Element of Crime im Zäpfle Club: R-O-M-A-N-T-I-K!

Janos Ruf & Alexander Ochs

100 Minuten launige Poesie an einem lauschigen Sonntag: nicht für lau, sondern fürs Gefühl. Das ganz große. Drunter machen wir’s nicht. Sven Regener in seinem Element (of Crime).

Tja, was soll man nach einem in seiner Schlichtheit beglückenden Konzertabend sagen? Schnörkellos. Lakonisch. Grundehrlich. Bodenständig. Schnoddrig. Warmherzig. Weitgehend bewegungslos, aber bewegend.

Die Band Element of Crime, mittlerweile eine Institution im deutschen Musikgeschäft, verzichtet auf Showelemente jeder Art und konzentriert sich ganz auf die Musik. Die mittelalten Herren servieren den schätzungsweise 1.000 Fans ruhigen Deutschrock mit leichtem Country-Schwung von der Westerngitarre sowie chansonesken Pop mit Trompete und Violine, der gekonnt die Kitschklippe umschifft.

Ganz so, als sei das Konzert schon am Ende angelangt, brummelt Sänger Sven Regener nach dem ersten Song („Kopf aus dem Fenster“) gut gelaunt: „Ja, wir sind Element of Crime, und wir spielen noch’n Song.“ Ein Glück.

Glücksgefühle scheinen diese Lieder tatsächlich bei den meisten auszulösen, die heute in der zum Zäpfle Club gesundgeschrumpften Rothaus-Arena versammelt sind. Schließlich wird hier die Hintergrundmusik unzähliger Beziehungen (einschließlich Trennungen), Pärchenabende und Filme aufgeführt. Der Soundtrack zu 25 Lebensjahren. Der Zäpfle Club bot noch viel Luft, es hätte also durchaus voller, an einem Sonntagabend aber auch leerer sein können – zumindest war die Halle voller Lehrer. Element of Crime, Soundtrack für Studienräte?

Schrecklich normal, fast unscheinbar wirken die fünf Musiker auf der Bühne im ersten Moment. Doch was für einen emotionalen Wirbelsturm entfachen die Jungs aus einem lauen Lüftchen! Oder liegt es doch nur daran, dass Sänger, Texter, Gitarrist und Trompeter Sven Regener mit seiner unwiderstehlich und zuverlässig rauchigen Stimme immer wieder vom Wind, vom Kind, vom Vogel, vom Fenster und vom Mond, vom Du und vom Weg dorthin spricht – und dieser Text-Musik-Kosmos jedem nach all den Jahren so irre vertraut ist? Ganz in Schwarz gewandet und unter einer ausgefeilten Lichtregie gerät der gänzlich unprätentiöse Auftritt der Band trotz absoluter Zurückhaltung zur perfekten Projektionsfläche des Publikums.

Musikalisch bringt das Quartett, auf der Tour unterstützt vom vielseitigen Geiger Christian Komorowski, seine Songs vorwiegend von den letzten Alben souverän auf die Bühne. Gegen Ende kehrt die Band zurück zu ihren englischsprachigen Anfängen mit Don’t You Smile. Dazu liefert Regener seine genialen Songtexte („Wie viele Erdbeereise muss der Mensch noch essen, bevor er endlich sagt: Ich bin dafür“), die von den Zuschauern teilweise hingebungsvoll goutiert werden, und huldigt dem Urvater deutscher Poptexter, Udo Lindenberg, indem er dessen Song Leider nur ein Vakuum vom aktuellen Element-of-Crime-Coverwerk „Fremde Federn“ spielt.

Sven Regener, ein knorriger 50-Jähriger, ist Poet, Bänkelsänger, Chansonnier und von Berufs wegen schwermütig wie 20 Finnen. Der Mann ist Fleisch gewordene Schaumgebremstheit, und dennoch gelingt ihm und seiner Band das unfassbare Kunststück, eine besondere Stimmung in die angenehm gedimmte Mehrzweckhalle zu zaubern. Ein, zwei Mal reißt der Erfolgsautor („Herr Lehmann“) triumphierend die Arme in die Luft und brüllt: Romantik! In großen Lettern. Nagelt es an die Wand. Überschrift für einen gelungenen nostalgisch-melancholischen Abend.

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Foto-Galerie: Janos Ruf


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