Gemeinsam arbeiten

Neuer Co-Working-Space im Stühlinger möchte vor allem an Kulturschaffende vermieten

Gina Kutkat

Im Klinikviertel in Freiburg-Stühlinger hat ein neuer Co-Working-Standort eröffnet, der die Kulturszene stärken will. Kulturschaffende können dort günstiger einen Arbeitsplatz mieten.

Ein Ort, an dem früher viele Konzerte und Kunstausstellungen geplant und realisiert wurden, atmet kreativ weiter: Im Stühlinger hat jetzt ein Co-Working-Space eröffnet. Insbesondere Kulturschaffende können hier einen festen Arbeitsplatz zu Sonderkonditionen mieten.

Zwei große Schaufenster eröffnen den Blick auf das große Gemeinschaftsbüro, in dem sechs Arbeitstische auf ihren Einsatz warten. Ein weiterer Büroraum mit drei Plätzen, ein Meetingraum, eine Videocall-Kammer und eine kleine Kaffeeküche vervollständigen das mietbare Büro im Stühlinger. Der neue Co-Working-Space befindet sich im Vorderhaus der ehemaligen "Kommode 1" an der Büggenreuterstraße. "Wir möchten den Spirit, den die Kommode 1 hier versprüht hat, gerne weiterleben", sagt Sophia Maier. Sie ist Projektleiterin von "Co-Working Stühlinger" und hat die Räumlichkeiten von der "Kommode 1" übernommen.



Das Kollektiv, das bis vor ein paar Jahren in Freiburg vor allem Konzerte organisierte, ist zwar Geschichte. Doch Sophia Maier und ihr Team haben nicht nur die ursprüngliche Idee, Kultur zu fördern, übernommen – sondern auch noch ein paar Freiburger Bands. "Schneider, Between Owls und Havarist feilen hinten im gut gedämmten Proberaum an ihren Liedern", sagt sie.

Die Idee, die rund 65 Quadratmeter in eine WG aus Arbeitsplätzen zu verwandeln, entstand im Zuge der Corona-Pandemie. "Eigentlich wollten wir den Raum mieten, um Lesungen und weitere Kulturprojekte zu verwirklichen", sagt Maier: "Dann zog ich mit meinem Home-Office-Arbeitsplatz hierher und wurde von Freunden oft darauf angesprochen, was das für eine tolle Atmosphäre ist."

Im Oktober 2021 entstand der Gedanke, einen Co-Working-Space für Kreative zu schaffen, an dem Konzepte für Freiburgs Kulturszene entwickelt werden. "Kulturschaffende hat die Corona-Pandemie besonders hart getroffen", so Maier. "Ein kreatives Umfeld ist jetzt umso wichtiger, nur so potenzieren sich kreative Ideen." Deswegen werden Fotografinnen, Grafik-Designer und andere Kreative mit einem Sondertarif belohnt. Für einen Schreibtisch kann sich aber jeder oder jede bewerben: Co-Working Stühlinger bietet ausschließlich Fix-Desks an, also feste Schreibtische, an denen man seine Sachen stehen lassen kann. Ein Platz kostet 200 Euro im Monat, wenn man ihn für zwölf Monate mietet, und 260 Euro für einen Monat Mietzeit.
"Ein kreatives Umfeld ist jetzt umso wichtiger, nur so potenzieren sich kreative Ideen." Sophia Maier
Das neue Gemeinschaftsbüro, in das man ab sofort einziehen kann, ist modern ausgestattet: Es gibt schnelles und zuverlässiges Internet, Whiteboards, Drucker, Kopierer, eine Halbautomatik-Kolbenmaschine – und Flexibilität, was die Arbeitszeiten angeht: Mit einem Schlüssel hat jeder Mieter 24 Stunden Zugang. Die höhenverstellbaren Schreibtische hat das Co-Working-Team gebraucht gekauft, die Wände in nächtlichen Aktionen tapeziert und gestrichen, ein Badewannen-Bad zur Kaffeeküche umgebaut. Auch alternative Arbeitsformen und die Work-Life-Balance werden gefördert. Wer nur halbtags arbeiten will, teilt sich den Schreibtisch mit einer anderen Person. "Wir versuchen zu vermitteln und matchen die Leute miteinander," sagt Sophia Maier. Hauptberuflich arbeitet die studierte Islamwissenschaftlerin für den Verein "Zusammen Leben", den sie 2015 mit aufbaute. Zwischenzeitlich war sie auch Projektleiterin der Root Factory, einem Förderprogramm des Grünhofs für Geflüchtete, die ein Unternehmen gründen wollten.

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