Corona-Planung

Festival-Veranstalter Bela Gurath: "Keine Sea You, dafür eine kleine Variante im Spätsommer"

Gina Kutkat

Die Sea You am Tunisee wird auch 2021 ausfallen. Veranstalter Bela Gurath hat stattdessen ein Konzept für eine kleine Variante im Spätsommer entwickelt. Im Interview erklärt er, warum er so optimistisch ist.

Deutschland steht vor einem harten Lockdown, große Festivals im Sommer sind schwer vorstellbar. Findet die Sea You 2021 statt?

Bela Gurath: Leider sehen wir das Sea-You-Festival im Juli auch nicht. Aber wir arbeiten an einer kleineren Variante Ende August, Anfang September in diesem Jahr.

Wie soll die aussehen?

Wir legen aktuell folgende Parameter zugrunde: Wir als Unternehmer arbeiten immer vorausschauend, was wir von der Bundesregierung schmerzlich vermissen. Seit 13 Monaten fährt diese nur auf Sicht, ohne jegliche Perspektive. Experten gehen davon aus, dass Ende Juni alle Menschen in Deutschland zumindest die erste Impfung erhalten haben – und viele Millionen bereits die zweite. Unser Festival soll zu 100 Prozent Open-Air stattfinden. Falls notwendig, könnten wir jeden unserer Gäste im Vorfeld mit einem Antigen-Schnelltest testen,um nur einige Punkte aus unserem Hygienekonzept zu nennen.
"Wir brauchen vorausschauende Ansagen seitens der Politik und sichere Konzepte seitens der Wirtschaft."

Welche weiteren Strategien umfasst Ihr Konzept?

Wenn nötig, wird jeder Besucher und jede Besucherin mit einem Antigen-Schnelltest getestet, bevor der Check-In auf dem Festivalgelände beginnt. Entweder direkt auf der Messe, bevor es in den Shuttlebus geht, oder vor dem Eingang am Tunisee. Auch am Haupteingang wird es eine Testmöglichkeit geben sowie Fieberschranken. Aufgrund der kleinen Besucherzahl haben wir drei Mal soviel Fläche wie sonst. In Bereichen, in denen sich Menschen ansammeln – vor den Toiletten, an der Bar oder am Eingang – herrscht Maskenpflicht. Auf dem ganzen Gelände gibt es viele Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren.

Spielt eventuell auch ein digitaler Impfpass eine Rolle?

Da warten wir ab, was die Bundesregierung dazu sagt.

Haben Sie keine Angst, dass Ihre Party zum Hotspot und die Marke Sea You damit ruiniert wird?

Es handelt sich nicht um das Sea-You-Festival – Sea You steht für Größe und Internationalität. Wir planen "Back To Life", kleiner und regionaler, aber trotzdem hochwertig produziert. Warum sollte es zum Hotspot werden? Die Parameter, mit denen wir planen, habe ich oben erläutert. Insofern ist das ein sehr sicheres Konzept in viereinhalb Monaten. Sollen Gastronomie, Fitnessstudios und alle anderen Anfang September immer noch im Lockdown sein? Wir brauchen vorausschauende Ansagen seitens der Politik und sichere Konzepte seitens der Wirtschaft.
"Anfang September stirbt keiner mehr an Corona und die Mortalitätsrate wird weit unter der einer Grippe liegen."

Mit wie vielen Besucherinnen und Besuchern planen Sie?

Die maximale Besucherzahl würde bei 5000 Menschen pro Tag liegen, was man noch nach unten anpassen könnte. Das Ganze würde verteilt auf zwei Wochenenden stattfinden. Dieses Konzept sehen wir als sehr sicher an und es gibt den jungen Leuten doch ein wenig Hoffnung und Motivation, um die nächsten zwei harten Monate im Lockdown noch zu überstehen.



Die Leute brauchen das jetzt?

Wir sind der Meinung, dass man den jungen Leute nach anderthalb Jahren zuhause eine Perspektive aufzeigen muss, das wäre zum Beispiel unser Festival. Die Kollateralschäden, die das alles bei Künstlern, den Menschen der Veranstaltungsbranche hinterlässt – ob psychischer oder wirtschaftlicher Natur – werden aktuell komplett ausgeklammert. Anfang September stirbt keiner mehr an Corona und die Mortalitätsrate wird weit unter der einer Grippe liegen. Vorausgesetzt, es taucht keine weitere Mutante auf.
"Ich habe mich von Anfang an gegen die digitalen Formate gewehrt."

Das klingt nach ganz schön viel Aufwand, rechnet sich das für Sie?

Wenn ich mit 5000 Besuchern und fünf bis sechs Spieltagen kalkuliere, kann ich ein paar Defizite abbauen, die durch die zwei Ausfälle 2020 und 2021 entstanden sind. Das ist aber nicht viel, allein durch den ersten Ausfall der Sea You habe ich einen großen sechsstelligen Betrag verloren. Selbst mit 3000 Besuchern pro Tag würde ich das Festival machen – auch, wenn es nur ein Symbol ist. Ich möchte den Menschen etwas anbieten: Meinem Team, unseren treuen Dienstleistern und den Festivalfans.

Andere Veranstalter haben die digitale Variante gewählt, um ein Zeichen zu setzen. Warum Sie nicht?

Weil man das Freiheitsgefühl eines Festivals, die Gänsehaut, die Endorphinausschüttung, nicht ersetzen kann. Die Menschen sitzen seit über einem Jahr zuhause, distanziert, teils depressiv und aggressiv. Ich habe mich von Anfang an gegen die digitalen Formate gewehrt. Die Zeit des Streamings ist meiner Meinung nach vorbei, die Leute wollen wieder raus. Und wir haben eine andere Situation als noch vor einem Jahr. Ein kleines Festival Ende des Sommers mit einem guten Konzept finde ich sicherer als illegale Raves, die entweder schon stattfinden oder bald stattfinden werden. Vielleicht habe ich auch die rosarote Sea-You-Brille auf, ich weiß es nicht.

Wenn Sie die Brille mal abnehmen: Für wie realistisch halten Sie es, dass das Back-To-Life-Festival im stattfindet?

Wir schauen bewundernd auf die pragmatischen Ansätze aus Tübingen und Rostock und haben Kontakt zu OB Martin Horn aufgenommen – wir hoffen auf seinen Support. Nicht nur wir, sondern die gesamte Veranstaltungsbranche sowie alle Jugendlichen und Junggebliebenen. Es geht darum, gemeinschaftlich einen sicheren Weg zu finden, der viereinhalb Monate vorausschaut. Bilder aus London und New York lassen mich nach vorne schauen, es geht doch! Die Gespräche mit den Fraktionen sind sehr positiv verlaufen, die große Frage ist jetzt: Was plant die Stadt Freiburg – wie will sie der Kulturbranche unter die Arme greifen?

Wie geht’s jetzt mit Ihrer Planung weiter?

Wir haben die Konzession für das Festival beantragt, außerdem habe ich einen Brief an die Bürgermeister der Stadt geschrieben mit der Bitte um Unterstützung. Jetzt heißt es abwarten und hoffen, dass bald etwas geschieht. Die Sea You, wie wir sie kennen, soll dann 2022 wieder stattfinden.
Bela Gurath ist einer der Geschäftsführer der Sea You GmbH. Seit 2015 ist die Firma mit der Durchführung des Sea-You-Festivals am Tunisee betraut.

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