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Ein Freiburger ist Influencer für Landwirtschaft

Achim Fehrenbach

Unter dem Namen "Agrar Freiburg" ist der Freiburger Johnny Graf als Influencer in den Sozialen Medien aktiv. Dort zeigt er Videos von landwirtschaftlichen Betrieben – und Bilder aus einem Computerspiel. Im Interview hat er von seiner Leidenschaft erzählt.

fudder: Johnny, kommst du selbst aus einer Landwirtschaftsfamilie?

Johnny Graf: Gar nicht, nein. Mein Opa hatte früher ein paar Reben, aber das habe ich gar nicht miterlebt. Mein Interesse für Landwirtschaft ist in der Kindheit entstanden, weil ich auf dem Dorf wohne. Ich durfte auf dem Traktor oder Mähdrescher mitfahren, das fand ich einfach richtig cool. Und deshalb interessiere ich mich sehr für die Landwirtschaft.

Du studierst Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim. Willst du selbst Landwirt werden?

Landwirt wird man mit dem Studium nicht unbedingt, dafür würde man eher eine Ausbildung machen. Oder man kommt bereits aus einem Landwirtschaftsbetrieb, den man dann weiterführt. Das Studium der Agrarwissenschaften ist sehr breit aufgestellt. Ich kann zum Beispiel den Schwerpunkt auf Traktortechnik setzen – oder auf die wirtschaftlichen Aspekte der Landwirtschaft. Ich kann mich auch auf Düngemittel, Pflanzenschutz oder Pflanzenzüchtung spezialisieren, also in die Forschung gehen. Mich persönlich interessiert besonders der Gemüseanbau, speziell der von Spargel. Vielleicht gehe ich deshalb in die Beratung von landwirtschaftlichen Betrieben, zum Beispiel bei der Schädlingsbekämpfung oder bei den Veränderungen, die der Klimawandel bringt.

Was fasziniert dich so sehr am Computerspiel "Landwirtschafts-Simulator"?

Dass man jederzeit die Möglichkeit hat, diverse Maschinen und Geräte zu steuern – und zu sehen, wie sie funktionieren. Das gestaltet sich in der realen Landwirtschaft etwas anders. Hier in der Gegend kann man nicht einfach mit dem leistungsstärksten Mähdrescher eine schnelle Spritztour machen oder im Wald jeden x-beliebigen Baum fällen, wenn man gerade Lust darauf hat (lacht).

Wie sieht bei dir eine typische Spiel-Session aus?

Das hängt davon ab, worauf ich gerade Lust habe. Zum Beispiel interessieren mich Modifikationen, sogenannte Mods, die von Spieler:innen selbst erstellt werden. Dazu gehören Skripte, also Programm-Codes, die das Spiel noch realistischer machen. Oder auch neue Landwirtschaftsgeräte, beispielsweise Traktoren oder Mähdrescher. Wenn es da etwas Neues gibt, probiere ich das aus. Ich kenne mich selbst auch ein bisschen mit Modding (Modding bedeutet soviel wie Modifizieren oder Verändern, Anm. d. Red.) aus und bearbeite die Maschinen so, dass sie mir noch besser gefallen.

Zum Beispiel wie?

Ich gebe einem Traktor ein Freiburger Nummernschild, ändere seine Farbe oder baue Antennen aufs Dach, also kleine Details. Für meinen Instagram-Channel mit derzeit rund 17.000 Followern habe ich einen eigenen Schriftzug, den ich auch auch auf den Traktoren anbringe. Mein Ziel ist, noch mehr Follower für meine Instagram-Seite zu gewinnen. Da muss ich schauen, dass ich mich irgendwie von anderen Instagram-Kanälen abhebe, dass ich etwas Besonderes biete. Das gelingt mir durch den größeren Realismusgrad.

Warum ist Modifizieren für das Spiel so wichtig?

Früher gab es im Spiel nur wenige Traktormarken. Und manche Leute wollen im Spiel eben eine ganz bestimmte Traktormarke haben, die sie besonders toll finden. Bei Landwirten ist es meistens so, dass sie die Marke ihres eigenen Traktors am besten finden (lacht).

Wenn es die noch nicht gibt, ist es schon sehr hilfreich, wenn ein sogenannter Modder sie ins Spiel einbaut. Generell sind Modder für die Weiterentwicklung des Spiels sehr wichtig. Hätte es sie nicht gegeben, dann wäre das Spiel wohl nicht so populär geworden. Modder programmieren auch Skripte, um das Fahrverhalten realistischer zu machen – zum Beispiel bleibt man dann mit dem Traktor leichter im Acker stecken. Es gab auch schon einen "Seasons"-Modus, der neue Jahreszeiten hinzugefügt hat – wo sich dann die Lichtverhältnisse ändern, Schnee fällt oder die Bäume rote Blätter bekommen.


Auf deinem Youtube-Kanal zeigst du vor allem Videos von echten Landwirtschaftsbetrieben ...

Genau. Der Youtube-Kanal ist für die hiesigen Landwirte, die sich vielleicht nicht so sehr für den "Landwirtschafts-Simulator" interessieren. Auf Instagram mische ich aber reale Fotos und Screenshots aus dem Spiel.

Wie läuft das mit deinen Video-Drehs genau ab?

Ich bin gerne draußen unterwegs. Für meine Ausflüge packe ich den Rucksack mit Kamera und Drohne und fahre dann einfach mit dem Fahrrad durch die Gegend, zum Beispiel in Richtung Bad Krozingen. Wenn ich irgendwo etwas sehe, das mich interessiert, dann schaue ich mir das an und frage, ob ich filmen darf. Wobei die Leute mittlerweile schon von sich aus auf fragen, ob ich ein Video für sie drehen kann – weil sie meinen Youtube-Kanal kennen und gut finden.



Bekommst du für die Filme Geld?

Noch nicht. Aber ich habe zum Beispiel in einem Betrieb das Spargelsetzen gefilmt und bei denen auch ein Praktikum gemacht. Als Honorar habe ich dann Erdbeeren und Spargel bekommen.

Lernt man im "Landwirtschafts-Simulator" eigentlich etwas für den eigentlichen Beruf? Oder auch umgekehrt?

Als ich mit dem Spielen anfing, war ich 15 Jahre alt. Da hatte ich noch nicht wirklich Ahnung von der Landwirtschaft. Durch den Simulator habe ich schon einiges dazugelernt. Das Spiel wird auch immer realistischer, deshalb kann man immer mehr dazulernen. Im Spiel wird auch genau erklärt, wie alles funktioniert.

Der "Landwirtschafts-Simulator" verkauft sich in Deutschland millionenfach. Aber warum ist das Spiel eigentlich bei Landwirten so beliebt? Die arbeiten doch schon den ganzen Tag in dem Bereich.

Für viele ist die Landwirtschaft einfach eine Leidenschaft. Sie spielen gerne nach der Arbeit, um runterzukommen und zu entspannen. Man kann ihn auch online mit Freunden spielen und dabei chatten. Außerdem verfügen nicht alle Freiburger Landwirte in ihrem Beruf über die neueste Technik, zum Beispiel neue Traktoren. Im Spiel können sie das aber alles ausprobieren, ohne Einschränkung.