fudder-Routine

Ein Tag im Lockdown-Arbeitsalltag einer Redakteurin

Gina Kutkat

Hallo, Homeoffice. Seit Beginn der Corona-Pandemie arbeitet auch die fudder-Redaktion im Homeoffice – mit kleinen Unterbrechungen. Gibt es Tipps und Tricks, um motiviert zu bleiben? Das Protokoll eines fudder-Tages.

Und, wie läuft’s bei euch im Homeoffice? Bei uns: Gut bisher. Seit dem harten Lockdown ist die fudder-Redaktion komplett im Homeoffice, auch davor haben wir uns verteilt, um die Abstände zu gewährleisten. Der Arbeitsalltag hat sich verändert, aber die Schwerpunkte sind gleich geblieben: Wir schreiben und produzieren Online-Artikel, brainstormen in (Digital-) Konferenzen, planen Themen und versorgen die Freiburgerinnen und Freiburger mit News.

Was uns im Homeoffice hilft? Ein strukturierter Arbeitstag – und das Internet mit all seinen Zoom-Konferenzen, Messengersystemen und Tools! Wie wir den Arbeitsalltag verbringen, möchten wir mit euch teilen. Folge 1: fudder-Redakteurin Gina Kutkat schreibt ihre Lockdown-Routine auf. Vielleicht hilft es bei der Motivation, vielleicht habt ihr auch noch Tipps? Denn eins ist sicher: Nur, wenn wir alle Zuhause bleiben und an einem Strang ziehen, bessert sich die Corona-Situation.

Meine Homeoffice-Routine als fudder-Redakteurin:

6.15 Uhr: Der Wecker klingelt – nicht! Als Frühaufwacherin muss ich mir keinen Wecker stellen. Nie. Ich wache meistens um die selbe Uhrzeit auf, das ist im Winter nicht ganz so toll wie im Sommer. Mein erster Blick geht – leider – aufs Handy. Ich checke meine persönlichen Nachrichten, dann klopfe ich die News-Apps ab.

6.30 Uhr: Ich starte jeden, wirklich jeden Tag mit einem Kaffee im Bett. An Glückstagen wird er mir gebracht, an allen anderen Tagen nicht.

7 Uhr: Ich nenne es die "Wuseln nach dem Aufstehen"-Zeit. Im Nachhinein kann ich nie sagen, was ich in diesen circa 30 Minuten genau getan habe, aber Spülmaschine ausräumen, Bett machen, WhatsApp-Nachrichten schreiben, Klamotten einsammeln, anziehen, Haare kämmen und Nachrichten gucken oder lesen gehört meistens dazu. Im Idealfall fällt mir währenddessen auch noch eine Themenidee ein, die hab ich nämlich immer beim Aufräumen.

7.30 Uhr: Da ich erst um 9 Uhr anfange zu arbeiten, habe ich noch eine gute Stunde Zeit. Normale Menschen würden jetzt einfach ne Runde weiterschlafen (seid gesegnet!), ich wähle zwischen den Optionen der Heiligen Dreifaltigkeit der Lockdown-Langeweile: Sport machen, putzen oder Einkaufen. Heute entscheide ich mich für eine Runde joggen. Kopf frei kriegen, frische Luft, Körper bewegen – hinterher fühle ich mich immer besser.

9 Uhr: Ich sitze mit meinem Frühstück – frisches Obst mit Joghurt – vor dem Arbeitsplatz in meinem Homeoffice. "Guten Morgen" – da kommt schon die erste Slack-Nachricht meines Kollegen, kurz danach ruft er an. Ein kurzer Check-In mit meinem Team gehört täglich dazu. Und es tut so gut, kurz mit jemandem zu telefonieren und den Tag zu besprechen. Oder einfach mal zu quatschen – so wie wir es in der Redaktion auch machen würden. Wir sind sowieso ständig durch diverse Messenger-Systeme im Austausch, aber ein Telefonat ist unersetzlich. Ich schreibe Emails, beantworte Fragen von freien Mitarbeitern, behalte die Nachrichtenlage im Auge und werkele so eine Weile vor mich hin.

9. 50 Uhr: Schon wieder kurz vor zehn. Gleich ist Zoom-Konferenz mit der ganzen Freiburger Stadtredaktion. Hier planen wir, was am nächsten Tag in der Zeitung steht, aber auch, welche Themen für die Online-Seiten der Badischen Zeitung wichtig werden. Es ist erstaunlich, wie schnell die täglichen Zooms für alle zur Routine geworden sind. Wir fudder-Redakteure arbeiten eng mit der BZ zusammen: Unterstützen bei Artikeln, liefern Themen aus den Bereichen Nachtleben, Studium und Geschäfte.

10.30 Uhr: Los geht’s, die Konfi ist vorbei und ich beginne mit meinem Artikel. Diese Woche habe ich "Schreibwoche", was bedeutet, dass ich mich komplett meinen Themen widmen kann, während die anderen die fudder-Seite planen, Artikel redigieren und Social Media betreuen. Heute bin ich im Schreib-Flow, das ist natürlich nicht immer so. Es gibt Tage, da klappt’s nicht mit der Kreativität. Was ich dann tue? Ich suche mir andere Aufgaben: Arbeite Mails ab, plane die fudder-Woche, tippe ein Interview ab, mache Termine mit potentiellen Gesprächspartnern aus – etwas zu tun gibt es immer. Und am nächsten Tag läufts dann meistens wieder mit dem Schreiben. Es gibt natürlich auch Situationen, da MUSS man was aufs Papier, ähm ins Internet, bringen. Denn eine Polizeimeldung oder Breaking News können nicht warten. Was hilft: Einfach losschreiben! So simpel es klingt, den Tipp hat mir mal eine geschätzte Kollegin gegeben.
Meine 5 Tipps für Arbeiten im Homeoffice:

Klare und regelmäßige Absprachen mit dem Team helfen, den Arbeitsalltag zu strukturieren

Wenn die Luft raus ist, eine Runde raus gehen

Eine Sportroutine haben – oder zumindest eine Bewegungsroutine

Sich Zeitfenster setzen, in denen man eine bestimmte Aufgabe erledigt

Die Kolleginnen und Kollegen wie im Büro/ in der Redaktion begrüßen und verabschieden

11 Uhr: Kaffeepause, wie in der Redaktion.

12 Uhr: Weil ich mit dem Artikel schon vorige Woche angefangen hatte, bin ich vor Mittag mit dem Schreiben fertig. Jetzt geht’s an den Feinschliff: Fotos hochladen, Bildunterschriften schreiben, vom Kollegen Feedback einholen und zusammen eine gute Online-Überschrift überlegen. Nochmal in Ruhe durchlesen und redigieren lassen – bei uns gilt mindestens das Vier-Augen-Prinzip. Dann telefoniere ich mit dem BZ-Kollegen in Schopfheim und biete ihm meinen Text an – denn er handelt von einem Protagonisten aus seinem Gebiet. Er freut sich und nimmt den Text dankend an.

Wenn ein Artikel bei uns online geht, gibt es mehrere Schritte, die wir danach zu tun haben, ich nenne es liebevoll "Kladderadatsch": Wir posten ihn auf Facebook und Instagram, rufen die Kollegen der BZ-Online-Redaktion an, die ihn vielleicht auf der Startseite verlinken. Das nimmt in etwa eine halbe Stunde in Anspruch.

13 Uhr: Schon wieder habe ich mich nicht um mein Mittagessen gekümmert. In der fudder-Redaktion in der Innenstadt war das einfacher: Einfach runter in die Markthalle oder in eins der anderen Geschäfte in der Nähe. Jetzt knurrt der Magen, weil ich die Pause schon wieder nach hinten geschoben habe. Das muss besser klappen. Weil ich der glücklichste Mensch der Welt bin, wartet auf mich schon fertig gekochtes Essen. Danach habe ich eine halbe Stunde Zeit und will nochmal raus an die frische Luft. Ich brauche diesen Auslauf, es gibt mir Energie. Dieses Mal schnappe ich mir den Hund, der unten im Haus wohnt. Eine Win-Win-Situation für die Besitzer und mich – und hoffentlich auch für den Hund.

14 Uhr: Die nächste Zoom-Konferenz, dieses Mal mit den Online-Kollegen. Einige von ihnen habe ich seit März nicht mehr live gesehen. Schon verrückt.

14.40 Uhr: Zwischendurch eine Whats-App von einer Kollegin, die gerade nochmal in der Redaktion ist und den Kühlschrank aufräumt. Ich habe Sachen vergessen. Schuldig in allen Sachen der Anklage.

15 Uhr: Telefoninterview für einen Artikel, das dauert etwa 30 Minuten. In der Redaktion würde ich solche Gespräche mit dem Telefonsystem aufnehmen, zuhause mache ich mir fleißig Notizen und tippe danach alles gleich ab. Beide Versionen funktionieren gut, das habe ich mittlerweile gelernt.

15.30 Uhr: Ob ich kaffeesüchtig bin?

15.45 Uhr: Etwa eine Stunde geht rum, in dem ich mich um unsere neuen Mitarbeiter kümmere. Wir haben im Oktober einen Aufruf gestartet und es haben sich sehr viele junge Menschen mit Potential bei uns gemeldet. Leider können wir sie nicht persönlich treffen, deshalb läuft alles per Email ab. Zwischendurch lese ich einen Artikel meiner Kollegin, mache eine Story für Instagram und schreibe einen Text für das BZ-Silvestermagazin.



16.50 Uhr: Snacktime! Ab und zu streunere ich in die Küche auf der Suche nach Snacks. Und freue mich über die Weihnachtskekse, die ich am Sonntag vorher mit meiner Mama gebacken habe. Frage mich, wo die alle geblieben sind...

17 Uhr: Ich setzte mir gezielt Zeitfenster, um Emails abzuarbeiten. Jetzt zum Beispiel 30 Minuten. Dann wird von unten nach oben wirklich jede Email beackert. Es sei denn, ich finde gerade partout keine Lösung oder Antwort. Kommt es euch auch so vor, als sei das Email-Postfach ein Fass ohne Boden? Ich habe einen Kollegen, der sein Postfach regelmäßig auf Null runterfährt. Scary.

17.30 Uhr: Mein Artikel ist online gegangen und wird ganz gut gelesen. Es ist auch nach vielen Jahren immer noch ein spannender Moment, wenn ein Text, an dem einem was liegt, online geht. Ich schreibe noch mal mit meinen Kollegen und schaue, ob es noch was zu tun gibt. Keine aktuellen Polizeimeldungen, kein Thema, das heute Abend noch brennt. Ich mache den Computer aus, aber es ist schon was anderes, dann einfach nur ins Nebenzimmer zu gehen. Die Arbeit geht im Kopf noch weiter. Jetzt noch ein Glas Wein, was Kochen und Netflixen.

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