Interview

Ehrenamtliche Hilfe ist weiterhin beim Stadtteilbüro Haslach gefragt

Felicia Herr

Sozialarbeiterin Regina Wielsch und Praktikantin Lara Bastian arbeiten im Stadtteilbüro Haslach und vermitteln ehrenamtliche Einkaufshilfen an Bedürftige im Stadtteil. Gerade längerfristiges Engagement ist gefragt, sagen sie im Interview.

Engagement im Stadtteil kann sehr vielfältig sein. Was bedeuten Nachbarschaftshilfe und Ehrenamt für Sie?

Wielsch: Das Haslacher Netz als lokales Angebot des Nachbarschaftswerks ist ein langfristiges, verbindliches und persönliches Beziehungsangebot für Menschen, die alleine sind oder Unterstützung brauchen. Etwa 20 bis 25 Ehrenamtliche unterstützen oft schon über Jahre hinweg Hilfebedürftige im Stadtteil. Meistens geht es darum, ältere Leute einmal die Woche zuhause zu besuchen oder zusammen spazieren zu gehen. Oder einer Migrantin beim Deutschlernen zu helfen. Einmal im Monat treffen wir uns in der Helfergruppe und besprechen verschiedene Themen. Die Treffen finden zurzeit aber nicht statt.

Das Haslacher Netz besteht ja schon seit 15 Jahren. Was hat sich seit der Corona-Pandemie verändert?

Wielsch: Wir haben in Corona-Zeiten noch zusätzlich die Einkaufshilfen initiiert. Das ist eine bestimmte Art der Nachbarschaftshilfe ohne Kontakt als ein kurzfristiges und niederschwelliges Angebot im Stadtteil. Menschen, die helfen möchten, können sich bei uns melden und wir vermitteln sie an Hilfsbedürftige. Das funktioniert ohne direkten Kontakt und auch nicht über einen längeren Zeitraum, sondern nach Bedarf.


Bastian: Im Unterschied zum Haslacher Netz, wo viele Ehrenamtliche und auch die Hilfsbedürftigen selbst zur Risikogruppe gehören, haben sich nun auch besonders jüngere Menschen gemeldet, die ehrenamtlich einkaufen wollen. Tatsächlich haben sich bisher über 20 Einkaufshilfen bei uns gemeldet und wir haben erst die Hälfte davon vermittelt. Entweder wird gar nicht so viel Hilfe beim Einkaufen benötigt, oder es wissen nicht alle bedürftigen Leute von diesem Hilfsangebot. Deswegen haben die Mitarbeitenden des Stadtteilbüro Haslach in der Haslacher Nachbarschaft auch Flyer in die Briefkästen verteilt.
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Seit einigen Wochen werden die Corona-Maßnahmen wieder langsam gelockert. Was bedeutet das für die Nachbarschaftshilfe? Wird sie dann nicht mehr gebraucht?

Bastian: Einkaufshilfen werden auch weiterhin gebraucht. Nicht von allen ehrenamtlichen Einkaufshilfen bekomme ich eine Rückmeldung, ob sie das noch weiterführen, weil diese Fragen direkt mit den Hilfsbedürftigen geklärt werden. Mit den Corona-Lockerungen werden wir die Vermittlungsarbeit aber auf keinen Fall stoppen.

Wielsch: Die, die Einkaufshilfen benötigen, gehören ja auf Grund ihres Alters oder Krankheit meist selbst zur Risikogruppe. Für die ist es weiterhin wichtig, dass sie möglichst wenige Kontakte haben. Insofern denke ich, dass auch trotz oder gerade wegen der Lockerungen die Einkaufshilfen benötigt werden. Das Virus wird ja bestimmt die nächsten Monate noch da sein und daher auch der Bedarf.

Welche guten oder schlechten Erfahrungen haben Sie bei der Vermittlung von Einkaufshilfen schon gemacht?

Bastian: Mich freut, dass wir bei Hilfeanfragen bisher sehr schnell vermitteln konnten und sich oft sogar noch am selben Tag ein Helfer oder eine Helferin gefunden hat. Als schwierig hat sich aber herausgestellt, dass manche Leute offenbar einen größeren Bedarf an Hilfe haben, als nur das Einkaufen. Es ist da nicht so leicht die Balance zu finden. So tun die Ehrenamtlichen manchmal mehr, als sie tun wollten. Und die Hilfebedürftigen fordern mehr ein, als sie sollten. Das ist anfangs schwierig herauszufinden und dann zu kommunizieren, was es gegebenenfalls sonst noch an Hilfe gibt.


Wielsch: Wir haben festgestellt, dass von den Bedürftigen, die eine Einkaufshilfe angefragt haben, einige eben auch noch mit anderweitigen psychosozialen Belastungen zu tun haben. Die, die in der Nachbarschaft gut vernetzt sind, bekommen auch von den Nachbarn viel Unterstützung. Aber gerade die, die bei uns nach Hilfe fragen, haben oft weniger Kontakt zur Nachbarschaft oder sonst verschiedenste Probleme. Manchmal ist es dann nicht nur mit der Einkaufshilfe getan, sondern es ist seelsorgerliche oder psychosoziale Beratung nötig. Das ist unsere Beobachtung seit Corona.

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Corona-Pandemie?

Bastian: Ich fände es schön, wenn das Engagement weiterhin so hoch bleibt und wenn sich Leute weiterhin bereit erklären, anderen Leuten aus ihrem Stadtteil zu helfen. Sei es auch nur eine Stunde die Woche oder alle zwei Wochen. Besonders schön ist, dass sich jetzt gerade auch jüngere Menschen engagieren. Ich hoffe, dass sich das fortträgt.

Wielsch: Das stimmt. Seit Bestehen des Haslacher Netz kommen selten, aber auch immer mal wieder jüngere Leute vorbei, zum Beispiel Studierende. Es hat sich gerade für die älteren Hilfebedürftigen als sehr bereichernd erwiesen, sich über Generationen hinweg austauschen zu können. Das finde ich schön und es ist meine Hoffnung, dass verschiedene Generationen auch über die Corona-Zeit hinweg zusammenfinden.

Haslacher Netz: Website
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