Baden-Württemberg

Digitale Lernplattform "Moodle" setzt zum Schulstart aus

dpa & Stephanie Streif

Zum Schulstart hätten sich etliche Lehrer, Schüler und Eltern am liebsten gleich wieder hingelegt. Denn pünktlich zur ersten Stunde schwänzte ausgerechnet die wichtige digitale Lernplattform Moodle.

In der ersten Stunde nach dem Unterrichtsbeginn setzte die digitale Lernplattform Moodle am Montag in Ton und Bild immer wieder aus. Über Twitter beschwerten sich zahlreiche genervte Lehrer und Eltern. "Kann es denn wirklich sein, dass es seit März keiner hinbekommen hat im @KM_BW eine funktionierende digitale Infrastruktur aufzubauen?" kritisierte eine Nutzerin das Kultusministerium, das sich später äußern will.


Ricarda Hellmann, Schulleiterin der Werner-Kirchhofer-Realschule in Bad Säckingen, zeigt sich frustriert: Die ersten Anrufe seien Montagmorgen bereits zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn bei ihr eingegangen. Am Apparat waren Lehrkräfte aus Hellmanns Kollegium, die ihre Schüler zu einer Videokonferenz eingeladen hatten. Nur – das System wollte nicht.

Moodle kam nicht in die Gänge

"Wir alle haben in den vergangene Tagen viel Zeit und Energie in den Schulstart investiert und wollten unsere Schüler pünktlich zur ersten Stunde in einer digitalen Klassenlehrerstunde begrüßen", erzählt sie. Aber man habe sich nicht mal einloggen können, so Hellmann. Etwa um Material hochzuladen, mit dem die Schüler dann alternativ hätten arbeiten können.

Auch andernorts kam Moodle nicht in die Gänge. An der Emil-Dörle-Schule in Herbolzheim zum Beispiel, wie Lehrerin Vivianne Sigg gegenüber der BZ bestätigt. Anlaufschwierigkeiten gab es auch am Freiburger Theodor-Heuss-Gymnasium und am Lahrer Max-Planck-Gymnasium. Nur wenige Stunden nach Unterrichtsbeginn stand auf der digitalen Plattform Netzwelt.de eine Deutschlandkarte, auf der die Moodle-Störungsmeldungen rot eingefärbt waren: Während es im Rest der Republik nur einige rote Punkte gab, war Baden-Württemberg komplett rot.

Tillmann Cordes, Mitglied des erweiterten Vorstandes des Gesamtelternbeirats der Freiburger Schulen, erzählt, dass bei ihm am Morgen im Sekundentakt WhatsApp-Nachrichten eingingen, abgeschickt von Elternbeiräten aus ganz Baden-Württemberg, die ständig neue Störungen vermeldet hätten.

In einem BZ-Livetalk am Montagmittag äußerte sich Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zu den technischen Problemen: Im überwiegenden Teil Baden-Württembergs habe Moodle ohne Funktionsstörungen funktioniert. Eisenmann nannte auch Zahlen: Nur in 20 Prozent der Standorte habe es Nutzerprobleme gegeben.



Moodle ist ein Lernmanagementsystem, über das Schüler und Lehrer online miteinander in Kontakt treten. Darin können Lerngruppen eingerichtet und Aufgaben verteilt und dann bearbeitet zurückgegeben werden.

Schüler und Lehrer können in Foren miteinander diskutieren und Informationen austauschen. Zudem gibt es eine Art Chatfunktion. Anwender berichten allerdings, dass Moodle in Baden-Württemberg kein einfach handhabbares System zum Management von Dokumenten hat.