Ein Abend wider den Blackmail- sind- arrogant- Geschichten

Carolin Buchheim

Fast jeder, der ein bisschen auf Rock- und Indiemucke aus Deutschland steht, hat schon mal Geschichten der Art 'Oh, je, Blackmail?! Das sind doch diese Säcke aus Koblenz mit dem pausbackigen, größenwahnsinnigen Sänger-Idioten, der noch arroganter ist als der Rest seiner Band!' erzählt bekommen. Montag Abend haben Blackmail im Jazzhaus mal wieder bewiesen, wie daneben all diese Blackmail-Arroganz-Geschichten sind, und zwar nicht nur damit, dass Frontman Aydo Abay nach dem Konzert bereitwillig an der Bar seinen Rotwein mit einem Fan teilte, sondern vorallem natürlich mit einem wirklich tollen Konzert.



"Das war für mich wie ein Trip ohne Drogen!" erzählte ein glücklicher Fan Blackmail-Bassist Carlos Ebelhäuser nach dem Gig. "Ich hab drei Jahre drauf' gewartet, dass ihr endlich hierher kommt, und das warten hat sich gelohnt!" Carlos zeigte sich begeistert ob der Begeisterungsfähigkeit des Freiburger-Publikums an einem Montag-Abend.

Es war der erste Blackmail-Gig in Freiburg, und die Herren aus Koblenz wollten es ihren Freiburger Fans und denen, die sie an diesem Abend dazu machen wollten, zeigen, und zwar so richtig.

Das Licht: Düster und Bedrohlich. Der Sound: Bombast in Festival-Lautstärke. Die Videoprojektionen zu Beginn und Ende der Show: Flackernd und verloren. Der Trockeneis-Nebel: Reichlich. Die Songs: wohlbekannt und beliebt. Wie schon auf der Frühjahr-Tour boten Aydo Abay und seine Mannen zu beinahe gleichen Teilen Altes und Neues aus ihren insgesamt acht Alben an, wobei der Schwerpunkt auch diesmal wieder auf den letzten beiden Alben Aerial View und Friend or Foe? lag. Die Gitarre von Kurt Ebelhäuser war wieder treibend, auch wenn die exzessiven Soli diesmal leider ausblieben, weil 'Friend' als letzte Zugabe nicht gespielt wurde, der Bass von Carlos Ebelhäuser liess einem die Haare auf Armen und im Nacken hochstehen und die Drums von Mario Matthias waren gewohnt tight, während Aydo Abay grinsend und herumlaufen sein Frontman-Ding abzog und kaum mehr enthusiastische Lakonie beim Gesang und mehr Charme beim Das-Publikum-mit-Fankameras fotografieren hätte aufbringen können.

Blackmail bewies sich als eine Band, die weiss was sie kann, und genau das auch immer und immer wieder bereitwillig liefert, auch nach einem anstrengenden Festivalsommer und zu spärlich besuchten Auftritten in der französischen Schweiz. Es dürfte ihnen aber beim enthusiastischen, stage-divenden Publikum im gutgefüllten Jazzhaus und den Extra-Aus-Der-Schweiz-Angereisten-Über-Fans, die im März auch schon in Basel gewesen waren, auch nicht allzu schwer gefallen sein, ihr Ding zu drehen.

Es war wieder ein tadellos rockender Abend voll gut gemachter, großer Musik, wohldosiertem Exzess, und dem auf der Bühne und an der Bar erbrachten Beweis, dass Blackmail vor allem die Beste Alternative Rock-Band dieses Landes ist, und alles, aber eins vor allem gar nicht: nämlich arrogant.

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