Scriptbakery

Ein Freiburger Start-Up sucht mithilfe einer KI den nächsten Bestseller

Stefan Mertlik

Das Freiburger Start-Up Scriptbakery hat eine künstliche Intelligenz entwickelt, die Emotionen in Texten erkennt. Nun soll die Software Verlage beim Suchen potentieller Bestseller helfen. Wie das funktioniert, haben die Entwickler fudder erklärt.

Einen Bestseller zu finden, ist keine einfache Sache: "Bevor ein Verlag Harry Potter entdeckt hat, wurde das Buch sehr oft abgelehnt", sagt Tony Franzky, leitender Entwickler von Scriptbakery. Das lag nicht an der Qualität des Manuskripts, sondern an der fehlenden Zeit der Lektorinnen und Lektoren. Täglich landen unzählige Texte bei den Verlagen, doch kaum ein Unternehmen kann diese Flut stemmen, so Franzky.


Damit potenzielle Bestseller nicht in der Schublade verstauben, haben Tüftler des Freiburger Buchverlags kladde die Software Scriptbakery entwickelt. Mittels einer künstlichen Intelligenz (KI) filtert sie für den jeweiligen Verlag passende Manuskripte heraus. Dabei scannt das Programm einen Text auf bestimmte sprachliche Faktoren. Einfach gesagt: Ein Krimi enthält vermehrt Worte wie Täter, Mörder und Polizei. Fantasy-Romane nutzen hingegen Begriffe wie Schwert, Drache und Burg. Dadurch kann ein Verlag schon im Vorfeld unpassende Literatur aussortieren. Die Trefferquote liege bei 90 Prozent, so Franzky.
Was ist künstliche Intelligenz?
Künstliche Intelligenz überträgt menschliches Lernen und Denken auf den Computer. So kann eine KI eigenständig Probleme lösen, ohne dafür extra programmiert zu werden. "Künstliche Intelligenzen haben das Problem, dass sie irgendwann zu viel gelernt haben", sagt Tony Franzky von Scriptbakery. KIs müssen daher immer wieder angepasst werden, damit sie ihre eigentliche Aufgabe nicht aus den Augen verlieren

Scriptbakery durchleuchtet einen Text aber nicht nur auf einzelne Begriffe, sondern stellt auch Zusammenhänge her. Kommt das Wort "Beerdigung" vor, sucht die cloud-basierte Software weitere dazu passende Begriffe. Findet das Programm in diesem Zusammenhang auch "Friedhof" und "Trauergäste", schließt es auf eine betrübte Grundstimmung.
Biografien, die alle Höhen und Tiefen des Lebens enthalten, erkennt die Software ebenfalls. Die Ich-Perspektive und ständig wechselnde Nebenfiguren wären beispielsweise Anhaltspunkte.

Anhand des Schreibstils erfasst das Programm zudem, ob sich ein Buch an Kinder oder Erwachsene richtet. "Seine Hand den Handlauf entlang gleitend, schritt er nach unten", nennt Franzky ein Textbeispiel, das so vermutlich in keinem Kinderbuch vorkommt.

"Verlegen ist keine rationale Entscheidung, sondern ein Bauchgefühl" Patrick Kaiser
"Scriptbakery ist eine Assistenz-Software, die den Lektoren mehr Zeit geben soll, um sich intensiver mit den richtigen Büchern zu beschäftigen", beschreibt Franzky die Idee. Mithilfe der Software sei schnelleres und besseres Feedback möglich. Auch das Weiterreichen an einen anderen Verlag begünstigt Scriptbakery, so Franzky. Das helfe nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Autorinnen und Autoren, die eine fairere Chance erhalten.

Die Verlagsbranche gilt als traditionell. Digitalisierung und Automatisierung konnten sich noch nicht durchsetzen. "Die Lektoren haben Angst, dass ihr Job durch eine KI wegrationalisiert wird", sagt Patrick Kaiser, Organisator und stellvertretender Chef bei Scriptbakery. Bei dem jetzigen Stand der Technik müsse sich aber niemand sorgen. "Verlegen ist keine rationale Entscheidung, sondern ein Bauchgefühl", sagt Kaiser. "Am Ende werden menschliche Entscheidungen getroffen."

Im Frühjahr 2019 begann die Entwicklung als Einzellösung für den Herder Verlag. Zehn Mitarbeiter beschäftigen sich mittlerweile mit dem Programm, das Mitte August offiziell auf den Markt kommt. Das Land Baden-Württemberg hat Scriptbakery im Rahmen von "Start-Up BW Pre-Seed" mit 200.000 Euro gefördert.
Mehr zum Thema:
  • Scriptbakery-Blog: Blog