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"Digitalisierung kann eine Brücke oder Krücke für Kunst und Kultur sein"

fudder

Der diesjährige Freiburg Hackathon verbindet Kreativität, Innovation und Technologie mit der Kunst- und Kulturszene. Sévérine Kpoti, Freiburger Fotografin und (Sub)Kulturmacherin erzählt, wie digitale Ideen der Kunst und Kultur helfen könnten.

Die Fotografin Sévérine Kpoti, 1976 in Freiburg geboren, ist seit ihrer Jugend in der alternativen Kultur- und Musikszene engagiert. Sie ist unter anderem im Vorstand des Slow Club Freiburg, Mitbegründerin des Salon Riot und des Locartista Festivals und engagiert sich im Stream-Team im Slow Club Freiburg und bei #inFreiburgzuhause.

Wie hoch siehst Du den Stellenwert von Kunst und Kultur für Freiburg?
Kunst und Kultur entstehen nicht von alleine. Und noch weniger, wenn nur einzelne Wohlfühlinteressen bedacht werden. Kultur – und ganz wichtig auch deren Räume – müssen erhalten und gepflegt werden. Wir müssen der Hoch-, der Sub- und auch der Sozio-Kultur mehr Stellenwert beimessen. Es braucht Orte öffentlichen Nachdenkens und ein Einlassen auf die Kultur. Nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern es sollte sich zuallererst um einen wertschätzenden Umgang mit dem Gut Kunst und Kultur bemüht werden. Wir befinden uns aktuell in genau diesem Prozess und man kann vielleicht positiv berichten, dass die Diskussion über den Stellenwert jeglicher Kulturarten durch die Pandemie neu entfacht wurde und eine längst überfällige Sensibilisierung stattfindet. Besonders jetzt, da die Kultur durch den Lockdown stark an Sichtbarkeit verloren hat.

Welche Bedeutung haben Kunst und Kultur für Dich persönlich?
Kunst und Kultur ermöglichen Kreativität, Nischenräume und Kunstformen, die weniger stark reglementiert sind. Sie lassen bewusste Alternativen zu den Werten und Normen dominierender Kulturen zu. Randgruppen und marginalisierte Akteurinnen und Akteure bekommen durch Kunst und Kultur eine Plattform beziehungsweise Räume, die sie sich selbst geschaffen haben. Sprich: Kunst und Kultur braucht Jedermensch und ist für alle da. Das ist mein Verständnis und dafür setze ich mich auch in der Freiburger Kulturszene ein.

Virtuelle Veranstaltungen können nur bedingt Live-Events ersetzen, hier hat die Digitalisierung ihre Grenzen. Aber siehst Du dennoch Chancen für Kunst und Kultur durch Vernetzung und digitale Tools?
Ich lechze förmlich wieder nach Live-Kultur! Die Pandemie hat gezeigt, dass Digitalisierung zumindest eine Brücke oder Krücke sein kann, um den absoluten Stillstand zu verhindern und Kunst und Kultur weiterhin sichtbar zu machen. Darüber hinaus wissen wir, wenn der Kulturbetrieb wieder anläuft, was digital alles möglich ist. Kunst und Kultur kann durch Digitalisierung einem noch breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Der diesjährige Hackathon 2021 konzentriert sich auf Kunst und Kultur. Es gibt bereits interessante Challenge-Vorschläge wie: eine nutzerfreundliche Room- und Techniksharing-Plattform für Kunst- und Kulturschaffende oder einfache Tools zur finanziellen Unterstützung von Künstlern. Was hältst Du davon?
Sharing is Caring: Nicht jede Einrichtung kann sich teures Equipment leisten oder hat adäquate Räume oder das entsprechende Know-how zur Verfügung. Zudem ist das auch nicht notwendig. Fördergelder lassen sich sinnvoller nutzen und anderweitig einsetzen. Dass man sich gegenseitig mit Equipment, Raum und Menschenpower aushilft oder kooperiert, haben wir beim Slow Club in der Zeit der Streamings aktiv unterstützt.

Was wäre Deine Wunsch-Challenge für den Hackathon, welcher Bereich könnte eine digitale Verbesserung gut gebrauchen?
Eine gemeinsame digitale Plattform, auf die Kulturbetriebe und Künstlerinnen und Künstler unkompliziert zugreifen und auch aktiv mitgestalten können, würde die Vernetzung, den Austausch und die Übersichtlichkeit von Angeboten und Möglichkeiten wesentlich vereinfachen. Zudem fände ich es ein cooles Projekt, Kunst im öffentlichen Raum digital sichtbar zu machen. Somit bewirkt man mehr Interesse und Diskussion und kann den Zugang barrierefreier gestalten.
Mehr zum Freiburg Hackathon findest du hier: https://hackathon-freiburg.de

Der Freiburg Hackathon 2021 ist dank der Unterstützung folgender Sponsoren möglich:
Haufe Group, Jedox, Volksbank eG – die Gestalterbank, highQ und BZ medien