Infektionskrankheit

Erster Coronavirus-Fall im Kreis Emmendingen: Betroffene war auf Fasnet unterwegs

Sylvia-Karina Jahn & Joachim Röderer

Eine 42-jährige Frau aus dem Landkreis Emmendingen wurde positiv auf den Coronavirus getestet. Bevor sie selbst von der Ansteckung erfahren hat, war sie auf der Fasnet unterwegs.

Die 42-Jährige war am vergangenen Samstagabend mit einer Gruppe auf der Straßenfasnet in Freiburg unterwegs. Dort traf sie auf eine Bekannte, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Covid-19-Virus angesteckt hatte – ohne es zu wissen. Am Fasnetssamstag zeigte sie noch keinerlei Symptome. Heute weiß man, dass die Bekannte einige Tage zuvor für ihren Arbeitgeber Thermo-Fisher an einem Geschäftsmeeting in München teilgenommen hatte – genau wie ein mit dem Coronavirus infizierter Teilnehmer aus Italien.


Die Gruppe, die am Fasnetssamstag mit der Thermo-Fisher-Beschäftigten auf der Straßenfasnet unterwegs war, befindet sich in Quarantäne. Nach BZ-Informationen zeigen mehrere Personen Symptome. Am Sonntag kamen dann die Test-Ergebnisse: Es hat demnach in der Clique keine weitere Ansteckung gegeben – abgesehen eben von einer Ausnahme: Am Samstag hatte das Sozialministerium Stuttgart die Infektion der 42-Jährigen bestätigt. Sie befindet sich bereits seit Donnerstag im Landkreis Emmendingen in häuslicher Isolation.

Mit der Narrenzunft auf der Fasnet unterwegs

In Teningen-Nimburg schlug die Meldung von deren Infektion hohe Wellen. Zwar wohnt die 42-Jährige nicht dort, aber sie ist Mitglied der Narrenzunft Felsetrieber. Die hatte am 22. Februar eine Kinderfasnet in Nimburg veranstaltet, besorgte Eltern meldeten sich zu Wort. Der Teninger Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker gab jedoch in Absprache mit dem Gesundheitsamt Emmendingen, das die Frau betreut, Entwarnung: Es könne "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" ausgeschlossen werden, dass sie bei der Kinderfasnet Nimburg bereits infiziert gewesen sei.

Das Gesundheitsamt habe den Weg zurückverfolgt, die Infektion sei eben erst später am Samstag in der Nacht auf den 23. Februar erfolgt – also nach der Veranstaltung in Nimburg. Insoweit bestehe kein Grund zur Verunsicherung. Auch der Schulunterricht im Ort werde wie gewohnt stattfinden, so Hagenacker, der sich am Samstag auch auf Facebook zu Wort gemeldet hatte.

Gesundheitsamt hat enge Kontaktpersonen ermittelt

Die Betroffene hatte nach dem Samstagabend noch andere Fasnetveranstaltungen im Raum Emmendingen besucht. Die 42-Jährige hat ihrer Zunft selbst darüber informiert, dass sie das Virus in sich trägt. Das Gesundheitsamt hat die engen Kontaktpersonen der Frau ermittelt und diese informiert. Enger Kontakt heißt beispielsweise: eine halbe Stunde zusammensitzen, aus einem Glas trinken.

Für Menschen, die einfach nur einen Umzug angeschaut haben, an dem sich die Zunft beteiligt hat, sieht Gesundheitsamtsleiter Armin Dietz dagegen kein Risiko: "Da bestand keine tatsächliche Gefährdung." Wer aber näheren Kontakt zu einer infizierten Person gehabt habe und deswegen zusätzliche Hilfe benötige, der bekomme sie – direkt von den Behörden (Landesgesundheitsamt Stuttgart: 0711/9043 9555).

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass sich insgesamt drei Mitarbeiter von Thermo Fisher in Freiburg auf einem Kongress in München mit Covid-19 infiziert hatten. Darunter auch die Bekannte der Frau aus dem Kreis Emmendingen. Schon am Freitag hatten die Behörden mitgeteilt, dass sich insgesamt 25 Menschen aus dem persönlichen Umfeld der drei betroffenen Thermo-Fisher-Mitarbeiter auf Anraten der Gesundheitsbehörden in häusliche Quarantäne begeben hatten.

Der Raum Freiburg bildet mit den bislang fünf bekannten Fällen neben dem Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen einen zweiten, wenn auch deutlich kleineren Schwerpunkt an nachgewiesenen Infektionen mit dem Covid-19-Erreger in Deutschland.
Coronavirus Covid-19

Bei den bisher hauptsächlich aus China berichteten Fällen verliefen vier von fünf Krankheitsverläufen mild. Bei einem Teil der Patienten kann das Virus zu einem schwereren Verlauf mit Atemproblemen und zu Lungenentzündung führen. Todesfälle traten bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. (Robert-Koch-Institut)

Was tun nach Kontakt mit Infiziertem?

Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem Gesundheitsamt melden. Gleiches gilt für Reisende aus Risikogebieten, bei denen Symptome auftreten. Alle anderen wenden sich an das Amt oder den Hausarzt, der bei Verdacht auf Sars-CoV-2 eine Laboruntersuchung veranlassen kann. Allerdings sollten Betroffene vor dem Gang in die Praxis unbedingt vorher dort anrufen. Dieses Vorgehen wird auch bei einem Verdacht auf Grippe empfohlen. Denn auch da ist die Gefahr groß, andere Patienten im Wartezimmer anzustecken.

Hotline

Für alle Fragen zum Coronavirus hat das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg eine Hotline für Rat suchende Bürgerinnen und Bürger eingerichtet: montags bis freitags zwischen 9 und 16 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 9 und 18 Uhr telefonisch unter 0711/904-39555.

Coronafälle im Elsass

Laut einer Pressemitteilung der Präfektur in Straßburg vom Sonntagnachmittag gibt es vier neue Infektionen mit Covid-19 für das Elsass. Die staatliche Gesundheitsbehörde Grand Est hat das bestätigt. Insgesamt wurden damit fünf Personen in den beiden Departements positiv auf die Viruserkrankung getestet.

Unter anderem hat sich die Lebensgefährtin des seit vergangener Woche im Straßburger Klinikum stationär behandelten 36-Jährigen infiziert. Der Mann war zuvor von einem Aufenthalt in der Lombardei zurückgekehrt.

Zunächst hatte sich die Frau mehrere Tage bei sich zu Hause in Isolation befunden. Nach einem positiven Testergebnis wurde sie am Samstag wie ihr Partner in das Straßburger Klinikum eingeliefert. Dort halten sich inzwischen auch die anderen Infizierten auf, eine 27-jährige Frau und ihre beiden ein und fünf Jahre alten Kinder aus dem Haut-Rhin. Alle Erkrankten seien stabil.

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