Bericht

Ein Referendar erzählt von seiner ersten Woche im Schuljahr 2020/21

Felicia Herr

Vor genau einer Woche hat das Schuljahr in Baden-Württemberg wieder begonnen– Hygienemaßnahmen inklusive. Für einen Freiburger Referendar war der Schulstart unter Corona-Bedingungen recht entspannt.

Kaum hatte Jonas* sein Referendariat im Februar am Seminar Freiburg begonnen, schon wurden die Schulen in Baden-Württemberg coronabedingt wieder geschlossen. Wichtige Unterrichtserfahrungen seitdem? Kaum. Allein schon deshalb sind viele Referendarinnen und Referendare froh, wieder an ihre Schulen und zum "normalen" Alltag zurück zu kehren. Jonas, der lieber anonym bleiben würde, erzählt von seinem problemlosen Start ins neue Schuljahr, weiß aber auch, dass die Situation für viele ganz anders aussah.

Jonas, wie lief die erste Schulwoche 2020/21?

Für mich sehr entspannt und normal. Es gibt eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände, allerdings nicht während des Unterrichts. Momentan ist das auch gut so. Eine Kommunikation mit halb verdecktem Gesicht und einer Behinderung unseres Sprechorgans finde ich eher schwierig.

Wie lässt es sich unter Coronabedingungen unterrichten?

Ganz normal. Ohne Masken und Abstandsregelung. Das einzig Nervige ist, dass wir alle Klassen der Unterstufe von der Pause abholen und in die Pause bringen müssen, damit sie die Laufwege einhalten. Aber ich denke, die Kinder sind alt genug, die Wege nach beispielsweise zwei Wochen Einüben selbstständig hinzubekommen. Wir Lehrer sind ohne Klassen nicht an Laufwege gebunden. Es gelten die Richtlinien des Kultusministeriums.

Welche Folgen hat Corona für dein Referendariat?

Wenn es genauso weiterläuft, hat dies erstmal keine Folgen für mein Referendariat. Ich kann ganz normal arbeiten. Sofern aber Präsenzunterricht ausfallen muss, wird es spannend. Welche Folgen auf den Unterricht dies dann hat, wird man sehen.
Vom Kultusministerium gab es außerdem den Entschluss, dass alle Referendare automatisch ohne wertenden Unterrichtsbesuch zum selbstständigen Unterricht zugelassen wurden. Wer aber freiwillig das Referendariat um ein halbes Jahr verlängern wollte, um mehr Praxiserfahrungen sammeln zu können, durfte dies ohne Nachteile tun. Zum jetzigen Stand finden alle Leistungserhebungen ganz normal statt, also die schriftliche Dokumentation einer Unterrichtseinheit, Lehrproben und Kolloquien.

Was bezüglich dieser anstehenden Prüfungen passiert, wenn man selber oder die eigenen Klassen in Quarantäne müssen, steht noch nicht fest. Dies wird dann vom Kultusministerium generell oder im Einzelfall entschieden. Eine Lehrprobenersatzprüfung, wie im vergangenen Jahr, ist momentan dann am wahrscheinlichsten.
* Name von der Redaktion geändert. Weil er manchen Corona-Regelungen an den baden-württembergischen Schulen durchaus kritisch gegenübersteht, sich aber noch in der Ausbildung zum Lehrer befindet, möchte Jonas lieber anonym bleiben.

Hintergrund zum Referendariat an Gymnasien in Baden-Württemberg

Unter "normalen" Bedingungen beginnt das Referendariat an Gymnasien im Januar jedes Jahres. Die Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Lehramtsstudium. Im ersten Halbjahr der insgesamt 18 Monate hospitieren die Referendarinnen und Referendare bei verschiedenen Lehrerinnen und Lehrern und halten selbst Unterrichtsabschnitte oder einzelne Stunden in verschiedenen Klassenstufen. Außerdem besuchen sie Vorbereitungsveranstaltungen an einem Seminar für Ausbildung und Fortbildung für Lehrkräfte, zum Beispiel in Freiburg.
Nach erfolgreichen Unterrichtsbesuchen übernehmen die Referendarinnen und Referendare im zweiten und dritten Halbjahr den eigenverantwortlichen Unterricht für einige Klassen. Parallel erhalten sie weitere Unterrichtsbesuche, legen mündliche Kolloquiums-Prüfungen über rechtliche, pädagogische und didaktische Themen ab und müssen eine ihrer Unterrichtseinheiten dokumentieren und reflektieren. Auch der Schulleiter schreibt eine Beurteilung. Lehrproben, also bewertete Unterrichtsstunden, zählen ebenso in die Note des zweiten Staatsexamens mit ein.