Engagement

Ein Freiburger besorgt Schnelltests und spendet den Erlös

Peter Disch

Der Freiburger Jörn Schinzler hat im ersten Quartal 100.000 Schnelltests beschafft. Den Erlös – bisher 60.000 Euro – spendet er an ein Wohnprojekt für junge Erwachsene mit Behinderungen.

Eigentlich leitet Jörn Schinzler den ambulanten Pflegedienst "Ich und Du". Als am 26. Dezember die Testpflicht für seine Branche kam, fing er an, selbst Kits für die 22-köpfige Belegschaft zu besorgen. Mittlerweile investiert er ein Drittel seiner Arbeitszeit in die Beschaffung, beliefert größere Pflegeorganisationen und ein Testzentrum. Den Erlös spendet er. Im ersten Quartal kamen so 60.000 Euro zusammen. Das Geld geht an die Janusz-Korczak-Schule, die ein Wohnprojekt für mehrfach schwerstbehinderte junge Erwachsene aufbaut.

Auf dem Schnelltest-Markt herrscen raue Sitten

"Ich bin da so reingerutscht", sagt der 48-Jährige: "Das hat sich schnell herumgesprochen und ist zum Selbstläufer geworden." Das Ganze wickelt er über seine eigene Consulting GmbH ab, die zuletzt ruhte und die er reaktiviert hat. Die Tests bezieht er über einen Generalimporteur, der die Ware in China besorgt. Auf dem Markt herrschen raue Sitten. So kommt es schon mal vor, dass ein großer Fisch einem kleineren eine millionenschwere, schon bezahlte Lieferung wegschnappt, erzählt Schinzler. Sein Geschäftspartner aber sei verlässlich und habe immer "genug auf Lager".

Dank seiner Kontakte hat er schon der Stadt Freiburg aus der Patsche geholfen. Als er vorvergangenen Donnerstag in der Badischen Zeitung las, dass es der Stadt an Schnelltests fehlt, um, wie geplant, Schulen und Kindertagesstätten zu versorgen, bot er seine Hilfe an: "Ich konnte die benötigten 10 000 Laientests sichern und eine Lieferung für den nächsten Montag per Kurier zum Amt für Brand- und Katastrophenschutz organisieren."

Das war bisher die kürzeste Lieferzeit. So schnell geht es aber nicht immer. "Auf beiden Seiten" – Anbieter und Abnehmer – "ist die Lage total turbulent. Und wenn dann noch jeden Tag was Neues entschieden wird...", sagt Schinzler, angesprochen auf die vergangene Woche ad hoc verfügte grundsätzliche Testpflicht an Schulen. "Logistik und Verteilung sind auf Landesebene noch nicht ausreichend geklärt", urteilt der Praktiker: "Natürlich kann nicht jede kleine Gemeinde selbst aktiv werden", aber ab einer gewissen Größe sei eine eigene Beschaffung in Zusammenarbeit mit Leuten wie ihm flexibler und unbürokratischer. Voraussetzung wäre ein klar definierter Rahmen – zum Beispiel Preisobergrenzen – in dem sich Test-Makler dann frei bewegten könnten.

60.000 Euro für das Wohngruppenprojekt der Janusz-Korczak-Schule

Geld will Schinzler mit seiner Dienstleistung nicht verdienen. Den Ertrag reicht er an die Janusz-Korczak-Schule weiter. Er hat selbst einen Sohn, der das sonderpädagogische Bildungszentrum besucht. Und das hat Großes vor. Im früheren Hotel Helene in Haslach sollen nach einem Umbau mehrfach schwerstbehinderte junge Erwachsene in Wohngruppen leben können. Der 1971 gegründete Verein Korczak-Haus Freiburg ist seit dem 1. März Eigentümer der Immobilie und will für das Projekt Spenden, Fördermittel und Zuschüsse in Höhe von einer Million Euro akquirieren.

Da sind die 60.000 Euro, die Schinzler mit bisher 100.000 abgesetzten Tests erlöst hat, ein Wort. Mehr soll folgen. "Ich würde gerne eine Benefizaktion daraus machen", sagt er. Derzeit spricht er mit Rotaract, der Jugendorganisation der sich für gesellschaftliche Belange engagierenden Rotarier, über eine Arbeitsteilung. Der Plan: "Ich besorge die Tests. Sie verkaufen die dann." Die harte und zehrende Corona-Zeit, das zeigt dieses Engagement, bringt ab und an auch Gutes hervor.

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