Zwischennutzung

Ehemaliges Modegeschäft in Landwasser wird Ausstellungsraum für Quartierskunst

Anja Bochtler

Mindestens bis zum Sommer steht er Kreativen zur Verfügung: Der Kunstraum "Schaufenster" im maroden Einkaufszentrum Landwasser. Die Initiatoren hoffen auf dauerhafte Kunsträume.

Los ging es mit zwei Künstlern, die nicht in Landwasser wohnen: Die Freiburger Musiker Mamoudou Doumbouya und Holger Maier, der meist als "Holger van den Tasten" auftritt, sind an vielen Orten im Einsatz. Gestern spielten sie beim neuen Kunstraum "Schaufenster", der bis mindestens Ende August im Einkaufszentrum Landwasser Kreativen und Engagierten ein Forum bietet. Das Team des Projekts "Kunst Landwasser" hofft auf Perspektiven für dauerhafte Kunsträume im neuen Einkaufszentrum.


40 Quadratmeter für Malerei, Bildhauerei und Fotografien

Bis vor kurzem gab’s hier "Kinder- und Damenmode": Die Aufschrift des Geschäfts "Prima Mode", das vor rund eineinhalb Monaten geschlossen hat, ist noch da. Daneben hängt in dem derzeit leeren Schaufenster ein Plakat des Projekts "Kunst Landwasser". Bald soll es auf der rund 40 Quadratmeter großen Fläche des Raums verschiedene und wechselnde Arten von Kunst zu sehen und zu erleben geben. Eine Hobbymalerin, eine Fotografin und ein Bildhauer hätten schon nachgefragt, ob sie ihre Werke ausstellen können, erzählt der Quartiersarbeiter Frank Hebda. Er gehört zum Organisationsteam rund um Thomas Zehe vom Verein "Kubus3" und um die auf Honorarbasis engagierte Freiberuflerin Eva Kirchner. Das Team hatte bereits im Herbst mehrere Kunstaktionen auf die Beine gestellt.

"In Landwasser gibt es viel zu wenig Kultur, und hier fehlen auch Orte für Partizipation und politische Veranstaltungen." Thomas Zehe, "Kubus3"
Der Kunstraum bietet in den kommenden Monaten noch mehr und neue Möglichkeiten. Hier soll gleichzeitig auch eine Debatte über den Umgang mit Kunst und Teilhabe nach dem Abbruch des alten Einkaufszentrums starten. Denn für Thomas Zehe, der mit den Kunstaktionen von "Kubus3" seit langem an den Albert-Schweitzer-Schulen im Einsatz ist, steht fest: "In Landwasser gibt es viel zu wenig Kultur, und hier fehlen auch Orte für Partizipation und politische Veranstaltungen." Der Kunstraum soll zur Plattform für die Zukunft werden: "Unser Ziel ist, dass sich eine eigenständige Initiative mit Engagierten entwickelt", sagt er. Dafür gibt es bis Sommer eine Anschubfinanzierung des Kulturamts und des Amts für Soziales und Senioren – für die Honorare von Künstlern, die im Kunstraum auftreten, sowie für Strom, Heizung und andere Nebenkosten. Miete verlangt der Bauunternehmer Peter Unmüßig, dem das Einkaufszentrum gehört, für den ohnehin leerstehenden Raum nicht.

Team hinter dem Projekt erhofft sich Räume für Kunst auch im neuen Einkaufszentrum

Doch Peter Unmüßig sollte auch im neuen Einkaufszentrum dauerhaft entsprechende Räume einplanen, fordert Peter Lüthi, dem der zeitlich befristete Kunstraum gut gefällt. Er singt im Kammerorchester Landwasser mit, das nun Projekte mit der Albert-Schweitzer-Grundschule plant: "Dafür fehlen uns Probenräume", sagt er. Außerdem malt er und kennt rund ein Dutzend weitere Landwasseraner, die gern regelmäßig ihre Bilder ausstellen würden.

Eine Orchesterkollegin habe Peter Unmüßig bereits auf die Planung von Kunsträumen angesprochen, doch der habe bisher nicht darauf reagiert. Als Nächstes wählt das Organisationsteam nun erstmal vier Aktionen aus, die im Kunstraum in den kommenden Monaten stattfinden sollen. Acht Gruppen hätten sich beworben, erzählt Eva Kirchner. Mit dabei ist auch eine Initiative, die den vor allem bei Kindern beliebten Betonfrosch vor dem einstigen "Treff 3000" nach dem Abbruch des Einkaufszentrums retten will.
Projekt "Kunst Landwasser": Am Samstag, 28. März, wird um 10 Uhr eine Ausstellung im neuen Kunstraum "Schaufenster" im Einkaufszentrum, Auwaldstraße 90, eröffnet. Gezeigt werden Skulpturen und Objekte von Jugendlichen aus der Bildhauerwerkstatt Kunstflug im Jugendhilfswerk und der Projektwerkstatt Kubus3. Das nächste Netzwerktreffen für alle, die mitplanen wollen, ist am Dienstag, 31. März, ab 19 Uhr im "Haus der Begegnung", Habichtweg 48. Kontakt für alle Interessierten über den Quartiersarbeiter Frank Hebda, Tel. 0761/15629955.

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