fudder-Interview

Eisdielen-Inhaberin: "Viele haben geglaubt, ich sei die Tochter der Mariottis"

Christian Engel

Paulina Paniccia hat zusammen mit ihrem Mann Loris kurz vor der Corona-Pandemie die Eisdiele Mariotti übernommen. Zwei Lockdowns innerhalb eines Jahres, wie hält man das auch als Paar aus? Christian Engel hat nachgefragt.

Mieses Timing: Wenige Monate vor Beginn der Corona-Pandemie hatten Paulina und Loris Paniccia die altehrwürdige Eisdiele Mariotti in der Wiehre übernommen. Am 1. März 2020 Eröffnung, drei Wochen später erster Lockdown. Christian Engel hat sich mit Inhaberin Paulina Paniccia unterhalten: über das verrückte erste Jahr, schlaflose Nächte und geheime Zutaten.

Erinnern Sie sich noch an Ihre Gefühle, als der erste Lockdown vor knapp einem Jahr verkündet wurde?

Ich hätte es mir damals nie träumen lassen, dass es einmal so weit kommen wird. Zwangsschließungen in Deutschland in unserer Zeit konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber dann war der Lockdown plötzlich da, das Land stand still – und ich war am Boden zerstört.

War Angst dabei? Schließlich hatten Sie wenige Monate zuvor einen Eisladen übernommen, erst wenige Wochen aufgehabt…

Und wie! Die Angst begleitet mich heute noch. Der Gedanke, ob es nicht doch noch zu einer Betriebsschließung kommt, schwirrt immer irgendwo im Hinterkopf.
Zur Person: Paulina Paniccia, 37, ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Diplom-Technikerin im Bereich Lebensmitteltechnologie. Gemeinsam mit ihrem Mann Loris führt sie neben einer Eisdiele in Maulburg bei Lörrach auch das Mariotti in Freiburg.

Macht Sie das nicht verrückt?

Schlaflose Nächte gehören mal dazu, auch verheulte Augen, aber insgesamt bin ich eine Kämpferin. Mein Mann und ich hatten immer die Hoffnung – und haben sie auch heute noch – dass es stets weitergehen wird.

Sie und Ihr Mann sehen sich fast den ganzen Tag über, arbeiten gemeinsam in der Eisdiele. Heißt: Sie teilen sich die freudigen Momente, aber auch den ganzen Frust. Hat die Corona-Krise Ihre Beziehung auf die Probe gestellt?

Wir streiten sehr selten und waren schon immer eng zusammen. Da wir täglich viele Stunden gemeinsam verbringen, ist es ungemein wichtig, gut miteinander zu können – sonst würde der Laden nicht laufen. In dieser schwierigen Phase braucht man einander, in dieser schwierigen Phase müssen wir stark sein – und das sind wir auch.
"Wir mussten erst einmal Vertrauen schaffen, schließlich waren die Mariottis in Freiburg eine Institution gewesen, bekannt und beliebt."

Sie haben damals recht flott im ersten Lockdown einen Lieferservice auf die Beine gestellt: Stellen wir uns bei Eis auch nicht so leicht vor!

Ist es auch nicht, schließlich ist Eis dafür bekannt, schnell zu schmelzen. Letztes Jahr vor Ostern bekamen wir die Erlaubnis, Eis auszuliefern, also haben wir uns spezielle Kühlboxen besorgt, Eis hergestellt, es ausgefahren: in Freiburg, aber auch nach Merzhausen oder gar nach Bad Krozingen.

Finanziell wird das kein großer Wurf gewesen sein.

Gar nicht! Aber es war uns wichtig, uns bei der Kundschaft vorzustellen: Wir sind die Familie Paniccia und machen Eis. Zuvor hatten wir kaum die Möglichkeit gehabt, uns zu präsentieren, gerade mal drei Wochen, dann war ja schon wieder alles dicht gewesen. Wir mussten erst einmal Vertrauen schaffen, schließlich waren die Mariottis in Freiburg eine Institution gewesen, bekannt und beliebt.

Wie haben denn die Freiburger Eisliebhaber reagiert, als sie plötzlich fremde Gesichter hinter dem Mariotti-Tresen sahen: Sie und Ihren Mann?

Viele haben geglaubt, ich sei die Tochter der Mariottis. Manche kannten mich bereits aus einer anderen Freiburger Eisdiele, in der ich mal gearbeitet hatte. Die meisten Menschen fragten, wo denn die Mariottis wären, aber alle waren sehr aufgeschlossen – und ich denke, wir haben sie mit unserem Eis überzeugt.

Zumindest standen die Menschen in den warmen Monaten Schlange …

Das war toll für uns. Und auch finanziell wichtig. Das hat wieder bisschen mehr Raum geschaffen zum Kreieren und Träumen.

Kreiert hatten Sie letztes Jahr unter anderem beliebte Sorten wie Cheesecake-Himbeere. Wie kommen Sie auf solche Ideen?

Häufig beim Kochen, meist spontan. Für dieses Jahr haben wir zum Beispiel eine neue Sorte gezaubert, sie heißt "I love Freiburg", weil wir diese Stadt und ihre Menschen lieben. Darauf kam ich, als ich karamellisierte Mandeln zubereitete, die man in Italien häufig zur Weihnachtszeit in verschiedenen Gerichten verwendet. Ich sagte meinem Mann: Ich habe da eine Idee. Wir haben die Mandeln mit Ricotta gemischt und eine dritte Zutat hinzugefügt – schon war die neue Sorte fertig.

Und die dritte Zutat ist …

… geheim! Sie können es ja mal probieren und probieren herauszuschmecken.

Sie sagten eben noch, Sie hätten wieder mehr Raum zum Träumen gehabt. Wovon träumen Sie?

Ich träume davon, eines Tages in der Innenstadt shoppen gehen und ein Kleid kaufen zu können, danach mit meinen Freunden in unser Lieblingsrestaurant zu sitzen, anschließend bei uns in der Eisdiele ein leckeres Eis zu essen und abends in einer Bar mit Freundinnen Cocktails zu trinken.

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