Ein Freiburger bloggt aus Iowa: 5 Antworten von Django

Martin Jost

Wie ist es in den USA? Und wie studiert sich's dort? Der Freiburger Django studiert für ein Jahr an der University of Iowa und lässt die ganze Welt daran teilhaben - er schreibt nämlich online Tagebuch darüber. In seinem Blog "Django in Iowa" kann jeder nachlesen, wie sich das amerikanische Abenteuer anfühlt. Und wie das amerikanische Essen schmeckt.



Wie sind die USA?

Amerika ist nah dran an den Vorstellungen, die ich mir gemacht habe. Manche Klischees habe ich bestätigt gefunden: Das Essen ist ungesund. Manche Kommilitonen wissen wenig über das Weltgeschehen.

Europäer belächeln gern, dass so viele Amerikaner nie im Ausland waren. Aber es ist gar nicht so leicht, aus dem Land raus zu kommen: Man muss hier gewesen sein, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie groß es ist. Ich bräuchte zum Beispiel vier Autostunden in den nächsten Bundesstaat und bin drei Tage von der Ostküste entfernt.

Ich habe natürlich auch hervorragend informierte Leute kennen gelernt, die sich Stereotypen bewusst widersetzen. Und 85 der 100 weltbesten Unis sind in den USA, dafür steht dieses Bildungssystem also auch.

Verblüfft hat mich, dass zum Beispiel der von der Uni gestellte öffentliche Nahverkehr komplett gratis ist.

Wie studiert es sich an der University of Iowa?

Die Leute hier zahlen unglaublich viel Geld fürs College, wobei die Stipendienstruktur stärker ist. Zum Glück ist es aber Bestandteil der Universitätspartnerschaft zwischen Freiburg und Iowa, dass man den Austauschstudenten die Gebühren jeweils erlässt. Das heißt, Freiburg erlässt den Amerikanern rund 600 Euro, Iowa den Freiburgern etwa 11.000 Dollar im Semester.   Das, ein kleines Stipendium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und Mama und Papa erlauben mir, dass ich keinen Job brauche. Ich habe 13 Wochenstunden Veranstaltungen und lese noch etwa 30 Stunden die Woche.

An angloamerikanischen Universitäten muss man für die Seminarvorbereitung mehr lesen als zu Hause. Dafür stammen die Texte ganz oft aus einem Lehrbuch, woraus eine gewisse Bequemlichkeit der Dozenten spricht.



Lohnt sich so ein Auslandsjahr?

Ich studiere Englisch, Politik und Geschichte auf Lehramt, weil ich die Möglichkeit haben will, Lehrer zu werden. Meine Hoffnung, zu lernen, mich in Englisch besser auszudrücken, hat sich auf jeden Fall erfüllt.

Politik und Geschichte aus amerikanischer Perspektive kennen zu lernen, ist sehr aufschlussreich. Zum Beispiel habe ich durch einen Kurs zum ersten Mal ein Verständnis dafür, warum die amerikanische Außenpolitik ein Bild von Russland als Gegenpol hat. Und die Perspektive auf die jüngere deutsche Geschichte gefällt mir aus akademischer Sicht ganz gut.

Warum hast du deinen Aufenthalt gebloggt?

Ich wollte einerseits Familie und Freunde über meine Erlebnisse auf dem Laufenden halten, aber andererseits niemanden mit Rundmails zuspammen. Ich will den Leuten nicht unter die Nase reiben, was ich mache, sondern schreibe nach dem Prinzip „take it or leave it“. Bei den Lesern habe ich an den engeren und weiteren Freundeskreis gedacht. Deswegen schreibe ich nichts zu Persönliches, sondern einerseits Erlebnisse, die ich auch Bekannten in der Mensa erzählen würde, und andererseits pointiert über meine Beobachtungen – was mir hier sozusagen aus anthropologischer Sicht auffällt.

Circa 70 Leute lesen regelmäßig mein Blog. Ein Publikum zu haben, baut natürlich das Ego ein bisschen auf. Und ich freue mich schon darauf, alles selbst am Ende dieses Jahres noch einmal durchzulesen.

Wirst du weiter schreiben, wenn du zurück in Freiburg bist?

Wenn, dann würde ich am ehesten über politische Themen schreiben. Aber die Frage ist, ob die Welt noch eine rote Socke braucht, die ihre Meinung in die Welt posaunt. Da müsste ich erst mal etwas finden, was ich besonders gut kann.

Vorher habe ich etwas in dieser Art auch noch nicht geschrieben. Es war reiner Pragmatismus, dass ich überhaupt angefangen habe, weil ich nicht mit vielen Leuten e-mailen wollte. Ich merke schon, dass mir das Schreiben Spaß macht, was ich nicht gedacht hätte. Mit Deutschaufsätzen in der Schule war das noch nicht so.

Jetzt lesen mein Blog ein paar Leute mehr, als ich gedacht hätte, und das Feedback, das ich bekomme, treibt mich an. Gleichzeitig habe ich angefangen, mit offeneren Augen durch die Straßen zu gehen, um Dinge zu finden, über die sich gut schreiben lässt.

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  [Bild 1: Fotolia; alle anderen Bilder: Privat]