Protokoll

Ein Tag aus dem Homeschooling einer Freiburger Schülerin

Anika Maldacker

Eine Stunde digitaler Unterricht mit ausgeschalteter Kamera. Oder stilles Hausaufgaben machen allein am Schreibtisch: Der Schulalltag ist derzeit einsamer als sonst. Eine Freiburger Schülerin berichtet.

Joana Stöhrer da Costa ist 17 Jahre alt und wohnt in Müllheim. Sie geht in die Freiburger Max-Weber-Schule in die 3BKSVM2 – das ist die Leitungs-, Profisportler Klasse. Seit vergangenen Montag macht sie Homeschooling. Für fudder berichtet sie von einem Tag aus dem digitalen Klassenzimmer.

Donnerstag 14. Januar 2021

9 Uhr: Ich stehe auf und mache mich für die Online-Schule fertig.

9.45 Uhr: Meine erste Stunde in Englisch beginnt. Die ersten fünf Minuten kann sich keiner anmelden. Ab 9.52 Uhr ist der Lehrer im virtuellen Raum, vorher wurden uns in Moodle die Aufgaben, die wir bearbeiten müssen, gestellt. Alle Schüler sind auf stumm gestellt und jeder arbeitet für sich. Wenn man eine Frage hat, muss das Mikro angemacht werden. Aber es ist natürlich etwas anderes, wenn das persönlich geschehen würde.

Im Normalfall habe ich 22 Stunden Unterricht pro Woche. Jetzt, im Homeschooling sind es zehn bis 13 Stunden. Im Dezember musste ich sehr viel für die Schule machen, da in der Zeit Klausurenphase war. Jetzt wird es wohl nicht weniger, das liegt aber auch daran, dass es schwierig ist, sich vieles selber beizubringen. Es fehlt zudem die Struktur und dann oft die Motivation.

11.20 Uhr: Ich habe eine Pause und räume alles auf.

11.30 Uhr: Nun beginnt der Mathe-Unterricht. Der Lehrer erklärt mit Kamera auf einer virtuellen Tafel die Mathe-Aufgaben. Im öffentlichen Chat können wir Fragen stellen. Dort kann jeder reinschreiben und jeder alles lesen – natürlich auch unser Lehrer.

Von manchen Lehrern bekommen wir nur Aufgaben zugeschickt. Dann ist es teils schwierig, dass man nicht direkt mit dem Lehrer kommunizieren kann, wenn man etwas nicht versteht. An meinem ersten digitalen Schultag war meine erste Stunde Deutsch. Mein Lehrer war an der Schule und hat dort die digitalen Möglichkeiten genutzt, demnach war der Unterricht gut. Schade finde ich, dass immer alle Kameras aus sind. Dadurch lässt man sich schneller ablenken, weil man nicht das Gefühl hat, am Unterricht teilnehmen zu müssen.

12.33 Uhr: Unser Lehrer beendet den Online-Unterricht und gibt uns für die restlichen 30 Minuten einen Arbeitsauftrag, um den Stoff der Stunde selbständig nochmal zu bearbeiten.

Normalerweise läuft es so, dass die Lehrer uns über Moodle Aufgaben schicken. Dort steht dann ein Abgabedatum. Wenn wir es bis dahin nicht einreichen, gibt es Punkteabzug. Auch Lehrer, die mit uns im virtuellen Klassenraum eine Stunde Unterricht machen, erwarten von uns zum Teil, dass wir zusätzlich gelöste Aufgaben auf Moodle hochladen. Das bringt uns zwar weiter, aber durch die vielen Aufgaben verliert man schnell den Überblick und man ist viel schneller als im Präsenzunterricht überfordert, da es eben nicht die direkte Kommunikation gibt und man alles alleine machen muss.

13 Uhr: Ich mache eine kurze Pause und lade ein paar Social-Media-Storys in meine Profile hoch.

13.30 Uhr: Ich fahre ins Altenheim, wo ich ein paar Stunden in der Woche arbeite und erhalte dort eine Impfaufklärung vom Arzt. Wenn alles gut läuft, bekomme ich meine Corona-Impfung in der letzten Januarwoche.

14.05 Uhr: Ich setze mich nun an die Hausaufgaben für das Fach Datenverarbeitung. Ich muss Aufgaben auf Excel bearbeiten.

14.50 Uhr: Ich trete dem Projektkompetenz-Unterricht bei. Die Lehrerin ist noch nicht da. Sie hat wohl Probleme, in den Kurs zu kommen. Nach ein paar Minuten erstellt sie einen neuen Kurs.

15.12 Uhr: Erst nach 20 Minuten haben es alle ins virtuelle Klassenzimmer geschafft. Wir müssen Aufgaben präsentieren. Es gibt aber technische Probleme und bei meiner Freundin müssen wir die Präsentation abbrechen, weil der Ton immer weg geht. Danach bin ich dran. Ich schaffe es mit meinem Handy aber nicht in den Online-Unterricht. Dort muss ich aber reinkommen, um meinen Laptop mit der Powerpoint-Präsentation zu filmen. Schlussendlich klappt es dann aber doch.

15.53 Uhr: Der Unterricht ist zu Ende.

15.55 Uhr: Ich versuche erneut für Datenverarbeitung die Excel-Tabelle zu erstellen, schaffe es aber nicht und schreibe meinem Lehrer.

Die sozialen Kontakte fehlen mir. In der Klasse zusammen zu lernen ist leichter und besser. Auch beim digitalen Unterricht gibt es Nachteile, zum Beispiel, dass die Audioqualität so schlecht ist, dass man fast nichts versteht. Das WLAN kann ausfallen oder wie am vergangenen Montag bricht Moodle zusammen. Das Homeschooling kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen.  

16.44 Uhr: Ich fange an, meine Deutsch-Hausaufgaben zu machen.

17.36 Uhr: Ich bin erstmal fertig mit dem Schulzeug und gehe zu meiner Familie und poste einen neuen Beitrag auf Social Media.

18.30 Uhr: Ich mache Sport, an diesem Tag digital vor dem Bildschirm. Seit elf Jahren mache ich Karate und seit fünfeinhalb Jahren nehme ich auch an Meisterschaften teil. Die aktuellen Regelungen lassen Profisport derzeit aber auch noch mit Trainer in einer Halle zu.

20 Uhr: Ich mache eine Pause, schreibe mit Freunden und bin auf meinen Social-Media-Seiten unterwegs.

21 bis 23.37 Uhr: Ich mache wieder etwas für die Schule, da ich viele Aufgaben bekommen habe. Ich versuche, die Mathe-Aufgaben so gut, wie es geht zu lösen. In Religion müssen wir einen Text lesen und Fragen dazu beantworten. Zuletzt bearbeite ich noch BWL-Aufgaben.

23.44 Uhr: Ich bin für heute mit den Schulaufgaben fertig und werde jetzt noch ein wenig ausruhen.