fudder-Interview

Endlessstory: "HipHop hat einen Spirit, der Grenzen überschreitet"

Thomas Kubina

Einschüchtern von den Corona-Umständen möchte sich die Freiburger HipHop-Band "Endlessstory", auch "Story" genannt, nicht. Im Interview sprechen die Musiker über ihren neuesten Remix, aufgenommen mit dem Rapper-Ensemble "West pangani" aus Kenia.

Worum geht es in dem Lied "Still had you"?

Man kann sagen: es ist eine Art Schnulze, die um das Grundthema Liebe kreist. Wir haben den Song allerdings mit neuen Akzenten versehen und ihn deshalb uminterpretiert. Ein Teil des Songs thematisiert die kurze und schnelle Liebe, der andere Teil schaut auf die Vergangenheit zurück. Etwa, wenn man jemanden verloren hat. Sentimentalität und Euphorie stehen in dem Song dicht beieinander.

Wie ist die Kooperation mit der kenianischen Band West pangani zustande gekommen?

Total zufällig. Joshua Büchler hat eine Bekannte, die aus beruflichen Gründen und wegen ihres Freundes nach Kenia gezogen ist. Wie der Zufall es wollte, lebt Mandwic, einer der drei Rapper West panganis, mit ihr in einer WG in Nairobi zusammen. Als wir uns zum ersten Mal austauschten, was wir gerade so machen, kamen wir auf Musik zu sprechen. Da hat sich das Bild gefügt: Relativ schnell stand im Raum, ob Mandwic und seine beiden Jungs Allan und Danny nicht mit uns gemeinsam Musik machen wollen.

Es gibt ein Musikvideo zu eurem Remix, wo wurde dieser gedreht?

Auf dem Feldberg. Wir sind zum Sonnenaufgang hoch auf den Berg gefahren und haben da unsere Aufnahmen gemacht. Mandwic, Allan und Danny haben ihren Teil in Nairobi gedreht. Als wir unsere Schnitte hatten, haben wir diese einfach zusammengefügt. Wir wären gerne dahin gereist. Weil wir aber nicht großartig reisen konnten, hat jeder für sich seinen Teil erledigt.
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Schon Mal in Kenia gewesen?

Leider noch nicht, aber das werden wir wohl irgendwann nachholen. West pangani besuchen uns und wir besuchen sie. An dieser Stelle kann man sagen: das ist genau das, was internationales Musikmachen bedeutet.

Das passt ja zu eurer Philosophie: Musik als universelle Sprache. Was heißt das?

Gerade in diesen Zeiten ist es sehr wichtig, dass man als Musiker zusammenhält. Hip-Hop ist eine eigene Kultur, eine eigene Sprache. Ein gemeinsames Ding auf der ganzen Welt. Das haben wir vor allem gemerkt, als wir uns textlich mit West pangani austauschten. Auch wenn Menschen, wie in dem Fall aus Kenia, eine andere Kultur haben, verstehen wir uns innerhalb von zwei Sekunden. Es macht "Boom" und wir sind auf einer Wellenlänge. Hip-Hop hat einen Spirit, der Grenzen überschreitet.
Endlessstory
Die Band besteht aus: Mighty99 (Sebastian Türemis), Steamboat (Joshua Büchler) und Favela, Sloe und Delisk

Was genau ist denn das verbindende Element?

Es geht ja nicht nur um die Hip-Hop-Welt. Jeder, der irgendwie kunst- oder musikschaffend ist, hat diesen Spirit, der verbindet. Hip-Hopper sind beispielsweise diejenigen, die mit einem Außenseiterdasein leben und ihre eigenen Erfahrungen persönlich und in dem Genre gemacht haben. Das verbindende ist die gemeinsame Kultur, in der sie sich wiederfinden und sich gegenseitig unterstützen. Es war für uns auch spannend mit West pangani zu arbeiten, weil wir uns Fragen gestellt haben: Wie gehen sie vor? Wie organisieren die sich? Letztendlich laufen diese Fragen aber kulturunabhängig in einem Knotenpunkt zusammen: Musik machen. Das ist auch unser wesentliches Ding.



Was ist denn euer Musik-Ding, eure Inspiration?

Wir haben uns selbst als Bezugspunkt, die anderen und die Erfahrungen aus der Welt. Es geht um Gedanken, die um uns kreisen und die um andere kreisen. Diese Erfahrungen ergeben dann irgendwann einen Song. Wir gehen jetzt nicht unbedingt irgendwo hin, um uns zu inspirieren.

Wie bewertet ihr die Entwicklungen in der Freiburger Hip-Hop-Szene?

Freiburg wächst. Seitdem es den Rap Anker gibt, gibt es sozusagen einen neuen Motor. Mit ihm wurde der erste funktionierende Szenetreffpunkt geschaffen. Im Grunde ist das ja nur ein Freestyle-Turnier, aber durch das Treffen mit den anderen Musikern, findet man auf einmal viele Leute, mit denen man über seine Gedanken reden kann. Neben dem Anker finden wir, dass es auch immer besser werdende Musik in Freiburg gibt. Auch die Zahl der Leute wächst, die was machen.

Was bedeutet die Corona-Lage für euch und für Künstler?

Das größte Problem: Man kann gerade nicht auftreten. Die meisten Bands, die wir kennen, wollen das eigentlich machen. Sie dürfen aber nicht. Was uns besonders an uns selbst auffällt, ist, dass wir so viel Musik gemacht haben, wie nie zuvor. Wir haben mit so vielen Leuten zusammengearbeitet. Zeit gefunden, um Videos zu drehen. Die Corona-Pandemie kann eben auch als Chance verstanden werden, an sich selbst zu arbeiten. Kunst kann niemand verhindern. Auch kein Virus.

Kommt ein neues Release?

Dropbox wird kommen. Dropbox ist das bisher größte Projekt. Es ist die erste nicht-EP, die wir machen. Eine Art Sampler, Mixtape. Alles, was wir die letzten zwei Jahre gemacht haben, soll auf die Platte kommen. Wir wissen aber nicht, ob wir das noch dieses Jahr schaffen. Denn: Wir wollen eigentlich eine Releaseparty machen, vielleicht warten wir deshalb noch ab.

Um die Zeit bis zur Releaseparty zu überbrücken: Wie wäre es mit einem Livestream?

Weil wir gerade drei, aber auch fünf aktive Rapper sein können, ist es eine Entscheidung des Kollektivs. Wir sind gerade nicht wirklich vom Streaming überzeugt. Wir wollen eher ein Konzert in einer schönen Location geben. Das ist uns lieber.

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