Elterinitiative

Eine Hausgeburtswohnung ist in Freiburg zum Greifen nah

Julia Littmann

Seit vier Jahren versuchen Eltern, in Freiburg eine Wohnung für Hausgeburten zu etablieren. Jetzt ist eine ideale Wohnung gefunden – und ein Crowdfunding soll die Finanzierung sichern.

Vor vier Jahren gründete sich in Freiburg die Elterninitiative "Kuckucksnest". Die will mit einer Geburtswohnung Geburten wie zuhause ermöglichen, begleitet jeweils von einer vertrauten Hausgeburtshebamme. Seit einiger Zeit gibt es für das Vorhaben schon eine Art Zwischenlösung. Nun aber ist tatsächlich die passende Wohnung gefunden. Derzeit läuft ein Crowdfunding, um das Vorhaben solide an den Start bringen zu können. Julia Littmann sprach mit Alia Ciobanu, einer der Initiatorinnen, über die Umsetzung einer wichtigen Idee.

BZ: Welche Möglichkeiten kann der Verein "Kuckucksnest" heute anbieten?
Alia Ciobanu: Im Moment sind wir sehr dankbar dafür, dass wir für häusliche Geburten in einem Privathaus ein Zimmer nutzen können. Das hat fast so ein bisschen den Charakter einer WG – und es ist für uns wie eine Art Vorlauf. Das ist ein ganz sanfter Einstieg und Übergang in die Umsetzung unserer Idee. Es hat uns darin bestärkt, unser Vorhaben im ursprünglichen Sinne weiterzuentwickeln und noch deutlicher und ausdrücklicher einen Ort des Gebärens einzurichten.

BZ: Was macht die Wohnung, für die nun ein Crowdfunding läuft, zu einem solchen Ort?
Alia Ciobanu: Ganz wesentlich ist für uns, dass die Wohnung für die Gebärende und ihre Begleitung ein privater Rückzugsraum ist. Der große Fürsprecher für die sanfte natürliche Geburt, Michel Odent, hält das für eine der ganz wichtigen Voraussetzungen: Dass sich Menschen während dieses intimen Moments der Geburt sicher und geborgen fühlen. Die Drei-Zimmer-Wohnung in Munzingen, die uns angeboten wurde, ist dafür ideal. Sie liegt ruhig, ist aber trotzdem nur dreizehn Autominuten vom Diakoniekrankenhaus entfernt. Dorthin verlegen Hausgeburtshebammen Gebärende, die doch klinische Unterstützung brauchen. Und nicht nur fürs Gebären ist die neue Kuckucksnest-Wohnung ideal: Hier können auch andere Dinge stattfinden, zum Beispiel Seminare, Still-Cafés, Windelfrei-Workshops.

BZ: Bei den vielen schönen Ideen klingt noch ein "aber" an – was steht dem im Weg?
Alia Ciobanu: Wir haben vom Vermieter und aus dem Verein großen Zuspruch, auch auf unsere Spendenkampagne gibt es gute Resonanz. Unser Ziel ist aber noch nicht erreicht. Derzeit fehlt es noch an einer so gut abgesicherten Finanzierung, dass wir wirklich ohne "aber" loslegen können. Dafür möchten wir das erste Jahr – Miete und Fixkosten – vorfinanzieren. Für das Crowdfunding haben wir 16 000 Euro angesetzt, das läuft sich jetzt so allmählich warm. Es spenden ganz unterschiedliche Menschen, viele junge, die sich Gedanken über selbstbestimmtes Gebären machen, aber auch ältere, die das Thema wichtig finden – als frauen- und familienorientierte selbstbestimmte Grundhaltung, manche haben selber Hausgeburten gemacht, andere hätten sie gerne gemacht … Wir hoffen, dass die Geburtswohnung zu einer gemeinsamen Anstrengung wird, die klappt. Die Ziellinie ist für uns der 20. Juli. Und es gibt tatsächlich schon etliche Schwangere, die auf die Geburtswohnung setzen.
Infos zur Geburtswohnung und zur Möglichkeit zum Crowdfunding beizutragen gibt’s auf geburtswohnung.de