Studium

Digitale Lehre kostet Dozierende an der Uni Freiburg mehr Zeit

Anika Maldacker

Seit zwei Semestern findet der Uni-Alltag digital statt. Nicht nur für die Studierenden ist das mühsam, sondern auch Lehrende haben oftmals mehr zu tun, als zuvor. Zwei Dozierende geben Einblicke.

Seit zwei Semestern läuft der Betrieb an der Albert-Ludwigs-Universität größtenteils digital. Für viele Dozentinnen und Dozenten bedeutet das: deutlich mehr Arbeit als zuvor. Praxiselemente ins Digitale zu übertragen, braucht Zeit und Kreativität. Sich die Technik zur digitalen Wissensvermittlung anzueignen ebenfalls. "Ich brauche viermal so lange, um digitale Kurse vorzubereiten, als Präsenzkurse zu organisieren", sagt Kathrin Drozella, promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Forstbotanik. Das schlägt sich in ihrer Arbeitszeit nieder. In nur zwei Monaten im Wintersemester hat sie rund 120 Überstunden angesammelt. "Die Belastung war sehr hoch", sagt sie. Den Freizeitausgleich versucht sie nun peu à peu zu nehmen, soweit das möglich ist.

Auch Martin Faber, promovierter Privatdozent am Lehrstuhl für Neuere und Osteuropäische Geschichte, betont, dass der zeitliche Aufwand, die Vorlesungen und Seminare vorzubereiten in der digitalen Lehre immens gestiegen sei. Für die digitale Aufzeichnung einer 90-minütigen Vorlesung hat er im Wintersemester vier Stunden benötigt. "Das liegt aber auch daran, dass ich hohe Ansprüche an meine Lehre habe", sagt Faber. Statt nur sich selbst beim Dozieren am Hörsaal-Pult zu filmen, produziert der Historiker aufwändige Videos, in denen Fotos und Karten und außerdem er selbst beim Vortragen eingeblendet werden. Die verschiedenen Programme, die er dazu braucht, hat er sich selbst im Internet zusammengesucht. "Den wissenschaftlichen Mitarbeiter, der mir vor der Pandemie bei der Aufzeichnung geholfen hat, konnte ich nicht mehr beschäftigen", sagt Faber. Es gab schlicht nichts mehr für ihn zu tun.

Klausur bedeutet doppelten Zeitaufwand

Zuletzt verspürte er den Zeitaufwand bei einer Klausur. Nachdem sich Studierende beschwert hatten, dass die Klausur in Präsenz stattfindet, stellte er eine Online-Klausur in Aussicht – nur um dann zu realisieren, dass eine Präsenzklausur in jedem Fall angeboten werden muss. Studierende, denen es an der Technik fehlt, sollten nicht benachteiligt werden. Also musste Faber zwei verschiedene Klausuren anfertigen, da die Termine nicht zeitgleich stattfinden konnten. "Ich musste ja beide Termine auch selbst überwachen."

Aber trotz des vermehrten Zeitaufwands können die beiden Dozenten der digitalen Lehre auch viel abgewinnen: Die Lernkurve in puncto Digitalisierung steigt. "Im vergangenen Frühjahr war das eine Katastrophe, als es hieß, alles solle digital gemacht werden", sagt Kathrin Drozella, "wir wussten nicht, wie wir an die Sache herangehen sollten." Besonders geholfen habe damals und heute die Abteilung E-Learning der Uni Freiburg, die die Lehrenden in Webinaren geschult hat – und die eigene Neugier auf die Technik. "Im Sommersemester habe ich mich gefreut, dass es funktioniert hat", sagt sie. Im Wintersemester habe sie mehr mit den digitalen Werkzeugen experimentiert.

Gehölze mithilfe eines Online-Fragebogens bestimmen

Beispielsweise hat sie ein Quiz als Wissenstest für Studierende erdacht; für eine digitale Veranstaltung mit 180 Teilnehmern hat sie Fragebögen erstellt, in denen die Studierenden anhand von Fotos Gehölze bestimmen müssen. Wer die Bäume in der freien Natur bestimmen wollte, konnte das mit Anleitung tun. "Inzwischen bin ich viel routinierter und habe nicht mehr so viel Hemmungen, mich zu blamieren", sagt sie. Geholfen habe ihr, dass sie ein Laborpraktikum im Wintersemester unter Einhaltung der Hygieneregeln in Präsenz abhalten konnte.

Auch Martin Faber findet gute Seiten an der digitalen Lehre: "Es tut gut zu sehen, dass man die Technik bewältigt", sagt er. Die wird er weiter benötigen: Im Sommersemester übernimmt er eine Online-Gastprofessur im polnischen Posen – von Freiburg aus.

Mehr zum Thema: