Corona-Pandemie

Eine Studienberaterin gibt Tipps zur Studienorientierung in der Krise

Anna Castro Kösel

Fristen werden verschoben, Prüfungen abgesagt: Der Sprung an die Uni ist kein leichter derzeit. Wie man sich in der Corona-Krise über ein Studium informieren kann, erklärt Ute Benninghofen von der Zentralen Studienberatung der Uni Freiburg. Fudder hat mit ihr gesprochen.

Wie informiert man sich gerade in Corona-Zeiten über Studiengänge, die man studieren könnte?

Ute Benninghofen: Ein normaler, aber herausfordernder Prozess trifft nun auf eine schwierige gesellschaftliche Situation. Viele Studieninteressierte, die zu mir in die Beratung kommen, sind verunsichert, hatten Pläne gemacht oder wollten reisen, was nun alles nicht mehr geht. Sich in einer solchen Situation zu orientieren, stellt viele junge Menschen vor eine Herausforderung. Und dennoch kann man, was die Zukunftsgestaltung angeht, so vorgehen wie in anderen Zeiten auch. Und hierbei ist eines von zentraler Bedeutung: Die eigene Person, der Mensch mit all dem was ihn ausmacht, mit seinen individuellen Interessen, Fähigkeiten, Werten und Zielen, steht im Mittelpunkt einer guten Studienorientierung. Wie bei anderen Entscheidungen auch sollte man sich die Frage stellen: Was könnte zu mir passen? Und hierbei nicht zuerst den Blick nach außen wenden, auf ein fast unüberschaubares Angebot an Möglichkeiten, sondern zunächst nach innen schauen und sich fragen: Was interessiert mich, was finde ich spannend, was kann ich, worauf bin ich stolz? Und was ist mir wichtig im Leben? Gerade durch die aktuelle Situation haben viele Menschen ja einen anderen Tagesrhythmus, müssen sich durch die eingeschränkte Möglichkeit zu sozialen Kontakten anders und intensiver mit sich selbst auseinandersetzen und haben eventuell ein neues Gefühl dafür entwickelt, was einem selbst wirklich wichtig ist. Vielleicht hat man in dieser Zeit auch Erfahrungen gesammelt und neue Dinge über sich gelernt. Zusätzliche Unterstützung können hierbei auch Online-Orientierungstests wie die baden-württembergische Website www.was-studiere-ich.de geben.

Wird das von den Unis mitgedacht, dass sich Studieninteressierte Kurse oder Studiengänge anschauen wollen?

Auf jeden Fall. An der Uni Freiburg gibt es für viele Studienfächer Online Studienwahl Assistenten (OSA), mit deren Hilfe Studieninteressierte virtuell in das Studium reinschnuppern können. Dadurch lässt sich in Erfahrung bringen, wie sich das gewählte Fach anfühlt und ob Realität und Vorstellungen zusammenpassen. Ein OSA kann völlig anonym absolviert werden und die Testergebnisse sind nur für einen selbst bestimmt. Mit dem Ergebnis darf ich spielerisch umgehen, der OSA wird mir nicht sagen, was ich tun soll, sondern mir einfach zusätzliche Perspektiven für meine Studienidee vermitteln. Wer Lust hat, einen OSA auszuprobieren findet die Freiburger OSA unter www.osa.uni-freiburg.de, das bundesweite Angebot unter www.osa-portal.de. Eine weitere Möglichkeit zum "reinschnuppern" ist ein Gasthörerausweis. Das geht auch in Corona-Zeiten, da viele Lehrveranstaltungen online stattfinden. Man sollte bei der Auswahl von Lehrveranstaltungen dennoch darauf achten, sich nicht nur die "Bonbons", sondern auch die "Kröten", also scheinbar nicht so spannende Inhalte anzuhören, um einen realistischen Eindruck des Faches zu bekommen. Ein vorheriger Kontakt mit der jeweiligen Fachstudienberatung oder der Zentralen Studienberatung kann da hilfreich sein und ist auch für Studieninteressierte möglich.
Zur Person:

Ute Benninghofen arbeitet seit 26 Jahren in der Studienberatung. Für sie ist es das Wichtigste, dass in der Studienberatung der Mensch im Mittelpunkt steht und sie die Möglichkeit hat, Menschen in Umbruchsituationen mit Empathie und Wertschätzung in ihren Entscheidungsprozessen zu begleiten.

Was tun Universitäten, um Studieninteressierten in der aktuellen Zeit zu helfen? 

Wir in Freiburg, aber auch andere Unis und Studienberatungen arbeiten gerade mit viel Elan, Einfallsreichtum und Einsatz daran, zusätzliche Angebote zu machen. Ich selbst arbeite gerade an einer Online-Präsentation zum Thema: "Studieren und bewerben an der Uni Freiburg" – andere Kolleginnen und Kollegen aus dem ZSB-Team entwickeln Podcasts, Tutorials, digitale Materialen zur Studienorientierung und vieles mehr, das bald unter www.zsb.uni-freiburg.de online gehen wird. Und natürlich sind wir von der ZSB auch immer mit der Möglichkeit zu individuellen Beratungsgesprächen für unsere Ratsuchenden da, wenn auch derzeit telefonisch oder per Videochat.

"Die Termine für das Wintersemester werden sich voraussichtlich verschieben."

Was sollte man beachten, wenn man überlegt, in einer anderen Stadt zu studieren?

Anstatt meist vergeblich nach allgemeingültigen Informationen zu einer Studienidee zu suchen, sollten sich Studieninteressierte direkt an die Wunschhochschule wenden. Nach einer Erstrecherche auf der jeweiligen Hochschulhomepage können individuelle Fragestellungen dann per Mail oder Telefon mit den dortigen Ansprechpartnern oder wenn es um Wohnen oder Finanzierung geht auch mit den Studierendenwerken geklärt werde.
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Wie sieht es aktuell mit den Bewerbungsfristen aus?

Die Termine für das Wintersemester werden sich voraussichtlich verschieben. Die genauen Termine stehen derzeit noch nicht fest, werden aber zeitnah auf den Homepages der Hochschulen veröffentlicht werden.

Inwiefern wird die Corona-Pandemie das Wintersemester 2020 beeinflussen?

Langfristig lässt sich natürlich nichts Genaues sagen. Sicher ist aber: Die Uni Freiburg arbeitet mit Hochdruck, mit viel Energie und Initiative an digitalen Formaten für Beratung, Studium und Lehre. Ich bin daher zuversichtlich, dass der Einstieg ins Studium und der Übergang ins Wintersemester auch für unsere Studienanfängerinnen und -anfänger gut laufen wird.
"Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber diese ist die unsere."

Was möchten Sie künftigen Studierenden mit auf den Weg geben?

Ein kleines Zitat von einem alten Foto in meinem Homeoffice-Arbeitszimmer: "Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber diese ist die unsere." Sicherlich ist die jetzige, diese unplanbare Zeit nicht die schönste, aber sie bietet auch Möglichkeiten. Es kann entlastend sein zu merken, dass nicht alles im Voraus planbar ist, dass es in Ordnung ist, nicht alles schon vorher zu wissen, dass Dinge passieren, auf die wir keinen Einfluss haben, mit denen wir aber umzugehen lernen. Und es wird auch eine Zeit nach Corona geben, in der wieder vieles von dem möglich sein wird, was jetzt nicht geht: Auch während des Studiums kann man in der vorlesungsfreien Zeit auf Reisen gehen und Auslandssemester bieten eine tolle Möglichkeit, neue Ländern und Kulturen kennenzulernen.