Theater

Ein Freiburger Verein verarbeitet die Pandemie in einem Tanz

Jennifer Fuchs

Ein Tanzfilm für die Impfungen: Im Freiburger Impfzentrum läuft ein Film des Vereins Interkulturelles Theater Freiburg. Dort tanzen Menschen die Einsamkeit auf einer menschenleeren Kajo weg.

Seit einiger Zeit läuft im Impfzentrum Freiburg der künstlerische Tanzfilm "CoroNAH tanzen - ja tanzen" vom Verein Interkulturelles Theater Freiburg. Allerdings bislang ohne Ton. Doch seit wenigen Tagen gibt es den Kurzfilm, der im Greenscreen Verfahren gedreht wurde, auch online. Nun mit Musik, die eigens für das Projekt von dem Freiburger Musiker Jonas Menz komponiert wurde. Auffallend im Film sind die neun nichtprofessionellen Tänzerinnen und Tänzer aus fünf verschiedenen Nationen und in gemischten Altersklassen. Sie wurden jeweils in drei Tanzgruppen aufgeteilt.

Passend zur Filmmusik werden sie nach und nach eingeblendet. Im Hintergrund sieht man den Freiburger Bertoldsbrunnen in der leeren Fußgängerzone während des Lockdowns. Gekleidet sind die drei Tanzgruppen jeweils komplett in gelb, blau und rot. Sanft bewegen sie sich zu den Klavierklängen und tanzen mit Masken auf der menschenleeren Kaiser-Joseph-Straße.

CoroNah tanzen – ja tanzen



Gefördert wurde das Kunstprojekt zum großen Teil vom Fonds Soziokultur in Bonn und von privaten Spenden. In Zeiten der Pandemie müssen Theater und Kulturveranstalterinnen und -veranstalter erfinderisch werden. So auch das Interkulturelle Theater Freiburg. Schließlich ist eine normale Tanzaufführung auf der Bühne aktuell immer noch nicht möglich. Also entschloss der Verein sich im Herbst vergangenen Jahres dazu einen künstlerischen Tanzfilm zu drehen und so die Idee digital durchzuführen. Gefilmt wurde unter strengen Hygienemaßnahmen mit einer Greenscreenwand, also ein komplett grüner Hintergrund, vor dem sich die Tänzerinnen und Tänzer davor nach Regieanleitung bewegten. Später in der Postproduktion wurde ein aktuelles Foto der Freiburger Fußgängerzone als Hintergrundbild eingesetzt.

Ursprünglich sollte der fertige Film in den winterlichen Abendstunden auf der Fassade des Geschäfts "Kaiser" in der Fußgängerzone gezeigt werden. Doch dann kam der zweite Lockdown dazwischen. Die meisten Einzelhandelsgeschäfte mussten schließen und so fehlte auch das öffentliche Publikum für das Tanzprojekt. "Eigentlich haben wir uns gewünscht, dass viele Passanten den Film sehen und sich daran erfreuen. Das Ausbalancieren unseres Bedürfnisses nach Nähe und die zur Vermeidung einer Ansteckung erforderliche Distanz ist schließlich ein Thema, das uns alle bewegt. Genau das wollten wir in dem Film vermitteln", sagt Ulla Maria Tripp, Ideengeberin des Projekts. Um den Kurzfilm trotzdem der Öffentlichkeit vorzustellen ergab sich die Möglichkeit ihn täglich, allerdings tonlos, auf einem Monitor im Impfzentrum Freiburg zu präsentieren. Nun ist das Filmprojekt auch mit Ton online und kann sowohl auf Youtube, wie auch auf der Website des Interkulturellen Theaters Freiburg aufgerufen werden.
  • Interkulturelles Theater Freiburg: Web

Info:
Seit 2001 gibt es das Interkulturelle Theater Freiburg mit verschiedenen künstlerischen Projekten. Zunächst vor allem für Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. 2012 wurde aus dem Theaterprojekt ein Verein gegründet und die Initiative zu mehr Altersklassen ausgebaut. Zusätzlich gibt es seit 2018 dort noch ein Frauentheater.