Singer-Songwriter

Drei Fragen an den Freiburger Musiker Jules Hermens

Christina Braun

Der Singer-Songwriter Jules Hermens steht seit knapp zwei Jahren auf Freiburgs Bühnen. Am Samstag spielt er im Café Liebes Bisschen. fudder hat mit ihm über seine musikalische Inspiration, kaputte Flüsse und den Freiburg-Faktor gesprochen.

Einfühlsame (Nu)Folk-Gitarrenklänge treffen auf intelligente deutsche Lyrik: Mit seinen Songs erzählt Jules Hermens Geschichten aus dem Leben – authentisch und mitreißend. Freundschaft und Liebe finden darin genauso Platz wie Reflexionen über das System und die Komplexität unseres Alltags.


Musikliebhaber ist er schon lange, seit zwei Jahren steht der der 24-jährige Psychologiestudent auch selbst auf der Bühne. Seinen ersten Auftritt hat er in einem kleinen Café in Bordeaux, es folgen Shows in der Mensa-Bar, auf dem Platz der alten Synagoge, im The Great Räng Teng Teng und in anderen Freiburger Bars und Cafés. Im Dezember hat er seine erste EP "Kaputter Fluss und Meer" veröffentlicht.

Seit 2018 bist du mit deiner Gitarre auf verschiedenen Freiburger Bühnen unterwegs. Wie würdest Du deine Musik beschreiben?

Am ehesten über die Bands und die Interpreten, die ich am meisten bewundert habe und bewundere und immer auch versucht habe, zu imitieren. Musikalisch waren das vor allem Ben Howard, The Tallest Man on Earth und Nick Drake. Dieses durch das Akustische sehr Unaufgeregte, Unmittelbare und Intime, das all diese Künstler gemeinsam haben, hat mich immer sehr berührt und inspiriert.

Textlich haben mich vor allem deutsche Bands geprägt, zum Beispiel Tocotronic mit ihren sehr rätselhaften und auch ambivalenten Lyrics, aber auch Element of Crime, die es schaffen, sehr feine, lakonische und damit auch komische Alltagsbeobachtungen in ihren Texten unterzubringen. Und Bob Dylan natürlich - musikalisch und textlich - weil es ihm gelingt, Musik zu machen, die lyrisch-verschachtelt und aufrichtig zugleich ist. Da dachte ich mir: So würde ich auch gerne klingen – aber eben auf Deutsch.

Du hast im Dezember deine erste EP "Kaputter Fluss und Meer" herausgebracht. Was steckt hinter diesem Titel?

Das ist ein abgewandeltes Zitat aus dem Song "An Albert". Da heißt es eigentlich: "Das Meer wirkt manches Mal wie ein kaputter Fluss". Dabei geht es sowohl darum, sich zu verlieren und gerade dadurch zu finden, als auch darum, sich aus dem großen Strom zu entfernen und abseits davon Großes und Schönes, Sinnstiftendes und Persönliches zu finden. Außerdem haben die meisten Songs auf der Platte mit der Aufarbeitung einer Zeit zu tun, die für mich nicht immer einfach war. Das hat sich im Nachhinein so angefühlt, als ob ich lange durch einen kaputten Fluss getrieben sei. Aber nur dadurch habe ich letztendlich auch das Meer gefunden.
"Wie Bob Dylan würde ich auch gerne klingen – aber eben auf Deutsch."

Als Tocotronic-Fan kennst du sicher auch den Song "Freiburg". Hast du auch etwas gegen Fahrradfahrer, Backgammonspieler und Tanztheater?

Da ich selbst jeden Tag mit dem Fahrrad über die blaue Brücke in die Uni und zur Arbeit fahre, muss ich mir da schon auch ein bisschen an die eigene Nase fassen (lacht). Aber die Haltung des Dagegenseins gegenüber solcher für mich oft auch übertriebenen Verbrüderungsposen kann ich schon gut nachvollziehen. Deshalb höre ich das Lied auch ganz gerne, wenn mir der Freiburg-Faktor Freiburgs mal wieder ein bisschen über den Kopf hinauswächst.

  • Was: Jules Hermens
  • Wann: Samstag, 7. März, 20 Uhr
  • Wo: Café Liebes Bisschen, Komturstraße 33
  • Eintritt: frei, ein Hut geht rum