Freiburg

Drei Fragen an Larissa Schober zu ihrem Vortrag zu Erinnerungskultur

Alisa Lang

Der Vortrag "Erinnern um zu vergessen" am Mittwoch zur Erinnerungskultur in Freiburg ist Teil des 900-jährigen Stadtjubiläums. Die Vortragende Larissa Schober hat zu Erinnerungsarbeit in Post-Konflikt-Gesellschaften geforscht. fudder hat mit ihr gesprochen.

Was gibt es an der Erinnerungskultur in Freiburg zu kritisieren?

Ein allgemeines Problem des gesellschaftlichen Umgangs mit Erinnerungskultur besteht darin, zu denken, durch die Errichtung eines Denkmals wäre es getan. Ein kritisches Erinnern sollte sich nicht auf einen konkreten Gegenstand im Museum beziehen und die Beschäftigung mit dem Thema auf diesen Gegenstand reduzieren, um sich nicht weiter mit strukturellen Problemen auseinandersetzen zu müssen. Am Platz der Alten Synagoge wurde der Fehler begangen, Opfergruppen nicht ausreichend in die Planung des Denkmals miteinzubeziehen. Ein Beispiel für das "Erinnern um zu vergessen" zeigt vor allem der Umgang mit den Grundsteinen der Synagoge, die beim Bau des Brunnens gefunden und entsorgt wurden. An dieser Stelle wäre der Dialog mit den Opfergruppen wichtig gewesen. Beim geplanten NS-Dokumentationszentrum wurde die Einbeziehung von Opfergruppen bereits angestrebt, was als guter Anfang eingeschätzt werden kann.
Zur Person:

Larissa Schober, 31, ist Redakteurin im Informationszentrum 3. Welt (iz3w) und hat zu Erinnerungsarbeit in Post-Konflikt-Gesellschaften geforscht .

Gibt es ein richtiges Erinnern?

Mit dem Begriff eines richtigen Erinnerns tue ich mir schwer, es gibt keine Checkliste, die abgearbeitet werden kann. Die in der Planung des NS-Dokumentationszentrum in Freiburg formulierte Hauptzielgruppe sind Jugendliche. Dabei finde ich es wichtig, dass kein bestimmtes Erinnern vorgeschrieben wird, sondern durch Denkmäler die Grundlage für ein kritisches Erinnern gelegt werden kann. Dabei soll es nicht um eine autoritäre Geschichtserzählung gehen, denn Erinnern soll kein Mittel zum Zweck sein. Einen weiteren Punkt, der für das geplante NS-Dokumentationszentrum zu berücksichtigen wäre, stellt neben der Vorstellung von Opferbiografien auch die Abbildung von Täterbiografien dar. Um ein kritisches Erinnern zu ermöglichen, das zur Selbstreflektion einlädt. Generell sollte man es sich nicht zu einfach machen und bemüht sein, auch Brüche und Schwierigkeiten darzustellen.

Worum geht es beim Vortrag?

Bei meinem Vortrag handelt es sich um eine theoretische Einführung für die Vortragsreihe "War da was? Freiburger Geschichte ungeschönt", die bezüglich des 900-jährigen Stadtjubiläums stattfindet. Meine Beispiele für Erinnerungskultur kommen aus der ganzen Welt, überwiegend jedoch aus Holocaust-Erinnerungsstätten. Der Vortrag setzt kein Vorwissen voraus und zeigt, inwiefern Wissenschaft miteinbezogen werden kann, wenn es um Erinnern geht.
  • Informationszentrum 3. Welt: Web

  • Was: Vortrag: Erinnern um zu vergessen?
  • Wann: Mittwoch, 11. März, um 20 Uhr
  • Wo: Alte Uni, Max-Kade-Auditorium