Einmal Superpunk, bitte!

Alexander Ochs & Carolin Buchheim

"Super, ey, Punk!”, könnte man angesichts des Bandnamens erwarten. Doch die Hamburg-Münchner Fünf-Mann-Combo Superpunk pflegt den Garagenpop-Bluesrock mit der Soul-Note. Selbstironie, Parolen und eingängige Musik lieferten die Herren gestern Abend im Waldsee. Bei Alex wollte der Funke, trotz reichlich Sympathie für die Band, nicht so richtig überspringen.



Wie ist das eigentlich mit Bands, bei denen die Texte viel mehr hängenbleiben als die Musik? Ja, komisch ist das. Da hört man gefühlte 30 Drei-Minuten-Songs, die wahlweise für die Dauer eines Fußballspiels oder auf Spielfilmlänge nett unterhalten, aber so ganz überspringen will der Funke – bei mir – nicht.

Mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboard ziehen Superpunk die Garagenpop-Bluesrock-Nummer voll durch, leicht aufgeraut durch einen Schuss Punk und tiefer gelegt durch eine Prise Soul. Oder, wie ein Kritiker schrieb, „Northern Soul trifft Garage-Beat“. Das ist nett, das ist eingängig, ja, fast wollte ich schreiben eintönig.

Die Jungs auf der Bühne sind schwer sympathisch, und in ihren besten Momenten bringen sie die Leute reihenweise zum Tanzen, während Sänger Carsten Friedrichs einen Schritt ins Publikum macht und Tastenmann Thies Mynther ekstatisch über die Bühne irrlichtert. Sehr witzig sind die Texte, die in ihrer Parolenhaftigkeit und biographischen Verwurzelung einerseits einfach sind, andererseits pointiert feine Alltagsbeobachtungen wiedergeben wie zum Beispiel „Die Mods“.

Beispiel gefällig? Das scheinbar alles bejahende „Ich find alles gut“, das Sauflied „Ich trinke“, die Heimathymne „Hamburg ist der Platz für dich“ oder das klamaukige „Neue Zähne für meinen Bruder und mich“. Aus dem eher melancholiegschwängerten der fünf Herren sticht stimmungsmäßig der Gute-Laune-Song „Partys in München“ heraus.



Interessant wird es da, wo die Selbstbeschäftigung in Selbstironie mündet – und diese richtig zündet, wie in dem neuen Stück „Mein Name ist Carsten“ oder wie das vor selbstironisch reflektierter Midlifecrisis triefende „Baby, ich bin zu alt“ – ein Thema, an dem sich die Fantas schon seit zwei Alben abarbeiten, allerdings auf wesentlich höherem Niveau.

Insgesamt ein netter Abend, dem der Klang eines nicht eingelösten Versprechens nachhallt. Das gilt auch für die Vorband The Lo Fat Orchestra, die zwischen psychedelisch delirierendem Orgelsound und knackiger Haudrauf-Mentalität hin- und herpendelten. Das war weitgehend instrumental, ging über lange Strecken und war für den ein oder andern etwas ermüdend. Irgendwie vollkommen durchgeorgelt. „Einmal Superpunk, bitte!“

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Foto-Galerie: Carolin Buchheim

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