Projekt

Ein Kollektiv will in Freiburg einen queerfeministischen Sexshop eröffnen

Anika Maldacker

Ein Sexshop für alle: Das ist das Ziel von zehn Freiburgerinnen und Freiburgern. Sexspielzeug, Menstruationsartikel und auch Workshops soll es dort geben. Was noch fehlt, ist ein Raum.

Sie wollen einen Sexshop eröffnen, der nicht den gängigen Klischees entspricht: Das Freiburger Kollektiv "Erogene Zone". Sexpositiv und queerfeministisch soll ihr Laden werden, außerdem kollektivistisch geführt. Die zehnköpfige Gruppe plant und feilt schon seit Monaten an diesem Vorhaben. Seit Wochen sind sie in Freiburg auf der Suche nach passenden Räumen, in denen sie ihren etwas anderen Laden eröffnen können. Dafür sammeln sie über eine Crowdfunding-Kampagne Spenden.

"Wir wollen aufzeigen, dass es eine Vielfalt gibt, ob an Menstruationsartikeln, Spielarten von Sexualität oder Geschlechtern." Mareike Bergmann

Was soll ihren Laden von anderen Geschäften, die sich auf sexuelle Lust spezialisiert haben, unterscheiden? "Wir wollen alle Menschen ansprechen, vor allem jene, die sich in den bestehenden Sexshops nicht repräsentiert fühlen", sagt Pe Rehberg, die Teil des Kollektivs ist. Ihr Geschäft soll möglichst diskriminierungsfrei sein und weg vom klassischen Mann-Frau-Schema gehen. "Jeder soll etwas für seine Bedürfnisse finden können", sagt Pe. Neben klassischen Lustspielzeugen wie Vibratoren will das Kollektiv auch Literatur rund um die Themen Sexualität und Körper anbieten. Außerdem Alltags-Utensilien für transsexuelle Menschen, wie Packer, also Silikon-Penisse, die dazu benutzt werden können, um ein männliches Geschlechtsteil zu simulieren. Oder Brustbinder, mit denen die Brust abgebunden werden kann. "Uns ist es auch wichtig, dass Interessierte die Produkte bei uns anfassen können, um ein Gefühl dafür zu bekommen", sagt Pe.

Auch Workshops sind geplant

Auch Safer-Sex-Produkte wie Kondome und Lecktücher will das Kollektiv im Laden anbieten, sowie verschiedene nachhaltige Menstruationsprodukte – von der Menstruationstasse bis zur Periodenunterwäsche. "Wir wollen aufzeigen, dass es eine Vielfalt gibt, ob an Menstruationsartikeln, Spielarten von Sexualität oder Geschlechtern", sagt Mareike Bergmann, die ebenfalls zum Kollektiv gehört. "Viele sind mit dem Bild aufgewachsen, dass ein Tampon der Standard ist – und wenn man den nicht nutzen kann, ist man nicht normal. Diese und viele andere normative Vorstellungen wollen wir aufbrechen."

Doch das Kollektiv, das aus einer bunten Mischung größtenteils weiblicher Freiburgerinnen besteht, träumt von mehr als einem Laden. "Wir wollen nicht nur Produkte verkaufen, sondern auch Workshops und Vorträge rund um die Themen Sexualität und Körper anbieten", sagt Mareike Bergmann. Auch andere Gruppen oder Expertinnen und Experten sollen dort Veranstaltungen abhalten können.

Die Crowdfunding-Kampagne läuft seit Weihnachten. Bisher hat das Kollektiv mehr als 4300 Euro eingenommen. "Das Mindestziel von 3000 Euro ist erreicht", sagt Mareike Bergmann. Je mehr Geld bis Ende Februar zusammenkomme, desto besser. Das Budget solle für die erste Produktpalette, den Aufbau eines Online-Shops und später für die ersten Mietzahlungen genutzt werden. Zunächst wollen die zehn Kollektiv-Mitglieder, die teils berufstätig sind, teils nicht, jedoch unentgeltlich für ihr Projekt arbeiten.

Es gibt einige verwandte Ideen und Kollektive

Ihr Vorhaben wandert schon seit Monaten durch die Blase der sozialen Medien mit Freiburger Bezug. Mit ihrem in Planung befindlichen, queerfeministischen Sexshops sind sie Teil einer Bewegung, die auch in Freiburg sichtbar geworden ist. Dahinter stecken Menschen, denen Themen wie Feminismus und Queerness wichtig sind und die körperpositiv denken. Gruppen wie das feministische Porno-Start-up "Feuerzeug" oder das Kollektiv "Vulvaversity", das zwei Jahre in Folge einen Vulva-Abreißkalender veröffentlicht hat, haben zumindest verwandte Ideen vorangetrieben – und verkauft. Auch deutschlandweit gibt es Sexshops mit ähnlichem Konzept wie das Freiburger Kollektiv von "Erogene Zone". "Wir sind mit feministischen Sexshops in Hamburg, Leipzig und Berlin vernetzt", sagt Mareike. Mit einer Münchner Gruppe, die ebenso noch am Anfang steht, sind die Freiburger ebenso in Kontakt.

Aber auch in der analogen Welt hat sich das Kollektiv schon einen Namen gemacht. Bei der Indie-Porn-Night des Aka-Filmclubs im November hat die Gruppe ihre sogenannte Fühlbox aufgestellt. Dort konnte man verschiedene Sextoys blind ertasten. Auch erste Workshops, zum Teil von Kooperationspartnerinnen, sind im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne im laufe des Jahres geplant. Was jetzt noch fehlt, ist ein Raum, in dem die Gruppe starten kann.