Liebe

Ein Liebesbrief an die Mensa Rempartstraße

Sarah Rondot

Die Mensa in der Freiburger Rempartstraße ist wieder geöffnet. Seit vergangener Woche geht dort Essen 1 und 2 über die Theke. fudder-Autorin Sarah Rondot hat die Mensa schrecklich vermisst und schreibt ihr einen Liebesbrief.

Liebste Mensa,

was habe ich nur ohne dich gemacht? Die letzten Wochen, ja Monate, sie hinterlassen einen bitteren Geschmack in meinem Mund. Beziehungsweise einen Geschmack nach Brot mit Humus und Tomaten, denn ohne dich ist bei mir nur Kaltes auf den Mittagstisch gekommen. Zugegeben, du hast mit deiner Abwesenheit öfters meine Kochkünste zum Abendessen angestoßen: Ich bin ein großer Gnocchi-Fan geworden, mit allen möglichen Soßen und sogar eine sommerliche Quiche habe ich getestet!


Doch keiner kann sich so kreative Rezepte ausdenken wie du, mit fast poetisch anmutenden Namen: "Gebackener marinierter Hirtenkäse in Pergament, warmer Gemüsesalat, dazu Fladenbrot" oder "Schlemmerfilet Bordelaise MSC, Weißweinsauce, Langkornreis und Beilagensalat". Schon beim Lesen dieser Gedichte läuft mir das Wasser im Mund zusammen!

Wer kann deiner Sojabolognese schon widerstehen?

Früher war der Klick auf deine Seite während der Vorlesung kaum zu vermeiden. Die frohen Botschaften des Gemüsechilis am Mittag wurden schnell zum Sitznachbar geflüstert. Jetzt ist deine Speisekarte meine süße Versuchung am Laptop zu Hause. Schnell mache ich einen Screenshot der "Sojabolognese" und verschicke ihn auf WhatsApp, wer wird da schon widerstehen können?

Aber keine Sorge, es ist nicht nur eine oberflächliche Liebe, die uns verbindet. Nicht nur wegen deines hervorragenden Essens komme ich zu dir, nein. Du bist der Ort, wo ich Freunde treffe, wo wir gemeinsam anstehen und die Klausurenphase für eine Stunde hinter uns lassen. An deinen Tischen verweilen wir im Sommer und lassen uns die warme Sonne ins Gesicht scheinen. Fast immer winkt irgendwer von einem anderen Tisch herüber und es ergibt sich ein sozialer Plausch. Ich wage zu behaupten, nicht die Hörsäle, sondern du bist das pulsierende Herz des Campus. Deswegen hat mir die Nachricht deiner geschlossenen Türen einen Stich versetzt. Nach einem Vormittag am Laptop, an dem ich über Zoom in verpixelte Gesichter schaute oder der Stimme der Professoren zu einer Power-Point-Präsentation lauschte, da hätte ich dich gebraucht. Ich las die Zeitung beim Mittagessen, ich war vielleicht informierter, aber einsamer.

Den Salzstreuer kann ich auch selbst mitbringen

Wie schön, dass du nun wieder da bist. Zwar mit beschränktem Angebot, aber das kann ich verstehen. Jetzt gibt es bei Essen 2 ein fleischhaltiges Gericht und an der Tagesgericht-Ausgabe läuft nur Vegetarisches über die Bänder. Hier bekommt man sogar Nachtisch, die Banane nehme ich mit nach Hause, so denke ich auch beim morgendlichen Müsli an dich. Sogar der schnelle Teller ist wieder da. Drinnen tragen wir Mundschutz, das Besteck hast du uns schon auf den Tellern vorbereitet, Salz-und Pfeffertütchen gibt es nicht. Doch diese kleine Schwäche deinerseits werde ich mit einem mitgebrachten Salzstreuer kompensieren, Weil Sommer ist und im Mensagarten keine Maskenpflicht herrscht, atmen wir erleichtert die Sommerluft ein. Ich schaue mich um und fühle mich gut aufgehoben. Hier gehöre ich hin, eine Studentin unter Studierenden in deinem Mensagarten.

Wir werden uns jetzt wieder öfter sehen,

deine Stammkundin