Literatur

Ein Freiburg-Krimi – schärfer als ein Playboy-Heft

Simone Lutz

Der neue Freiburg-Krimi mit Jean-Marie Hämmerle spielt in der Playboy-Bar im Sedanquartier – zum 850-Jahr-Jubiläum 1970. Das sagenumwobene Rotlichtetablissement wird darin zum Tatort.

Freiburg hat ja einen eigenen Hobby-Detektiv: Jean-Marie Hämmerle. Seit inzwischen 25 Jahren schreiben Renate Heyberger und Udo Marquardt zum Spaß Krimis über den Wiehremer Taxifahrer - immerhin so erfolgreich, dass nun im Sternwald-Verlag der 14. Fall, "Ritterspiele und Randale", erschienen ist.

Im Freiburger Jubiläumsjahr gibt's dazu einen Bonus: Der Hamburger Jörg Schöning, der als Filmredakteur unter anderem für den Spiegel arbeitet, ist bekennender Hämmerle-Fan und hat einfach selbst eine Folge verfasst: "Die Tote aus der Playboy-Bar". Darin schickt er Hämmerle auf eine Zeitreise in den Juni 1970, zur Festwoche des 850. Stadtjubiläums.

Ein Hauch von Verruchtheit im spießigen Freiburg

Heyberger, Marquardt und Schöning stellten die Jubiläums- und die neue Ausgabe am Samstag bei einer liebevoll-selbstironischen Lesung im Kommunalen Kino vor. Das Freiburger Autorenduo sprach über die Arbeit ("einer schreibt, einer quasselt"), der Hamburger Sidekick über die Recherchen zum Swimmingpool in der Playboy-Bar, die einst an der Moltkestraße residierte und im spießigen Freiburg einen Hauch von Weltläufigkeit und Verruchtheit verbreitete. Und sie servierten dem giggelnden Publikum gleich noch drei zeithistorische Schmankerl: den Werbetrailer zum Kinofilm "Gina Wildkatze", in dem die Besitzerin der Playboy-Bar damals die Hauptrolle spielte (in einer Nebenrolle: der damalige OB Eugen Keidel – kein Witz!) sowie einen historischen Freiburger Film-Schnipsel und eine Doku über die 850-Jahr-Feier – ein filmisches Werk von eckiger Uneleganz mit endlosen Aufmärschen und Huldigungen des damaligen Stadtoberhauptes. Den Jubiläumskrimi und Hämmerles neuesten Fall gibt es ab sofort in den Buchhandlungen.