Kommentar

Drei Stunden Fremdscham beim Freiburger "Roast of" zur Bundestagswahl

Anika Maldacker

Bei der gewollt unverschämten Debattenrunde von "We talk Freiburg" kam es schon bei der Kandidatenvorstellung nach einem Nazi-Spruch zum Eklat. Trotz drei Stunden Dauer fehlte es dem Talk an Tiefe.

Selten hat eine Podiumsdiskussion in Freiburg so schnell zum Eklat geführt: Schon bei der Vorstellung des ersten Bundestagskandidaten, Matern von Marschall, beim "The Roast of – Kandidaten*innengrillen" am Sonntagabend im Jazzhaus gab es Schockstarre, Buhrufe und Empörung – sogar aus dem Publikum, das eher auf der Seite der linken, grünen und sozialdemokratischen Kandidierenden zu stehen scheint. Der Name des CDU-Bundestagsabgeordneten klinge "so schön nach Nazi-Erbe", so Moderator Jonathan Löffelbein von der Gruppe "We talk Freiburg", worauf von Marschall mit seinem Abgang droht und klarstellt: "Mich hier mit Nazis in Verbindung zu bringen, lasse ich nicht zu, dann müssen sie ohne mich klarkommen." Applaus aus dem Publikum und von Kandidierenden. Überspielte Verunsicherung beim hyperaktiven Moderatorenduo Löffelbein und Maya Rollberg, die peinliche Pausen am liebsten mit Sätzen wie "I love it" kommentierten.

Bei der FDP-Kandidatin Claudia Raffelhüschen fällt kurz darauf die Frage nach dem "beschissenen Namen". Das ist nicht frech, sondern schlechter Stil. Grüne, SPD und Linke kamen besser weg. Die junge Gruppe "We talk Freiburg" will gezielt unter die Gürtellinie gehen. Das hat sie getan. Keiner hätte es von Marschall verübeln können, wenn er gegangen wäre. In den restlichen drei Stunden ging es weniger fies zu. Doch gemessen an der Dauer der Show fehlte es den Diskussionen an Tiefe.