ist erstaunlich.

Na gut, mittlerweile ist aus der „Anti Alles Aktion“ eine weichgespülte Major-Band geworden – das sagen die Mitglieder selbst und können es nicht nur ironisch meinen. Bald zehn Millionen Aufrufe zählt ihre Youtube-Seite, seriöse Medien versuchen sich an einer Einordnung, zweifelhafte „Friedensaktivisten“ bekommen Wind von ihren Texten und potenzieren die Aufmerksamkeit per Gerichtsprozess.

Keine Trauergesten für den Verstorbenen

Doch Panik Panzer, Koljah und Danger Dan kehren auch zu ihren Wurzeln zurück, packen einige ältere Tracks aus, auch vom Album „Aschenbecher“, das Danger Dan zusammen mit dem mittlerweile verstorbenen NMZS aufgenommen hat. Zwei Jahre später ist er noch präsent, keine großen Trauergesten, die drei übrigen Antilopen rappen seinen „Egotrip“.

Ein paar Stagedivings von Danger Dan und eine von der Band initiierte Wall of Death später ist wohl jeder, der einen guten Stehplatz hatte, feucht: entweder, weil mithüpfenden Bierbechern ein paar Schlücke aufs Nachbar-Shirt entwichen sind oder man vom Selbstspringen Körperflüssigkeit verloren hat. Nicht zuletzt der Punk-Version von „Fick die Uni“ sei Dank. Die Antilopen danken den Freiburger Fans und der Polizei, „die diesen Abend möglich gemacht hat“. Letzterer mit dem Lied „Bullenschweine“. So schließt sich der Kreis zur Vorband und macht den Spagat zur Aftershow mit klassischem Rap besonders schrittzerreissend.

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Foto-Galerie: Florian Forsbach

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