Pressekonferenz

Fall Ayleen A.: Verdächtiger war zehn Jahre in Psychiatrie, sitzt jetzt in U-Haft

Karl Heidegger & dpa

Der Tatverdächtige im Fall der getöteten Ayleen hat nach einem versuchten Sexualdelikt viele Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus verbracht. Es handelt sich um einen 29 Jahre alten Mann aus Hessen. Das gaben die Ermittler auf einer Pressekonferenz bekannt.

Die Leiche der seit 21. Juli vermissten Ayleen war am Freitag aus dem Teufelsee in der Nähe von Bad Nauheim in Hessen geborgen worden. Eine Obduktion hatte ihre Identität am Samstag bestätigt. Unklar ist indes, wie und wo sie zu Tode kam.

Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus und ermittelt gegen einen 29-Jährigen aus der Nähe von Wetzlar, der am vergangenem Freitagmorgen in Frankfurt festgenommen wurde und mittlerweile in Freiburg in Untersuchungshaft sitzt. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag auf einer Pressekonferenz in Freiburg bekannt. Der Verdächtige hat zehn Jahre seines Lebens in einer psychiatrischen Einrichtung verbracht, nachdem er im Jahr 2007 – im Alter von 14 Jahren – einen sexuell motivierten Angriff auf eine Elfjährige verübt hatte. Bis Anfang des Jahres 2022 war er unter Führungsaufsicht.

Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht – so lauten nach Angaben der ermittelnden Freiburger Staatsanwältin Franziska Scheuble die Tatvorwürfe gegen den 29-Jährigen. Es bestehe der dringende Verdacht eines Sexualdelikts. Ein Geständnis liege nicht vor: Der Verdächtige habe die Vorwürfe zunächst bestritten und schweige seither. Nähere Angaben könne sie wegen der laufenden Ermittlungen dazu derzeit nicht machen.

Kontakt über das Internet

Ayleen und ihr mutmaßlicher Mörder hatten sich im Internet kennengelernt. Der Kontakt bestand nach Auskunft der Ermittler wohl über mehrere Wochen hinweg, genutzt wurden dabei mehrere Soziale Netzwerke und die Chatfunktion des Onlinespiels Fortnite. Dennoch ist bisher nicht geklärt, ob Ayleen freiwillig in das Auto des 29-Jährigen gestiegen war, in dem sie am Abend ihres Verschwindens – also am 21. Juli – nach Hessen gebracht wurde.



"Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass sie Gottenheim lebend verlassen hat. Wo der Tatort liegt, ist noch unklar", sagt Thomas Hauburger von der hessischen Staatsanwaltschaft in Gießen. Vieles spräche dafür, dass Ayleen in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli zu Tode gekommen sei. Endgültig geklärt sind weder der Todeszeitpunkt noch die Todesursache. Die Leiche der Schülerin war nach Auskunft der Ermittler mehr als eine Woche im Wasser des Teufelsees, aus dem sie am Freitag geborgen wurde. Die lange Liegezeit im See erschwere die Aufklärung, sagte der Freiburger Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer. Die Obduktion habe keine Auskünfte über die Todesursache erbracht. Nun würden weitere wissenschaftliche Methoden zur Aufklärung eingesetzt.

Verdächtigter war bis Januar unter Führungsaufsicht

Der Tatverdächtige hatte im Alter von 14 Jahren einen Angriff von hinten auf ein elfjähriges Mädchen verübt und wurde wegen versuchten sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit Körperverletzung verurteilt und in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Zehn Jahre später wurde er aus dem Maßregelvollzug entlassen, es folgte eine fünfjährige Führungsaufsicht. Diese wurde ein halbes Jahr vor Ayleens Verschwinden beendet. Die Online-Aktivitäten des Mannes wurden nicht überwacht. Das bestätigte Andreas Röhrig, Präsident des Landeskriminalamtes Hessen, gegenüber der Badischen Zeitung.

Nach der Entlassung aus der Psychiatrie im Jahr 2017 war der Mann erneut straffällig geworden – durch Eigentumsdelikte. Deswegen war der heute 29-Jährige bis zuletzt in einem Programm für Intensivtäter. Dieses ist allerdings weniger streng als das Überwachungsprogramm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter, aus dem er zuvor bereits ausgeschieden war.

"Das ist bitter für alle, die alles gegeben haben." Franz Semling
Der Freiburger Polizeipräsident Franz Semling betonte, dass die Polizei alles versucht habe, um Ayleen lebend zu finden. "Gleichwohl bleibt die Erkenntnis, dass wir nach allem, was wir derzeit wissen, leider keine Chance hatten, Ayleen rechtzeitig und lebend zu finden. Das ist bitter für alle, die alles gegeben haben."

Die 14-jährige Ayleen A. aus der Tuniberg-Gemeinde Gottenheim wurde seit dem 21. Juli vermisst. Die Polizei fahndete mit einem Großaufgebot und ermittelte in alle Richtungen, mehr als 100 Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein. Ganz Südbaden hatte Anteil genommen am Schicksal des vermissten Mädchens, dessen Foto auf zahllosen Flyern und Flugblättern zwischen Kaiserstuhl und Hochschwarzwald, in S-Bahnen, Bussen und Bahnhöfen präsent war.

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